Familien-Übernahme: Benetton vor Rückzug von der Börse

Der italienische Mode-Konzern Benetton steht vor einer grundlegenden Unternehmensveränderung.

Wie das für provokante Werbung bekannte Unternehmen mitteilte, will die Gründerfamilie Benetton wieder die komplette Kontrolle über das Mode-Imperium übernehmen. Kommt es zu einem Übernahme-Angebot, ist für die Aktionäre schon jetzt ein satter Gewinn vorprogrammiert.

Umsatzrückgang in Südeuropa: Benetton-Aktie unter Druck

Die Benetton-Aktie verlor in den vergangenen Monaten deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Vom Hoch bei 5,77 Euro ging es zunächst um 50% nach unten, bevor das Papier drehte (aktueller Kurs 4,05 Euro).

Zwar war nicht der gesamte Kursrückgang gerechtfertigt – doch in schwachen Börsenphasen verlangt der Markt von angeschlagenen Unternehmen einen höheren Risikoabschlag.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Aktie ist daher unter 10 gefallen. Investoren die auf einen Turnaround gesetzt haben, wurden bisher enttäuscht – schwache Umsätze in den Krisenländern Griechenland und Portugal haben eine Kurserholung zunichte gemacht.

Übernahme-Prämie kann bis zu 100% betragen

Die Enttäuschung über den Kursrückgang der Benetton-Aktie können die Investoren jetzt gelassen sehen. Denn die Familie will die Kontrolle über das Unternehmen und wird dafür tief in die Tasche greifen müssen.

Der Übernahme-Sensor rechnet damit, dass die Prämie sehr großzügig ausfallen wird. Im Idealfall wird für das Angebot der Buchwert als Maßstab hinzugezogen – abzüglich eines kleinen Sicherheitspuffers.

Dann kann die Prämie bis zu 100% über den 3-Monats-Durchschnittskurs liegen. Dies ist zwar ein sehr optimistisches Szenario, aber durchaus denkbar. Denn besonders langfristig investierte Aktionäre werden nur dann bereit sein ihre Aktien abzugeben, wenn der Preis stimmt. Die Benetton-Aktie stand im Jahr 2006 bei 15 Euro.

Sollte das Angebot zu niedrig sein, werden die Investoren auf eine Kurserholung ohne Übernahme setzen und ihre Aktien nicht abgeben wollen. Der Mindest-Übernahmepreis (3-Monats-Durchschnittskurs) dürfte daher keine Chance haben.

Übernahme-Angebot muss das langfristige Potenzial berücksichtigen

Orientiert sich der Übernahme-Preis an den zu erwartenden Gewinnen, sitzt auch eine großzügige Prämie drin. Zwar hat das Unternehmen jüngst mitgeteilt, dass Umsatz und Marge (folglich auch Gewinn) auch 2012 unter Druck bleiben, doch dürften diese Risiken weitestgehend in dem Aktienkurs eingepreist sein.

Wenn Benetton von den Aktionären eine Angebotsannahme möchte, dann muss der Übernahme-Preis auch berücksichtigen, welche Chancen eine Investition über das Jahr 2012 hinaus bieten würde. Die isolierte Betrachtung ausschließlich negativer Fakten ist bei Übernahme-Angeboten nicht angemessen.

Hochspannung unter Benetton-Aktionären

Aktuell ist die Benetton-Aktie vom Handel ausgesetzt. Heute wird sich entscheiden, ob es ein Übernahme-Angebot geben wird und welcher Preis für die noch ausstehenden 33% der Aktien angemessen ist.

Unter Benetton-Investoren herrscht also Hochspannung. Kommt es zu einem Deal, dann kann die Verlustposition schon morgen früh weit im Plus liegen. Ein Szenario, dass sich auch einige Douglas-Aktionäre wünschen. Auch hier prüft die Gründerfamilie den Rückzug von der Börse.

1. Februar 2012

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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