Familie Hastor weitet Einfluss bei Alno aus

Die bosnische Unternehmer-Familie Hastor mischt nicht nur in der deutschen Auto- und -Zuliefer-Branche mit, wie Rolf Morrien hier zeigt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Über die bosnische Unternehmer-Familie Hastor habe ich an dieser Stelle in den vergangenen Wochen und Monaten häufiger berichtet.

Hastor hier, Hastor da – Stets geht es um Kontrolle

Dabei ging es beispielsweise um den Streit zwischen VW und der von Familie Hastor kontrollierten Prevent Gruppe.

Dieser spitzte sich im vergangenen Jahr zu und führte zu einem Lieferstopp – und damit zu einem zwischenzeitlichen Produktions-Stopp in den VW-Werken in Wolfsburg und Emden.

Noch mehr beschäftigte uns die versuchte Kontroll-Übernahme bei dem deutschen Auto- und Nutzfahrzeug-Zulieferer Grammer durch die Familie Hastor.

Der Konflikt zwischen Familie Hastor und dem Grammer-Aufsichtsrat und -Vorstand war vor wenigen Tagen bei der diesjährigen Grammer-Hauptversammlung nicht zu übersehen.

Das Vorhaben, den Grammer-Vorstands-Chef und Teile des Aufsichtsrats abzusetzen, misslang jedoch.

Damit ging die 1. Runde in diesem Konflikt für Familie Hastor verloren. Allerdings wird es hier ganz sicher eine Fortsetzung geben.

Bei einem anderen deutschen Unternehmen ist die Familie Hastor in den vergangenen Wochen und Monaten schon deutlich weiter gekommen in Sachen Kontroll-Übernahme.

Da es sich bei diesem Konzern jedoch um einen handelt, der weder in der Automobil-Branche tätig, noch in einem der größeren deutschen Aktienindizes vertreten ist, wurde darüber in den Medien kaum berichtet.

Es handelt sich dabei um den deutschen Küchen-Spezialisten Alno, der schwierige Zeiten hinter sich hat und sich aktuell in einem Restrukturierungs-Prozess befindet.

Die Beziehungen zwischen Alno und Familie Hastor

Das der Familie Hastor zuzurechnende Investment-Vehikel Tahoe Investors hält derzeit direkt und indirekt 43,13% der Anteile an Alno.

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Die Beteiligung war trotz geringer Zustimmung der Kleinaktionäre geglückt, da der US-amerikanische Großinvestor Whirlpool seine Aktien an Tahoe verkauft hatte und Tahoe frühzeitig Stimmrechts-Vereinbarungen mit bestehenden Aktionären – darunter auch dem scheidenden Alno-Chef Max Müller – geschlossen hatte.

Müller, der seinen Platz an der Spitze von Alno nach 6 Jahren räumt, ist voll des Lobes für den Investor.

Der habe gezeigt, „mit welcher Konsequenz sich die notwendige Restrukturierung des Alno-Konzerns voranbringen lässt“.

Der Investor Tahoe hatte mit seinem Einstieg ein hartes Sanierungs-Programm verbunden.

Um die Gefahr einer Blockade gegen das Sanierungs-Programm zu bannen, besetzte Tahoe Aufsichtsrat und Vorstand mit Vertrauten.

So ist beispielsweise der derzeitige Aufsichtsrats-Chef von Alno, Christian Becker, Rechtsanwalt der Prevent Gruppe, die, wie bereits erwähnt, ebenfalls von Familie Hastor kontrolliert wird.

Auch der neue Alno-Chef, der zuvor Finanz-Vorstand war und dieses Amt erst seit Ende 2016 ausübt, ist ein Vertrauter der Hastors.

Fazit

Sie sehen also: Bei Alno ist die Familie Hastor schon ein ganzes Stück weiter als bei Grammer.

Ob der Einstieg der Hastors bei Alno schlussendlich positiv ist für die anderen Alno-Aktionäre, wird die Zukunft zeigen müssen.

Immerhin verlief die Kontroll-Übernahme bei Alno bis dato nicht so „feindlich“, wie sie bei Grammer ablaufen sollte.

Der Alno-Aktienkurs von rund 0,40 € zeigt Ihnen aber, dass der Markt nicht sehr optimistisch ist, wenn es um die Rettung des Küchenmöbel-Herstellers geht.


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Von: Rolf Morrien. Über den Autor

Rolf Morrien ist nicht nur Chefredakteur von „Morriens Einsteiger-Depot“, dem „Depot-Optimierer“, von „Das Beste aus 4 Welten“ und von „Rolf Morriens Power Depot“, er ist auch einer der renommiertesten Börsenexperten Deutschlands.