Fällt Japan wieder zurück in die Rezession?

Aus der Exportnation Japan kamen schlechte Nachrichten. Die Abkühlung der Weltwirtschaft offenbart sich immer deutlicher. (Foto: crystal51 / Shutterstock.com)

Die Nachrichten, die uns aus der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt, aus Japan, vor den Pfingstfeiertagen erreichen, sind alles andere als erfreulich. Die Nachrichtenagenturen vermeldeten nämlich, dass im ersten Quartal 2018 die längste Wachstumsphase der japanischen Wirtschaft ein abruptes Ende fand. Für die meisten – wie immer notorisch optimistisch gestimmten – Analysten kam diese Hiobsbotschaft – wie fast auch immer – völlig überraschend.

Japanisches BIP schrumpft

Fakt ist nämlich, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2018 auf das Jahr hochgerechnet um 0,6 Prozent geschrumpft ist. Das war dreimal so stark wie es die Volkswirte prognostiziert hatten. Damit kam der zuvor ausgerufene Japan-Boom zu einem jähen Ende. Acht Quartale wuchs die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ja zuvor.

Das war die längste Wachstumsphase seit Ende der 1980er Jahre. Und nun waren es schrumpfende Investitionen und Konsumausgaben, die für das Ende des Booms sorgten. Selbst die Exporte konnten diese Schwäche nicht mehr kompensieren. Auch diese fielen deutlich schwächer als prognostiziert aus.

Details offenbaren die aktuelle Schwäche Japans

Interessant ist auch, was hinter den eher schwachen Exporten Japans steckt. Die Ausfuhren stiegen von Januar bis März ja nur noch um 0,6 Prozent. Zum Vergleich, im Winterquartal des Jahres 2017 hatte es noch ein Wachstum von 2,2 Prozent gegeben. In den Berichten der japanischen Regierung ist zu lesen, dass für diese schwache Entwicklung vor allem sinkende Lieferungen von Handyteilen und Fabrikausrüstungen verantwortlich seien. Diese Teile würden hauptsächlich nach China, wo sie für den Export benötigt werden, geliefert. Dieses Geschäft sei jetzt aber gefährdet, wenn die US-Regierung weitere Zölle auf chinesische Exportprodukte verhängen sollte.

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Ja, liebe Leser, damit aber nicht genug. Ferner wurde vor Pfingsten bekannt, dass in Japan die offiziell ausgewiesene Inflation deutlich unter dem Zielwert der Notenbank verharrt. Im April dieses Jahrs schwächte sich der Preisauftrieb überraschend stark ab.

Die Kernrate, bei der schwankungsanfällige Preise für Nahrungsmittel herausgerechnet werden, sei im April nach Angaben der Regierung in Tokio nur um magere 0,7 Prozent gestiegen. Der Anstieg sei damit deutlich schwächer als von den meisten Volkswirten erwartet ausgefallen. Höchst beachtlich ist jedenfalls, dass die Notenbank zusammen mit der japanischen Regierung – Stichwort Abenomics – ja mit aller Macht versucht, die Teuerungsrate anzuheizen.

Das gelang selbst in der aktuellen Boomphase nur schwerlich; die Teuerungsrate ist kaum über die ein Prozent Marke gestiegen. Die offizielle Zielmarke der japanischen Notenbank liegt – wie bei der EZB – bei zwei Prozent. Unter dem Strich bleibt es trotz der extremen Geldpolitik beim schon seit Jahrzehnten anhaltenden deflationären Trend in Japan. Gut möglich, dass die Europäer, insbesondere auch Deutschland, in den kommenden Jahren dem japanischen Muster folgen werden.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.