Fällt Japan wieder zurück in die Rezession?

Japan: Das sind die Gründe für die Deflationskrise

Nach der längsten Aufschwungphase seit den 1980er-Jahren droht Japan wieder in die Rezession abzugleiten. (Foto: Vincent Tang - Fotolia)

Seit den 1980er-Jahren ist Japan ja in einer Art Dauerkrise. Die Wirtschaft wächst nur noch äußerst gering, der japanische Staat ist hoffnungslos überschuldet (236 Prozent in Relation zum BIP sprechen für sich) und die Bevölkerung schrumpft und vergreist massiv. Kein Wunder, dass sich die Japaner angesichts dieser fundamentalen Rahmendaten mit jahrelangem Nullzins abfinden mussten.

Vor einigen Jahren, genauer gesagt seit 2013, wollte der damals neue Premier Abe in Kooperation mit der Notenbank diesen Kreislauf durchbrechen. Mit der sog. Abenomics-Politik sollte Japan zurück auf den Wachstumspfad gebracht werden. Grundsätzlich basiert dieser Ansatz der Politik auf drei Säulen, nämlich anhaltender Billig-Geldschwemme, kreditfinanzierte Konjunkturprogramme und Deregulierung.

Acht Quartale Wachstum

Immerhin gelang es erneut, ein Strohfeuer auszulösen. Die japanische Wirtschaft wuchs bis zum Ende des Jahres 2017 acht Quartale in Folge. Jetzt scheint endgültig die Luft aus der japanischen Wirtschaft zu entschwinden. Fakt ist nämlich, dass schon im ersten Quartal 2018 das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal preisbereinigt um 0,2 Prozent sank. Aufs Jahr hochgerechnet betrug der Rückgang 0,6 Prozent, während von Reuters befragte Volkswirte im Mittelwert mit 0,4 Prozent gerechnet hatten. Und die jüngsten Daten aus dem zweiten Quartal geben wenig Anlass zur Hoffnung auf bessere Zeiten.

Ausgaben privater Haushalte gehen zurück

Letzte Woche gab die Regierung in Tokio bekannt, dass die privaten Haushaltsausgaben im April unerwartet um 1,6 Prozent zum Vormonat schrumpften. Von der Agentur Reuters befragte Ökonomen hatten einen Anstieg von 0,7 Prozent erwartet. Die Verbraucher gaben vor allem für Autos, Reisen und Freizeitvergnügen weniger Geld aus. Da der private Konsum mehr als die Hälfte der japanischen Wirtschaftsleistung ausmacht, deutet der Rückgang ein schwaches zweites Quartal an.

Hinzu kommt, dass auch der vom Institut IHS Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex (auf Basis einer Umfrage unter Dienstleistern und Industriebetrieben) im Mai um 1,4 auf 51,7 Punkte fiel. Markit-Ökonom Joe Hayes merkte vor allem mit Blick auf die Dienstleister an, dass das Neugeschäft so langsam wie seit 20 Monaten nicht mehr gewachsen sei.

Ja, liebe Leser, kein Wunder also, dass selbst notorisch positiv gestimmte Beobachter angesichts der schwachen Daten befürchten, dass Japan im Frühjahr das zweite Quartal in Folge schrumpfen und damit in eine Rezession zurückfallen könnte. Sinkende Verbraucherausgaben machen die japanische Wirtschaft nämlich noch abhängiger von der Auslandsnachfrage. Der Export ist allerdings wegen des eskalierenden Handelskonfliktes in Gefahr. In der Tat, Japan könnte damit die erste große Volkswirtschaft sein, die wieder zurück in die Krise fallen wird.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.