Fällt der US-Dollar nun in ein Loch?

Die Jackson-Hole-Konferenz sorgte zum Wochenende für einen überraschenden Auftrieb des Euro / USD. Erfahren Sie hier Näheres zum Thema: (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Am vergangenen Donnerstag hatte ich für Sie mögliche Auswirkungen der Jackson Hole-Konferenz (übersetzt: das „Jackson-Loch“) auf den Goldpreis untersucht.

Im dem so benannten Ort im US-Bundestaat Wyoming trafen sich die Notenbanker und Finanz-Politiker der Welt zum Meinungs-Austausch.

Janet Yellen (Chefin der US-Notenbank Federal Reserve Bank, FED) und Mario Draghi (Chef der Europäischen Zentralbank, EZB) interessierte eher etwas anderes:

Sie fokussierten sich indes auf die von der Trump-Regierung angestrebte Lockerung der Banken-Regulierung, indem sie vor einer Umsetzung warnten:

Die Regulierung des Banken-Sektors habe wesentlich zur Stabilisierung während der Finanzkrise 2008 beigetragen.

Eine Lockerung wird von der Diskussionsrunde als 1. Schritt in die nächsten Finanzmarkt-Turbulenzen beurteilt.

Europas Niedrigzins-Politik kein Thema

Die von vielen Experten erhofften Lösungs-Vorschläge für ein Ende der Niedrigzins-Politik in Europa blieben ebenso aus wie Aussagen zur Geldpolitik in den USA.

Die Enttäuschung der Marktteilnehmer manifestierte sich daher in einem erneuten Schwäche-Anfall des US-Dollars und zunächst auch beim gelben Metall:

Der Goldpreis setzte anfangs kräftig auf bis zu 1.276 USD zurück, erholte sich dann aber wieder.

Und er verabschiedete sich letztlich sogar mit einem leichten Tagesgewinn und einem Kurs von 1.291 USD je Feinunze ins Wochenende.

Der schwache US-Dollar hingegen stärkte im Gegenzug den Euro: Das Währungs-Paar markierte am Freitag mit 1,1942 ein neues Jahreshoch.

USD-Index vor 1 Monat

Vor rund 1 Monat hatte ich für Sie auf den USD-Index geschaut: Das ist der Index, der die Entwicklung des US-Dollar im Vergleich zu den 6 wichtigsten Weltwährungen zeigt.

Hier noch einmal mein Resümee aus dem Chartanalyse-Trends-Beitrag vom 27. Juli 2017:

„Die Abwärts-Bewegung sollte nun erst einmal zum Halten kommen. Der US-Dollar hat nämlich inzwischen die untere Begrenzung der seit Anfang 2015 bestehenden Seitwärts-Bewegung erreicht.

Und wir werden der Frage nachgehen, ob der US-Dollar-Exitus – vielleicht nach einer Pause – anhalten wird.“

Dann schauen wir uns doch mal an, was sich seither im USD-Index getan hat:

usd-index_28-08-2017

USD-Index: Weiter abwärts, aber noch in der Unterstützungs-Zone

Von dieser Entwicklung können Sie 2017 profitieren!Der Euro schwächelt derzeit wieder; er schwächelt sogar ganz bedeutend – obwohl die Medien davon noch nichts berichten... › mehr lesen

Aktuelle Charttechnik des USD-Index

Sie haben es gewiss schon vermutet:

Der erneute Schwäche-Anfall des US-Dollar hat den gleichnamigen Index nach einer Erholung in den ersten August-Wochen nun wieder unter die Unterstützung (pinkfarbene Linie) der seit Februar 2015 andauernden Seitwärts-Bewegung getrieben.

Das ist aus Sicht der Charttechnik aber noch nicht sonderlich tragisch: Denn wie Sie in der Grafik sehen, wurde die Unterstützung in den vergangenen 2 Jahren schon 2x „durchlöchert“.

Aus diesem Überschießen hat sich eine Unterstützungs-Zone gebildet (blau unterlegt) – und in diesem Bereich bewegt sich der USD-Index noch immer (roter Ring).

Dynamik der Abwärts-Bewegung lässt nach

Von einer „Pause im US-Dollar-Exitus“ kann also noch nicht wirklich die Rede sein: Dafür war die Erholung in den ersten August-Wochen 2017 zu gering.

Immerhin können wir aber eines konstatieren, solange der USD-Index in den verbleibenden August-Tagen nicht noch kräftig weiter sinkt:

Die Schwankungsbreite im laufenden Monat ist – zumindest bis heute – die niedrigste seit September 2016.

Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Abwärts-Bewegung an Kraft verliert.

Euro / USD: Die Langfrist-Perspektive

Dass der Euro am Freitag gegenüber dem US-Dollar ein neues Jahreshoch erreicht hat, wissen Sie bereits.

Entsprechend lautet die logische Konsequenz daraus: Der Aufwärtstrend des Euro / USD bleibt intakt.

Daher können wir uns den Tages-Chart „sparen“ und gleich auf den langfristigen Monats-Chart blicken:

euro-usd_28-08-2017

Euro / USD: Aufwärts-Bewegung dürfte bei 1,2800 enden.

Zunächst einmal wurde im August 2017 die Unterstützung bei 1,2638 bestätigt: Das Monats-Tief lag bei 1,1662.

Zugleich scheint sich das Währungs-Paar nunmehr aus der seit Februar 2015 ausgebildeten Seitwärts-Bewegung nach oben befreit zu haben. Allerdings:

Fazit

Der blaue Pfeil und die pinkfarbene Linie machen Ihnen sichtbar, dass der Euro-Anstieg wohl spätestens bei 1,2800 zum Erliegen kommen sollte.

Dort wartet nämlich der im Juli 2008 initiierte Abwärtstrend. An diesem Trend-Widerstand scheiterten in den vergangenen Jahren insgesamt 3 Aufwärts-Bewegungen (gelbe Kreise)!

Es ist aus heutiger Sicht also recht unwahrscheinlich, dass der USD-Index aufgrund des Jackson Hole-Austausches der wichtigsten Finanz-Menschen dieser Erde in ein „Loch“ fällt.

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Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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