Fed hebt Leitzins an – gegen Trumps erklärten Willen

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Ist es ein bewusstes Auflehnen gegen Trump – oder lediglich ein Festhalten am eigenen Fahrplan? Die Fed hebt den Leitzins erneut an. (Foto: Christopher Halloran / shutterstock.com)

Er hat es durchgezogen: Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, hat in dieser Woche die nächste Anhebung des Leitzinsniveaus angegeben.

Erneut steigt der Zins um 0,25 Prozent auf nun 2,5 Prozent. Damit bewegt sich die Fed in ihrem angekündigten Zeitplan, wonach eine Zinserhöhung pro Quartal für 2018 angedacht war. Im kommenden Jahr sind dafür anstelle der bislang geplanten drei nur noch zwei Zinsschritte geplant, sodass das Zinsniveau sich Ende 2019 in Richtung der 3 Prozent bewegen dürfte, die als neutral angesehen werden – also die Wirtschaftsleistung weder aktiv stützen noch ausbremsen.

Trump setzt Fed vorab unter Druck

Die Zinsanhebung war erwartet worden, dennoch gab es bis zuletzt Restzweifel, ob sie tatsächlich noch in diesem Jahr umgesetzt werden würde, denn zuvor hatte es einmal mehr Proteste von prominenter Stelle gegeben, nämlich aus dem Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump hatte im Vorfeld der zweitägigen Sitzung der Notenbanker via Twitter davor gewarnt, die Fed möge keinen „weiteren Fehler“ machen.

Damit setzte Trump seinen erst im Februar angetretenen Wunschkandidaten Powell gleich doppelt unter Druck. Denn egal, was er verkünden würde, es würde zumindest anteilig auch als Reaktion auf Trump bewertet werden. Hätte er die Zinsanhebung verschoben, hätte man ihm allzu starke Abhängigkeit vom Präsidenten unterstellen können. Nun, da er seinen Zinsschritt wie angekündigt durchgezogen hat, erscheint es, als wolle er Trump bewusst Paroli bieten.

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Für das Ansehen der Notenbank ist beides nicht gut, denn die Währungshüter leben gerade von ihrer Unabhängigkeit von der Regierung. Sie sind frei in ihren geldpolitischen Entscheidungen und somit auch in der Festlegung des Leitzinsniveaus.

EZB reagiert zeitverzögert

Der Leitzins war im Zuge der globalen Finanzkrise drastisch gesenkt worden auf bis zu 0,25 Prozent, um Banken zu günstigen Krediten zu ermuntern und dadurch die Wirtschaft anzukurbeln. Mit der nun seit Ende 2015 erfolgenden schrittweisen Zinsanhebung soll das Niveau wieder normalisiert werden.

In Europa hat die Europäische Zentralbank, wenn auch etwas zeitverzögert, einen ähnlichen Weg eingeschlagen. Auch hier wurde der Leitzins abgesenkt – auf null. Im Gegensatz zur Fed hat die EZB allerdings noch nicht damit begonnen, an der Zinsschraube zu drehen. Ein solcher Schritt wird erst im kommenden Jahr erwartet. Zum Jahreswechsel hin laufen jedoch die Anleihekäufe aus, die ebenfalls ein Instrument waren, um die Märkte zu stabilisieren.

Gerade an den Börsen – sowohl in New York als auch in Frankfurt und anderswo – hatte sich in den vergangenen Wochen Nervosität breitgemacht. Gerade Aktien gerieten massiv unter Druck, der Dax beendet das Kalenderjahr voraussichtlich erstmals seit 2011 im Minus. Und auch das kommende Jahr verspricht einiges an Turbulenzen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.