Facebook: Werbeboykott drückt Aktie des sozialen Netzwerkriesen in die Knie

Facebook Logo RED_shutterstock_513302824_I AM NICKOM

Facebook-Aktie: Werbeboykott weitet sich aus und trifft Online-Giganten an empfindlicher Stelle. Aktie gerät vorübergehend stärker unter Druck (Foto: I am Nickom / shutterstock.com)

Schon lange stehen die Online-Plattformen Facebook und Twitter wegen Hasskommentaren in der Kritik. Doch auf den Aktienkurs hatte dies bis zur letzten Woche wenig Auswirkung. Seit Jahresbeginn lag die Aktie zwischenzeitlich (bis zum 22. Juni) rund 20% im Plus.

Doch jetzt kommt zunehmend Dynamik ins Spiel: Die Rassismusdebatte wird von zahlreichen Großkonzernen immer ernster genommen und jetzt folgen Taten. US-Bürgerrechtsorganisationen hatten Firmen in der vergangenen Woche zu dem Boykott gegen Facebook aufgerufen. So soll der Konzern an einer empfindlichen Stelle getroffen werden – Facebook macht fast seinen ganzen Umsatz mit Werbeerlösen.

Die Aktie des Facebook-Konzerns geriet am Freitag stark unter Druck (-8%), da sich immer mehr Konzerne dem Werbeboykott anschließen.

Internationale Großkonzerne drehen Facebook den Geldhahn ab

Die Liste der Firmen, die sich dem Werbeboykott anschließen, wird immer länger. So will Unilever zumindest für den Rest des Jahres keine Werbung mehr auf den Online-Plattformen Facebook und Twitter schalten. Auch Honda, Eddie Bauer, Patagonia, Ben & Jerry`s, North Face, Coca Cola oder der Telekomriese Verizon stoppen ihre Onlinewerbung mindestens für den kompletten Juli und setzen damit ein Zeichen gegen Hass und Rassismus. Im Gegenzug sollen die frei werdenden Werbemittel auf andere Firmen verteilt werden.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg reagiert

Facebook betonte in einer Stellungnahme, jährlich Milliarden Dollar in die Sicherheit seiner Community zu investieren. Zusammen mit zahlreichen externen Experten arbeitet Facebook zusammen, um seine Richtlinien zu überprüfen und zu aktualisieren. Dank dieses Engagements würden fast 90% der Hasskommentare gefunden, bevor Nutzer auf sie aufmerksam machten.

Zudem sollen die Bemühungen zukünftig noch verstärkt werden. Vor allem im Vorfeld der US-Wahl im November sollen noch mehr Falschmeldungen herausgefischt werden.

Generell sollen auch die Standards für Werbung nach oben geschraubt werden. Abwertende oder hasserfüllte Botschaften, die auf bestimmte Ethnien, Religionen oder sexuelle Vorlieben abzielen, will Facebook zukünftig komplett blockieren.

Netzwerk-Gigant meldet 100 Millionen neue Nutzer im Startquartal

Es wird sich zeigen, ob Zuckerberg mit seinen Aussagen die Gemüter schnell wieder beruhigen kann. Operativ kam der US-Konzern bislang ausgesprochen gut durch die Pandemie. In der Corona-Krise gewann der Konzern schneller Nutzer als gewöhnlich.

Die Zahl der monatlich aktiven Nutzer bei Facebook stieg binnen drei Monaten um 100 Millionen auf 2,6 Milliarden. Auf mindestens ein Facebook-Produkt – also etwa auch Instagram oder WhatsApp – griffen zuletzt monatlich knapp drei Milliarden Nutzer zu.

Umsatzplus über den Analystenerwartungen

Trotz einbrechender Werbeerlöse im März legten die Umsätze im Startquartal um beachtliche 18% auf 17,7 Milliarden Dollar zu. Damit wurden die Analystenschätzungen um immerhin 400 Millionen Dollar übertroffen. Unter dem Strich verdoppelte sich das Quartalsergebnis auf 4,9 Milliarden Dollar. Aber Sie müssen wissen: In der vergleichbaren Vorjahresperiode war das Ergebnis von einem Rechtsstreit in Höhe von 3 Milliarden Dollar belastet worden.

Grundsätzlich dürfte die Nutzung des Netzwerks und die Bedeutung für die Werbeindustrie in den kommenden Jahren tendenziell eher zunehmen. Dennoch sollte Facebook-Chef Zuckerberg den öffentlichen Druck nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wie stark die Dynamik in den Onlinemedien zunehmen und damit Schaden anrichten kann, dürfte ihm als Facebook-Chef selbst bestens bekannt sein.

Wall Street – Trading Plan aufgegangen!

Wall Street – Trading Plan aufgegangen!Heute möchte ich mit Ihnen einen Blick auf den kurzfristigen Chart des amerikanischen S&P 500 Index werfen, denn dieser hat sich wieder in einen Abwärtstrend gewandelt. Auch wenn es übergeordnet… › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Rene König. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz