Fallen die Aktienmärkte noch einmal?

Dow Jones Tabellenausschnitt RED_shutterstock_528117172_Pavel Ignatov

Die Frage bewegt wohl die meisten Investoren: War es das nun mit der Krise an den Ak-tienmärkten? (Foto: Pavel Ignatov / shutterstock.com)

Wie wahrscheinlich ist es, dass das Tief, welches wir im März dieses Jahres an den Aktienmärkten gesehen haben, auch das endgültige der aktuellen Krise ist?

Mit anderen Worten: Brauchen wir uns nicht mehr vor einem weiteren Kursabsturz zu fürchten? Sind die jüngst markierten neuen Rekordhochs in den Nasdaq-Indizes die Blaupause für die derzeit noch hinterher hinkenden Dow Jones und S&P 500?

Ich werfe für Sie heute einen Blick in die Geschichte: Wir schauen uns die zurückliegenden großen Wirtschaftskrisen einmal näher an.

4 große Wirtschaftskrisen vor Corona

Die Zeit Online listete in einem Artikel vom 26. August 2009 mit dem Thema „Chronik der Krisen“ 4 Weltwirtschaftskrisen auf:

  1. Am 24. August 1857 löste „der Konkurs der Ohio Life and Trust Company, die sich beim Handel mit Anleihen für zweifelhafte Eisenbahnprojekte verspekuliert hat“  die Krise aus. „In kürzester Zeit entfacht diese Bankpleite einen Flächenbrand. Die Börsenkurse stürzen ab, vor allem Eisenbahnaktien verlieren einen Großteil ihres Wertes. In den USA müssen innerhalb weniger Tage 1415 Banken schließen, in New York stellen 32 von 33 Kreditinstituten ihre Zahlungen ein.“
  2. Am 15. Oktober 1857 ist es erneut ein Konkurs, der „die Aktienkurse innerhalb kürzester Zeit um durchschnittlich 44 Prozent“ fallen lässt. Diesmal ist es die Vereinsbank Quistorp & Co. „In den USA müssen mehr als 18000 Unternehmen Konkurs anmelden. … Die Krise von 1873 entwickelt sich zur schwersten des 19. Jahrhunderts – fast ein Jahrzehnt lang stagniert die Wirtschaft.“
  3. Am 25. Oktober 1929, dem Tag, der als „schwarzer Freitag“ in die Geschichte einging, fallen „die Kurse an der New Yorker Börse um 13 Prozent. … Es folgt eine vier Jahre währende Depression, in denen der Dow-Jones-Index insgesamt 90 Prozent seines Wertes einbüßt. … Die Folge ist eine globale Kettenreaktion: Die amerikanische Industrieproduktion halbiert sich, das Volumen des Welthandels reduziert sich gar um fast zwei Drittel. … Die Deflation ruiniert viele Betriebe und lässt 1931 schließlich das Bankensystem kollabieren.“
  4. Der 15. September 2008 ist als Beginn der Finanzkrise im kollektiven Gedächtnis, als die „US-Regierung sich weigert, die Investmentbank Lehman Brothers vor dem Konkurs zu retten.“  Tatsächlich begann die Krise schon Mitte 2007, als in den USA die Immobilien-Blase platzte und damit ein vorausgegangenes Spielkasino der Banken und Finanzdienstleister aufdeckte. „Nach der Lehman-Pleite wird aus der Finanz- eine Wirtschaftskrise.“

Leider verfüge ich in meiner Datenbank nur über eigene Charts ab dem Jahr 1976. Daher werden wir uns auf die beiden Krisen 1929 / 1933 und die Finanzkrise 2007 / 2008 konzentrieren.

Im Netz fand ich nämlich wunderbare Charts vom Dow Jones während der Depression der Jahre 1929 bis 1933 von TA professional. Beginnen wir gleich damit.

Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933

Der Niedergang an der Wall Street begann im Oktober 1929 und endete im Sommer 1932:

Dow Jones 1929 bis 1932

Ich habe mir erlaubt, in die Grafik von TA professional einmal die Veränderungsraten der größten Kursschwünge einzuzeichnen. Nach dem Ausgangs-Crash von -49% erholte sich der Dow Jones über 6 Monate hinweg zunächst um +51%. Von April 1930 büßte der US-Leitindex bis zum Sommer 1932 weitere -86% (!) ein.

Weltwirtschaftskrise 2007 / 2008

Hier ging es nach Erreichen des Höhepunktes im Oktober 2007 bergab:

Dow Jones 2007 / 2008

Nach dem ersten Rückgang um -18% erholten sich die Notierungen von Januar 2007 bis Mai 2008 um +13%. Danach verlor der Dow Jones bis zum März 2009 noch einmal -51%.

Weltwirtschaftskrise 2020 bis ?

Nach der Ausbreitung des Coronavirus wurde ab Ende März die Wirtschaft in einen Lock-Down geschickt. Die bisherige Chronik der Krise:

Dow Jones 2020 bis ?

Nach dem Rekordhoch am 12. Februar 2020 gab der Dow Jones innerhalb von knapp 6 Wochen um -38% nach. Gemessen an dem seither markierten Top erholte sich der US-Leitindex bis zum 8. Juni um +51%.

Fazit

Eines wird bei der Betrachtung der Weltwirtschaftskrisen 1929 bis 1933 und 2007 / 2008 deutlich: Es kam zunächst zu einem schnellen Rückgang, dem eine Erholung folgte. Danach schloss sich eine langanhaltende Abwärtsbewegung an, die deutlich größere Ausmaße hatte als die Initial-Bewegung.

Dies ist auch aus charttechnischer Sicht der eigentlich übliche Ablauf: Einem vorausgegangenen, langanhaltenden Aufwärtstrend folgt eine sogenannte ABC-Korrektur. Dabei ist die abwärtsgerichtete C- Welle in aller Regel ausufernder, als die A-Welle.

Was das Ausmaß angeht, so ist die aktuelle Krise wohl eher mit der Depression von 1929 bis 1932 zu vergleichen. Zumal die Krise 2007 / 2008 zunächst aus einer Finanz- und Bankenkrise entstand, die sich dann zur Weltwirtschaftskrise ausweitete.

Angesichts dieser Aspekte davon auszugehen, dass die laufende Krise von Seiten der Aktienmärkte als beendet anzusehen ist, wäre wohl leichtfertig. Das gilt auch aufgrund zweier anderer Aspekte. Denn allen Krisen ist Folgendes gemein:

Ihr wahres Ausmaß offenbart sich immer erst mit einer zeitlichen Verzögerung. Denn die sich verschlechternden Konjunktur- und Wirtschaftsdaten müssen erst einmal erfasst und berechnet werden.

Auch eine Zunahme der Insolvenzen erfolgt stets erst mit einem zeitlichen Delay: Je länger die Schockstarre andauert, umso weniger Unternehmen können diese finanziell überleben.

Dow Jones Tabellenausschnitt RED_shutterstock_528117172_Pavel Ignatov

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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.

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