Fastly-Aktie auf Achterbahnfahrt: Was Anleger jetzt wissen sollten

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Fastly-Aktie nichts für schwache Nerven: Hohes Wachstum steht hohen Schwankungen gegenüber. Pandemie sorgt für Nachfrageboom (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Wer als Anleger bei der Aktie des Cloud-Software-Spezialisten Fastly investiert ist, braucht wirklich starke Nerven. Seit März explodierte die Aktie von 11 bis auf in der Spitze 116 Dollar, nur um im Anschluss nach Vorlage der Zahlen um fast ein Drittel in den Keller zu rutschen. Doch der Rücksetzer währte nicht lange. Bereits gegen Ende letzter Woche nahmen die Papiere ihren Aufwärtstrend wieder auf und sprangen zeitweilig zweistellig nach oben.

Spezialist für Edge Computing

Fastly ist ein in 2011 gegründetes Enterprise-Software-Unternehmen, das Entwicklern Tools zur Verfügung stellt, mit denen sie die Leistung von Websites und mobilen Anwendungen beschleunigen können. Dabei werden Inhalte “näher an die Endnutzer” gebracht, was im Fachjargon als “to the Edge”, bezeichnet wird. Der US-Konzern betreibt weltweit derzeit circa 60 Rechenzentren. Fastly ist damit ein so genanntes Content Delivery Network (CDN) und spielt mit seinem Caching eine wichtige Rolle für die Performance, Stabilität und Sicherheit von Web-Applikationen.

Das Kundenportfolio ist breit gestreut: Von der New York Times, The Guardian über E-Commerce-Firmen wie Shopify, Ticketmaster oder Reiseplattformen wie AirBnB und TripAdvisor nutzen zahlreiche Unternehmen die Lösungen von Fastley, um die Performance ihrer Online-Dienste zu optimieren.

Großkunden sorgen für das meiste Geschäft

Insgesamt kam Fastly Ende abgelaufenen Quartals auf 1.951 Kunden (vs. 1.837 im Vorjahresquartal). Allerdings generieren derzeit 304 Großkunden 88% der Umsätze. Jeder Kunde gibt dabei im Schnitt 716.000 Dollar aus, nach einem Vorquartalswert von 642.000 Dollar. Der mit Abstand größte Einzelkunde des Unternehmens ist die chinesische Videoplattform Tiktok, die zuletzt für 12% der gesamten Umsätze stand.

Fastly mit 62% Umsatzwachstum….

Im Vergleich zum Vorquartal konnte Fastly das Wachstum zuletzt sogar noch beschleunigen. Im zweiten Quartal kletterten die Umsätze um 62% auf 75 Millionen Dollar. Für Sie zum Vergleich: Im Startquartal lag das Umsatzwachstum „nur“ bei 38%. Damit entpuppte sich Fastly als klarer Krisengewinner. Die Internetnutzung ging im Corona-Quartal durch die Decke. Entsprechend mussten viele Kunden ihre Ausgaben deutlich nach oben fahren, um keine Performanceeinbußen bei ihren Diensten zu haben.

Beeindruckend entwickelte sich die sogenannte Net Retention Rate, eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung von Softwarefirmen. Die Net Retention Rate lag bei 137%, was bedeutet, dass die bisherigen Kunden immer mehr Dienstleistungen von Fastly beziehen und die Kundenzufriedenheit entsprechend hoch ist.

……und weiter roten Zahlen

Unter dem Strich verharrte Fastly aber weiter in den roten Zahlen. Das Nettoergebnis lag im zurückliegenden Quartal bei -14,46 Millionen Dollar und damit auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahreszeitraum (-15,59 Millionen Dollar). Für das Gesamtjahr rechnet Firmenboss Joshua Bixby mit einem Umsatz von 290 bis 300  Millionen Dollar. Das ist leicht mehr als zuvor prognostiziert und deutlich über dem Vorjahresniveau (200 Millionen Dollar). Auch beim Ergebnis hat der Konzern eine Schippe draufgelegt. Statt einem Verlust von 8 bis 15 Cent erwartet der Softwarespezialist nun 1 bis 6 Cent je Aktie.

Fazit: Fastly hat sich mit seinem Geschäftsmodell in einem aussichtsreichen Wachstumsmarkt positioniert. Allerdings erscheint bei einem Börsenwert von 8 Milliarden Dollar ein Großteil der Phantasie zumindest kurzfristig eingepreist. Anleger sollten sich bei der Aktie in jedem Fall auch zukünftig auf hohe Schwankungen einstellen.


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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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