Facebook, Twitter, Google und die EU

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Es tut sich was im sozialen Web im Jahr 2012. Nach Google stehen nun auch bei Facebook und Twitter Änderungen ins Haus. (Foto: Ink Drop / shutterstock.com)

Geht es um Griechenland-Gelder, ist die EU ganz schnell dabei.

Dann geht plötzlich alles hopplahopp, die langsam mahlenden Mühlen der Bürokratie scheinen sich ganz woanders zu befinden.

Geht es allerdings um so Abstraktes wie Datenschutz oder so Neuartiges wie das Leben im Internet, hinken deutsche und europäische Politiker meilenweit der Zeit hinterher.

Facebook – für Politiker bisher nur PR-Maschine

Zwar lässt längst mancher Abgeordneter von seinem Praktikanten ein Facebook-Profil pflegen und auch das eine oder andere Polit-Skandälchen wurde hierzulande schon via Twitter ausgelöst.

Doch so recht mag die Komplexität niemand recht zu begreifen, mit der Facebook, Google und Co. unseren Alltag – und uns selbst – bereits jetzt durchdringen.

Vom Datenschutz halten sie alle nicht so furchtbar viel. Gerade Google und Facebook sind Datensammler Nummer eins – und damit attraktive Partner für Anbieter personalisierter Werbung.

Zuckerberg hat die Macht

Sie sitzen ziemlich bequem im Sattel, die Herren Marke Zuckerberg, denen tagtäglich Millionen Datensätze bereitwillig von den Nutzern entgegengeschleudert werden. Ich zeige dir, was ich mache und mit wem und wann und wo, ich zeige dir, wer ich bin – mach daraus, was du willst.

Das machen sie gern, die Social Network-Giganten. Und sie haben die Macht. Zum Beispiel die Macht, vorzuschreiben, wie so ein Profil auszusehen hat.

Einige Wochen liegt es nun zurück, dass Mark Zuckerberg die „Timeline“ vorstellte – seine Vision eines Facebooks-Lebenslaufs von der Geburt bis zum heutigen Tag, reich bebildert und vielfältig kommentiert. Chronologisch geordnet, via Jahreszahlen-Klick sofort verfügbar.

Timeline-Zwang kommt

Bald darauf wurde die Timeline für Nutzer eingeführt. Zunächst nur als freiwilliges Feature. Doch die Meldung, dass das neue Profil-Outfit in Kürze für alle 800 Millionen Nutzer verpflichtend sein wird, kommt nicht wirklich überraschend.

Zuckerberg wird uns allen seine Vision aufzwingen – weil er’s kann. Er hat die Vision Facebook geschaffen, der Millionen Menschen bereitwillig gefolgt sind. Und er kann bestimmen, wie es weitergeht.

Und so werden wir bald alle die Timeline bekommen, die erst einmal etwas chaotischer daherkommt als das bisherige, relativ statische Profil.

Facebook wird bestimmen, was besonders relevant ist in unserem Lebenslauf. Facebooks Werbepartner werden sich freuen über ganz neue Möglichkeiten des gläsernen potenziellen Kunden.

Googles personalisierte Suche könnte am inaktiven Nutzer scheitern

Wer Daten oder Bilder bei Facebook löscht, schaltet diese übrigens nur unsichtbar – tatsächlich gelöscht wird von den Mega-Servern kaum etwas, und schon gar nicht vom Durchschnitts-User.

Was man dem Datenkraken einmal zum Fraß vorwirft, gibt dieser nicht mehr her. Dabei ist es übrigens egal, welchem Datenkraken man sich unterwirft – Google ist nicht besser.

Die neue Suchfunktion „Search – plus your World“ könnte über die verhältnismäßig wenigen und überwiegend kaum gepflegten Google-Plus-Konten ins Stolpern geraten.

Will man wirklich Suche und soziales Online-Leben miteinander verquicken, geht das derzeit nicht ohne Facebook und Twitter zu berücksichtigen. Was Google natürlich nicht will, denn das ist ja direkte Konkurrenz.

Twitters Selbstzensur – unterwegs nach China?

Twitter indes plant offenbar, sich selbst zu zensieren und Tweets in einzelnen Ländern zu blockieren, wenn sie gegen dortige Gesetze verstoßen. Gerade vor dem Hintergrund der arabischen Revolution stößt diese Ankündigung auf massiven Protest.

Man fürchtet, autoritäre Regime könnten künftig zwar Twitter als Plattform zulassen, regimekritische Töne aber zensieren lassen.

Hintergrund könnte eine Expansion Richtung Fernost sein: In China florieren Kurznachrichtendienste, Twitter selbst allerdings ist komplett blockiert und kann vom dortigen Markt nicht profitieren.

Nun steht man offenbar vor der Abwägung Meinungsfreiheit gegen Profit – und die scheint Twitter nach jüngsten Meldungen anders zu gewichten als viele seiner Nutzer.

Und während all die Online-Dienste fleißig weltweit Daten sammeln und mit jedem Tag zumindest theoretisch mehr Macht zu generieren scheinen, erwacht allmählich auch die Europäische Union aus ihrem Dornröschenschlaf.

EU erhebt sich gemächlich aus Dornröschenschlaf

Unternehmen, die Daten sammeln und umfassende Profile einzelner Personen anfertigen können? Das ist aber nicht schön.

Um dem ganzen besser Herr werden zu können, will man nun europäische Datenschutzrichtlinien zu einer Gesamtverordnung vereinheitlichen. Bislang agieren die einzelnen EU-Länder relativ unabhängig und unterschiedlich in Sachen Datenschutz.

Einen ersten Entwurf zur einheitlichen Datenschutzverordnung hat EU-Kommissarin Viviane Reding in dieser Woche vorgestellt. In Kraft treten wird das Ganze aber frühestens in zwei bis vier Jahren.

Und bis dahin birgt der Entwurf noch viel Diskussionsstoff – den einen ist er zu hart, den anderen geht er nicht weit genug. Detailfragen besitzen auch hier wieder einmal Sprengkraft. So sind juristische Zuständigkeiten und Gerichtswege noch nicht abschließend geklärt.

Und während die EU sich hier ein Mammutprojekt auferlegt, in dem auch nationale Geschichten und der Glaube an Liberalismus eine Rolle spielen, sammeln Facebook und Google erst einmal unbeirrt weiter. Und vereinheitlichen Profile.

Letzterem können Sie sich als Nutzer nicht entziehen. Auf Ihre Daten aber können Sie aufpassen – überlegen Sie stets zweimal, bevor Sie etwas auf einer solchen Plattform veröffentlichen. Oder dreimal.

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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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