FedEx übernimmt TNT Express: Aktie schießt hoch

Am Ende ist es doch FedEx! Der niederländische Pakethersteller TNT Express wird für 4,4 Mrd. Euro von den Amerikanern übernommen. 3 Jahre nachdem der größte FedEx-Konkurrent UPS ein Übernahme-Angebot für die Niederländer abgab, ist jetzt FedEx am Zug.

Schon damals wurde erwartet, dass FedEx ebenfalls Interesse an TNT hat und die Übernahme-Pläne von UPS durchkreuzt – doch FedEx hielt sich zurück. Die Entscheidung wird das Unternehmen nicht bereut haben.

Geplante Übernahme durch UPS: Wettbewerbsbehörden bescheren Bieter ein teures Deal-Aus

UPS wollte 2012 TNT übernehmen, musste den Deal im Frühjahr 2013 allerdings abblasen. Das Unternehmen teilte mit, dass der Deal keine Chance hat, um von den Behörden genehmigt zu werden.

Der Markt hatte die ganze Zeit über Zweifel, ob die Übernahme zustande kommt, was deutlich am Aktienkurs abzulesen war, der immer hinter dem Angebotspreis zurückblieb.

Der Abschlag war begründet. UPS war Marktführer und wollte Europas Nummer 2 (weltweit Nummer 4) übernehmen. Wenn die Konzentration in einer Branche sehr hoch ist und dann auch noch innerhalb der Branchenspitze ein Zusammenschluss geplant ist, schauen sich die Behörden einen Deal besonders genau an.

Deren Ergebnis war auch nicht überraschend. Zum Leidwesen für UPS. Die Amerikaner hatten nicht nur Millionen an Beratungskosten versenkt, sondern mussten auch 200 Mio. $ Breakup-Fee (Strafzahlung für Rücktritt vom Vertrag) zahlen.

Zusammenschluss von TNT und FedEx dürfte genehmigt werden

Auch bei dem jetzt geplanten Deal ist noch unklar, wie die Wettbewerbsbehörden reagieren werden. Die Konstellation FedEx-TNT hat jedoch deutlich bessere Chancen genehmigt zu werden.

TNT Express hat in den vergangenen beiden Jahren Unternehmensteile verkauft und FedEx ist in Europa kleiner als UPS.

Die Erwartung einer Deal-Genehmigung ist auch am Aktienkurs von TNT abzulesen. Mit aktuell 7,80 Euro notiert die Aktie nur 2,5% unter dem Angebotspreis – ein Zeichen dafür, dass der Markt zuversichtlich ist, dass der Deal problemlos über die Bühne geht.

Im Frankfurter Handel wechselte das Papier zwischenzeitlich für 8,20 Euro, also über dem Angebotspreis von 8 Euro je Aktie den Besitzer. Dies signalisiert, dass jemand mit einem Bieterkampf rechnet und der Preis noch weiter steigt.

Es ist zwar theoretisch möglich, dass UPS noch einmal versucht, die geschrumpfte TNT zu übernehmen – der Übernahme-Sensor erwartet das jedoch nicht. Für Deal-Jäger ist hier die Luft raus.

Trotz niedrigerer Offerte als 2012: Fairer Deal für alle Beteiligten

Vor Ostern notierte die TNT-Aktie bei 6 Euro. Das Übernahme-Angebot beinhaltet also einen Aufschlag von 33%. Ein toller Gewinn für niederländische Übernahme-Spekulanten.

Das Geld ist allerdings hart verdient. Das irgendwann FedEx für TNT bietet, wurde erwartet. Doch TNT Express hat große Probleme. Nicht nur in den vergangenen beiden Jahren verlief das Geschäft mehr schlecht als recht, zuletzt deutete das Management auch für dieses Jahr einen schwachen Verlauf an.

Die Aktie verlor auf Jahressicht etwa 15% gegen einen steigenden Markt. Zwischenzeitlich notierte das Papier sogar bei 4,28 Euro. TNT hat eine Stand Alone-Strategie eingeschlagen, die Zeit braucht, um zu funktionieren. Umso besser ist für das Unternehmen und die Aktionäre, dass FedEx zugegriffen hat und das Geld sofort fließt.

Streng genommen ist der Angebotspreis von 8 Euro je Aktie zwar schlecht, da UPS 2012 einen Preis von 9,50 Euro je Aktie bot – doch angesichts der veränderten Bedingungen und des Aufschlags ist der Preis absolut fair.

Das gilt auch für FedEx, die 3 Jahre nach dem UPS-Angebot den Übernahme-Kandidaten 2,3 Mrd. Euro günstiger bekommen.

7. April 2015

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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