Fairchild Semiconductor: Chipkonzern erhält weiteres Übernahmeangebot

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Fusion mit ON Semiconductor steht auf der Kippe (Foto: aphotostory / Shutterstock.com)

Eigentlich schien bereits alles in trockenen Tüchern zu sein. Mitte November beschlossen die Halbleiterkonzerne Fairchild Semiconductor und ON Semiconductor ihren Zusammenschluss. Die Parteien einigten sich auf einen Preis von 20 Dollar je Fairchild-Aktie. Das Volumen des kompletten Deals belief sich damit auf knapp 2,5 Milliarden Dollar.

Höheres Angebot aus China wurde abgelehnt

Anfang Dezember flatterte der US-Firma dann ein neues Übernahmeangebot ins Haus. Der Bieter war allerdings nicht öffentlich gemacht worden. Laut informierten Kreisen handelte es sich aber um ein chinesisches Konsortium rund um die Halbleitersparte der China Resources Holdings.

Trotz des höheren Angebots von 21,70 Dollar je Aktie wiegelte das Fairchild-Management ab und zeigte kein spürbares Interesse an dem Deal.

Kaufinteressent bessert nach

Offenbar geben sich die Chinesen aber nicht so leicht geschlagen. Gestern erreichte Fairchild eine nachgebesserte Offerte. Der Bieter wurde nur als Party G bezeichnet, deckt sich aber informierten Kreisen zufolge mit dem chinesischen Interessenten China Resources Holdings. Zwar blieb der Übernahmepreis von 21,70 Dollar je Aktie gleich, aber an anderen Punkten wurde erheblich geschraubt. Dabei dreht sich das Meiste um die sogenannten Strafzahlungen.

Beispielsweise würde jetzt eine Strafzahlung von immerhin 200 Millionen Dollar an Fairchild fällig, wenn der Deal von den Wettbewerbshütern nicht abgesegnet wird. Der konkurrierende Bieter ON Semiconductor würde hingegen nur 180 Millionen Dollar auf den Tisch legen.

Zusätzlich würden weitere 108 Millionen Dollar fällig, wenn der Ausschuss der US-Regierung zur Kontrolle von Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten die Übernahme blockiert. Dieser Ausschuss untersucht die Auswirkungen von ausländischen Investitionen in amerikanische Unternehmen auf die nationale Sicherheit.

Aber damit nicht genug: Wenn sich Fairchild für die Chinesen entscheidet, würden diese sogar die 72 Millionen Dollar übernehmen, die der Konzern dann an den unterlegenen Bieter ON Semiconductor zahlen müsste.

Konsolidierung in der Chipbranche geht weiter

Der Fairchild-Deal ist ein weiterer Beweis, dass die Konsolidierung in der Chipbranche noch lange nicht zu Ende ist. Alleine in diesem Jahr sind Übernahmen und Fusion im Gegenwert von 110 Milliarden Dollar über die Bühne gegangen. Zuletzt bestimmten Megadeals wie der Kauf von Altera durch Intel (16,7 Milliarden Dollar) und von Broadcom durch Avago Technologies (37 Milliarden Dollar) das Bild.

Treibende Kraft ist die Nachfrage nach günstigeren Chips und neuen Produkten für Geräte mit mobilem Internetempfang. Fairchild stellt unter anderem Chips für Stromsteuerungen und Autos her.

Wachstum und Margen bei Fairchild überschaubar

Wenn Sie sich die harten Fakten anschauen, dann erscheint Fairchild auf den ersten Blick nicht wirklich attraktiv zu sein. Gerade einmal knapp 2% Umsatzwachstum stehen seit 2012 auf der Uhr. Von den hohen Gewinnmargen der Vergangenheit (2010: 9,58%) ist das Halbleiterkonzern mittlerweile weit entfernt. In 2013 war Fairchild gerade noch so profitabel (Gewinnmarge: 0,36%), im letzten Jahr verbrannte der Konzern sogar Geld.

Alleine wenige Chancen

Im Vergleich zu vielen Wettbewerbern ist Fairchild mittlerweile nur noch ein kleines Licht. So kommen Fairchild’s Erlöse gerade mal auf ein Zehntel der Umsätze von beispielsweise Texas Instruments. Damit dürfte klar sein, dass ein profitables Fortbestehen alleine in Zukunft schwierig werden dürfte.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.