Fed setzt Unsicherheit fort: Danke für Gewinne

Die Aussage in dem Titel klingt widersprüchlich, haben Sie vielleicht gedacht. Wie kann denn Unsicherheit zu Gewinnen führen? Anleger lieben doch Klarheit und „hassen“ jede Unsicherheit.

Aber als Optimist bin ich gewohnt, die Gewinn-Chancen an den Märkten zu finden und nicht pessimistisch die Risiken hervorzukramen.

Risiken gibt es, klar! Als Absicherung empfehle ich Ihnen deshalb regelmäßig Put-Optionen. Und damit ist dieser lästig-notwenige Teil erledigt.

Zins-nicht-Entscheidung der US-Notenbank

Gestern gab es die Zins-Entscheidung der US-Notenbank Fed. Besser hieße es jedoch: Zins-nicht-Entscheidung. Denn die US-Notenbank Fed hat den Leitzins unverändert gelassen.

Es gab die üblichen Statements: Es heißt (wieder einmal), dass sich die Rahmenbedingungen für eine Zins-Anhebung im laufenden Jahr verbessert haben. Nicht Neues also.

US-Wahlen werden deutliche Zins-Anhebungen verhindern

Die nächste Sitzung, die sich mit den Zinsen befasst, ist kurz vor den US-Präsidentschafts-Wahlen. Die entsprechende übernächste Sitzung kurz danach.

Ein symbolischer Schritt mag geschehen, aber eine deutliche Zinsanhebung wird es nicht geben. Denn die Medien würden dann spekulieren, dass die Fed für oder gegen Trump bzw. Clinton ist. Also passiert nichts.

„Es wird im laufenden Jahr keinen deutlichen Zinsschritt geben“, so kommentierte die Fed am gestrigen Abend auch ihre Planungen.

Zwischen den Zeilen konnten Sie raushören, dass die Aussagen zurückhaltender waren als noch vor wenigen Wochen.

Entsprechend wird uns die Zinsdiskussion mindestens bis Anfang 2017 begleiten – ich denke: auch darüber hinaus.

Märkte bleiben gelassen

Unmittelbar nach der gestrigen Bekanntgabe der Nicht-Zins-Entscheidung legten die Aktien-Indizes zu, dann fielen sie auf den Stand von vor der Bekanntgabe zurück.

Sie erleben viele politische Unsicherheiten und die weiterhin nicht gegebene Antwort auf die kommende US-Zinspolitik. Kurzfristig eine unklare Bestandsaufnahme.

Mittelfristig: Krisen kommen und gehen – die Märkte steigen

Auf Sicht von einigen Monaten sieht jedoch viel besser aus. Krisen kommen und gehen. Zinsen steigen und fallen.

Gibt es die Zins-Erhöhung? Gibt es sie nicht? Auch diese Frage wird in wenigen Tagen nicht mehr die Schlagzeilen beherrschen – bis sie erneut aufkommt.

So wie alle Krisen und tagesaktuellen Themen wird auch die Zins-Entscheidung vom Top-Thema zum Thema und dann aus den Nachrichten verschwinden.

Die optimistische Betrachtung

Natürlich wäre mir eine klare Entscheidung der Fed lieber, als dieses Rumeiern. Aber ich sehe das mittel­fristig. Da kann ich der kurzfristigen Unsicherheit auch Positives abgewinnen.

Die durch die Fed fortgeführte Unsicherheit sorgt langfristig für einen stabilen Aufwärtstrend. Denn: Durch Unsicherheiten werden ängstliche Marktteilnehmer zum Verkauf geführt.

Der verstorbene Börsen-Profi Kostolany nannte sie die „zittrigen Hände“. Die Papiere wechseln von zittrige in hart gesottene Hände.

Diese „hartgesottenen“ Anleger, die schon viele Turbulenzen an den Märkten erlebt haben, wissen: Je mehr dieser „zittrigen Hände“ aus dem Markt gespült werden, desto stabiler ist der darauf folgende Aufwärtstrend.

So sei der Fed augenzwinkernd gedankt, dass sie einen Mosaikstein für die Stabilität des kommenden Aufwärtstrends gelegt hat, indem sie nervöse Marktteilnehmer zum Verkauf bringt.

Zum guten Schluss: Heute, am 22.09.2016, jährt sich zum 190sten Mal der Todestag (22.09.1826) des Dichters, Pädagogen und Theologen Johann Peter Hebel. Er schrieb:

„Wer nie anfängt, der hört nie auf, und wem wenig auf einmal nicht genug ist, der erfährt nie, wie man nach und nach zu vielem kommt.“

Wenige Änderungen machen daraus einen prima Börsen-Tipp:

Wer nie anfängt, der erzielt nie Gewinn, und wem wenig auf einmal nicht genug ist, der ist zu gierig und erfährt nie, wie man nach und nach zu vielen Gewinnen kommt.

Ich wünsche Ihnen, dass Ihnen „wenig auf einmal als Gewinn genug ist“ und sende Ihnen nette Grüße

© Rainer Heißmann – Weiterverbreitung nur mit Link auf den Originaltext gestattet

22. September 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen und Chefredakteur vom "Optionen-Profi". Außerdem ist er Autor des Buchs "Reich mit Optionen". Seine größte Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie auch dem Nicht-Fachmann verständlich und nachvollziehbar werden.

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