Family Dollar-Aktionäre entscheiden sich für finanziell schlechtere Offerte

In den USA ist der monatelange Übernahme-Kampf um die Discount-Supermarktkette Family Dollar gestern Abend zu Ende gegangen. Auf einer Hauptversammlung entschieden sich die Aktionäre für eine Übernahme durch den Rivalen Dollar Tree.

Vorausgegangen war ein Bieterkampf um die 1 $-Kette. Gegenüber standen sich Dollar Tree mit einem Angebot von 8,8 Mrd. Dollar und Branchenprimus Dollar General, der 9,1 Mrd. Dollar bot. Letztendlich entschieden sich die Anteilseigner für die finanziell unterlegene Offerte.

Sorgen vor Wettbewerbsbehörden sind ausschlaggebend

Das Ergebnis der Abstimmung war eindeutig: 74% der Anteilseigner bevorzugten das Dollar Tree-Angebot. Sicher fragen Sie sich, warum Aktionäre sich für eine finanziell unterlegene Offerte entschieden?

Die Antwort: Ein Deal mit Dollar General wäre auch dann nicht sicher gewesen, wenn beide Unternehmen sich einig sind. Denn Family Dollar ist die Nummer 2 im Markt und Dollar General die Nummer 1.

Es wäre sehr schwer gewesen den Deal an den Wettbewerbsbehörden vorbei zu bekommen. Family Dollar selbst warnte vor Preissteigerungen, wenn sich die Nummer 1 mit der Nummer 2 verbündet.

Immerhin würde an 6.000 Standorten im Umkreis von 3 Meilen jeweils ein Geschäft der beiden Konkurrenten stehen. Dollar General sah das weniger kritisch und bot an kritischen Standorten die Schließung von 1.500 Filialen an.

Dollar General: Mehr Verhandlungsgeschick hätte Deal vielleicht möglich gemacht

Neben den wettbewerbsrechtlichen Problemen könnten auch andere Gründe dazu geführt haben, dass der Deal jetzt mit dem kleineren Rivalen Dollar Tree stattfindet. Es wird berichtet, dass der Family Dollar-Chef im Sommer 2014 auf den Dollar General-Chef zugegangen sein soll, um den Übernahme-Willen abzutasten.

Doch der Dollar General-Chef soll damals signalisiert haben, dass nur Interesse besteht, wenn der Übernahme-Kandidat zum Freundschaftspreis zu haben ist. Zu dem Zeitpunkt wusste Dollar General aber auch nicht, dass Dollar Tree schon vorgesprochen hat.

Vielleicht wäre das ganze anders ausgegangen, wenn der Branchenprimus von vornherein ernsthafteres Interesse gezeigt hätte. Viele Großübernahmen in Märkten mit hoher Konzentration haben gezeigt, dass der Weg nicht zwangsläufig durch die Wettbewerbsbehörden versperrt ist.

Aber erst einen Freundschaftspreis ins Spiel bringen und dann eine feindliche, finanziell nur leicht bessere Offerte vorzulegen, ist wohl eher die Variante, die zeigt, wie es nicht geht.

Belastend dürfte auch gewesen sein, dass Dollar General die Besetzung der künftigen Führungsmannschaft offen lies – Dollar Tree hingegen teilte mit, dass der Family Dollar-Chef an Bord bleibt.

Trotz niedrigerem Gebot erzielen Übernahme-Investoren 35% Gewinn

Wenn Sie den Übernahme-Gewinner häufiger lesen, ist es für Sie nicht neu, dass auch finanziell unterlegene Offerten den Zuschlag bekommen können. In diesem Fall war es die Sorge vor den Wettbewerbsbehörden – in anderen Fällen geht es um Synergien und die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten des Übernahme-Kandidaten.

Gerade wenn Gebote nur wenig auseinanderfallen, ist die Entscheidung häufig offen. Für die Family Dollar-Aktionäre ist der 3,4% niedrigere Angebotspreis auch zu verschmerzen. Wer sich im Frühjahr 2014 positionierte, hat rund 35% Übernahme-Gewinn sicher.

23. Januar 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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