Fast eine Billion Euro fauler Kredite in den EU-Bankbilanzen

Die Wirtschaft in Europa befindet sich laut vieler Medienberichte im Aufwärtstrend. Über die prekäre Lage der Banken wird kaum berichtet. (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Schon seit geraumer Zeit dominiert ja die positive Berichterstattung zur wirtschaftlichen Lage in Europa die „Agenda“. Es wird von einem stabilen, ja robusten Aufschwung gesprochen. Von Krise ist da nirgends mehr die Rede. Selbst die Lage der Banken verbessere sich, so der Grundtenor der Schlagzeilen.

EU-Kommission zur Lage der Banken

Gleich zu Beginn des Jahres wies die EU-Kommission darauf hin, dass sich per Ende des zweiten Quartals 2017 die Lage der Banken in der EU weiter verbessert habe. Die Quote der ausfallgefährdeten, sprich notleidenden Kredite sei abermals gesunken. Und zwar von 5,6 Prozent aller ausgereichten Kredite auf nur „noch“ 4,6 Prozent.

Fakt ist aber laut offiziellen Angaben der EU-Kommission, dass immer noch sage und schreibe 950 Milliarden Euro notleidende Kredite die Bankbilanzen belasten. Wohl gemerkt, dabei handelt es sich um amtliche Zahlen, die sicherlich extremst optimiert sind.

Krisenland Italien im Fokus

Höchst beachtlich auch, dass die EU-Kommission selbst mit Blick auf die Lage der Banken in Italien von einer Verbesserung spricht. Hier sei die Quote notleidender Kredite von 16,2 auf 12,2 Prozent gefallen. Leider gab Brüssel nicht bekannt, wie viele Milliarden hier im Feuer stehen. In diversen Berichten war zu lesen, dass selbst jetzt immer noch bis zu 300 Milliarden Euro an faulen Krediten in den Bilanzen der italienischen Geldinstitute schlummern.

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Trotz der zahlreichen Rekapitalisierungen und Bankenrettungsmaßnahmen des italienischen Staats. Zwischen 2015 und 2017 musste der italienische Staat ja mit mehr als 30 Milliarden Euro die maroden Banken vor dem Zusammenbruch bewahren. Und selbst jetzt sollen noch bis zu 300 Milliarden Euro notleidend sein. Ein Wahnsinn!

Griechische Banken noch schlimmer dran

Und wenn es um die Euro-Krisenländer geht, darf auch Griechenland nicht vergessen werden. Hier ist es immer noch so, dass fast die Hälfte aller vergebenen Darlehen „faul“ sind. Das ist schon wahrlich bemerkenswert. Und hier geht es auch nicht um „peanuts“. Laut der griechischen Zentralbank reden wir hier über eine Summe von um die103 Milliarden Euro. Die EZB mahnt ja die griechischen Banken an, bis zum Ende des Jahres 2019 den Bestand an faulen Krediten auf 38 Milliarden Euro zu verringern. Ob und wie das erreicht werden soll, bleibt fraglich.

Ja, liebe Leser, die EU-Kommission gibt offen zu, dass die Summe fauler Kredite in der EU bei fast einer Billion Euro liegt. Immer noch. Die Bankenkrise ist also keinesfalls beendet, geschweige denn gelöst.


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Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.