Fastly-Aktie mit kräftigem Kurssprung

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Fastly-Aktie: Keine Nachrichten sind gute Nachrichten. Anleger treiben Aktie des Cloud- und Edge-Computing-Spezialisten auf neues Rekordhoch (Foto: Blackboard / shutterstock.com)

Eine Achterbahnfahrt ist nichts gegen die Entwicklung der Aktie des Cloud-Software-Spezialisten Fastly. Eine beispiellose Kursexplosion trieb die Aktie seit März von 11 bis auf in der Spitze 116 Dollar nach oben, bevor die anschließende Korrektur die Papiere wieder unter die 80 Dollar-Marke drückte. Doch mit dem Rücksetzer scheint es schon wieder vorbei zu sein. Am Mittwoch griffen die Anleger zu und trieben die Aktie mit einem Tagesplus von 20% auf ein neues Rekordhoch bei 119 Dollar.

Was steckt hinter der spektakulären Kursentwicklung? Kann die fundamentale Entwicklung mit dem Kurssprung mithalten? Wie schätzen die Analysten die Aktie ein?

Spezialist für Edge Computing

Bevor wir auf die aktuellen Geschäftszahlen zu sprechen kommen, möchte ich Ihnen Fastly gerne näher vorstellen. Fastly ist ein in 2011 gegründetes Enterprise-Software-Unternehmen, das Entwicklern Tools zur Verfügung stellt, mit denen sie die Leistung von Websites und mobilen Anwendungen beschleunigen können. Dabei werden Inhalte “näher an die Endnutzer” gebracht, was im Fachjargon als “to the Edge”, bezeichnet wird. Der US-Konzern betreibt weltweit derzeit circa 60 Rechenzentren. Fastly ist damit ein so genanntes Content Delivery Network (CDN) und spielt mit seinem Caching eine wichtige Rolle für die Performance, Stabilität und Sicherheit von Web-Applikationen.

Das Kundenportfolio ist breit gestreut: Von der New York Times, The Guardian über E-Commerce-Firmen wie Shopify, Ticketmaster oder Reiseplattformen wie AirBnB und TripAdvisor nutzen zahlreiche Unternehmen die Lösungen von Fastley, um die Performance ihrer Online-Dienste zu optimieren.

Bislang starke Abhängigkeit von Großkunden

Insgesamt kam Fastly Ende abgelaufenen Quartals auf 1.951 Kunden (vs. 1.837 im Vorjahresquartal). Allerdings generieren derzeit 304 Großkunden 88% der Umsätze. Jeder Kunde gibt dabei im Schnitt 716.000 Dollar aus, nach einem Vorquartalswert von 642.000 Dollar. Der mit Abstand größte Einzelkunde des Unternehmens ist die chinesische Videoplattform Tiktok, die zuletzt für 12% der gesamten Umsätze stand.

Fastly mit kräftigem Wachstum

Im Vergleich zum Vorquartal konnte Fastly das Wachstum nochmals beschleunigen. Im zweiten Quartal erhöhten sich die Umsätze um 62% auf 75 Millionen Dollar. Das lag deutlich über dem Umsatzwachstum von 38% im ersten Quartal. Damit entpuppte sich Fastly als klarer Krisengewinner. Die Internetnutzung ging im Corona-Quartal durch die Decke. Entsprechend mussten viele Kunden ihre Ausgaben deutlich nach oben fahren, um keine Performanceeinbußen bei ihren Diensten zu haben.

Beeindruckend entwickelte sich die sogenannte Net Retention Rate, eine wichtige Kennzahl zur Beurteilung von Softwarefirmen. Die Net Retention Rate lag bei 137%, was bedeutet, dass die bisherigen Kunden immer mehr Dienstleistungen von Fastly beziehen und die Kundenzufriedenheit entsprechend hoch ist.

Gewinne „noch“ Fehlanzeige

Unter dem Strich verharrte Fastly weiter in den roten Zahlen. Das Nettoergebnis lag im zurückliegenden Quartal bei -14,46 Millionen Dollar und damit auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahreszeitraum (-15,59 Millionen Dollar). Für das Gesamtjahr rechnet Firmenboss Joshua Bixby mit einem Umsatz von 290 bis 300  Millionen Dollar. Das ist leicht mehr als zuvor prognostiziert und deutlich über dem Vorjahresniveau (200 Millionen Dollar). Auch beim Ergebnis hat der Konzern eine Schippe draufgelegt. Statt einem Verlust von 8 bis 15 Cent erwartet der Softwarespezialist nun nur noch einen Verlust von 1 bis 6 Cent je Aktie.

Übernahme von Signal Science ein Meilenstein

Dabei will Fastly nicht nur organisch wachsen. Auch Übernahmen dürften zukünftig eine Rolle spielen. Vor wenigen Tagen hat der Konzern die Übernahme von Dollar Signal Sciences für 775 Millionen bekanntgegeben. Mit dem Deal steigt Fastly ernsthaft in den Security Markt ein. Außerdem bringt Signal Sciences 60 Enterprise Kunden zu Fastly, von denen 70% komplette Neukunden für Fastly sind.

Analysten hinken Kursentwicklung hinterher

Nach dem jüngsten Kurssprung kommt Fastly inzwischen auf einen Börsenwert von 10,80 Milliarden Dollar. Vor dem Hintergrund des angepeilten Jahresumsatzes von rund 300 Millionen Dollar eine stolze Summe. Zumindest scheinen die Analysten diese Auffassung zu vertreten. Von 12 Experten, die sich mit der Aktie beschäftigen, raten lediglich 7 zum Kauf. Drei Analysten sehen in der Aktie eine Halteposition, während 2 Banker sogar zum Verkauf raten. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 96 Dollar deutlich unter dem gerade erreichten Allzeithoch von 119 Dollar. Die nächsten Quartalszahlen werden zeigen, ob Fastly den hohen Erwartungen der Anleger gerecht werden kann.

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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.

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