Fehlstart nach dem Börsendebut: Home24 mit Gewinnwarnung

Kurz nach dem Börsengang verschreckt Home24 seine Anleger mit einer Gewinnwarnung. Deren Folgen können das Unternehmen noch Jahre belasten. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Das nennt man einen klassischen Fehlstart: Nur wenige Wochen nach dem Börsengang kappt Home24 seine Finanzprognosen. Angabe gemäß hat das ungewöhnlich warme Wetter im zweiten Quartal zu einer spürbar geringeren Nachfrage für große Möbel geführt, dem Kerngeschäft von Home24.

Erwartungen klar verfehlt, Aktie unter Druck

Nach vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal konnten die Erlöse des vergleichbaren Vorjahreszeitraums zwar um 6 % bis 8 % übertroffen werden, im Wertpapierprospekt war jedoch eine Spanne von 13 % bis 28 % avisiert worden.

Allerdings geht der Vorstand davon aus, dass sich die Nachfrage lediglich saisonal verschieben würde und der Umsatzausfall in der zweiten Jahreshälfte nachgeholt werden könne. So hält der Vorstand das für das Gesamtjahr angestrebte, währungsbereinigte Wachstum von rund 30 % weiterhin für erreichbar. Darüber hinaus bestätigt Home24 die im Rahmen des Börsengangs veröffentlichte mittelfristige Wachstums- und Ertragsprognose, nach der das Unternehmen bis Ende des kommenden Jahres beim EBITDA die schwarze Null erreicht haben will.

Ungeachtet der Bemühungen, die Umsatzentwicklung als beherrschbar erscheinen zu lassen, ist die Aktie Ende der letzten Woche auf Talfahrt gegangen. In der Spitze verlor die Aktie mehr als 10 % auf unter 27 Euro, bevor sie sich, offenbar gestützt von den Käufen der Emissionsbanken, wieder in Richtung der 30-Euro-Schwelle bewegte.

Das darf einfach nicht passieren

Home24 wurde im Jahr 2009 gegründet und ist einer der führenden Online-Versandhändler für Möbel, Gartenmöbel und Wohnaccessoires. Nach eigenen Angaben hat Home24 rund 1,1 Millionen Kunden, die mindestens einmal im Jahr mindestens eines der mehr als 100.000 Artikel bestellen.

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Trotz des beachtlichen Intraday-Swings ist dem Vorstand ein Malheur passiert, das es beim Börsengang unter allen Umständen zu vermeiden gilt: Eine Gewinnwarnung nur wenige Wochen nach der Erstnotiz kann die Glaubwürdigkeit des Vorstands auf Jahre hinaus untergraben. Zu Recht, denn zum Zeitpunkt des Börsengangs am 15. Juni war das zweite Quartal auch schon zu fünf Sechstel vorbei.

Dass die eigenen Prognosen, auf deren Erreichen sich die Erstzeichner verlassen hatten und die die Basis der Unternehmensbewertung bilden, nicht erreicht werden konnte, musste dem Vorstand zu diesem Zeitpunkt also bereits klar gewesen sein. Um den Börsengang mit aller Macht durchzuziehen hat der Vorstand seinen Zeichnern also nicht die Wahrheit gesagt.

Zumal neben dem sonnigen Wetter offensichtlich auch Softwareprobleme für den Umsatzknick verantwortlich waren, mit denen das Unternehmen schon länger zu kämpfen hat. Aus dem Wertpapierprospekt wird nämlich ersichtlich, dass jüngere Bestellungen inzwischen über das ERP-System von SAP abgewickelt werden, während für ältere Bestellungen noch die veraltete Software zuständig ist. Dieser Parallelbetrieb zweier IT-Systeme hat ebenfalls dazu beigetragen, dass offene Bestellungen im zweiten Quartal nicht in der gewohnten Geschwindigkeit abgearbeitet werden konnten.

Bis zum Jahresende hat der Vorstand nun knapp fünf Monate Zeit, die Umsatz-Delle auszubügeln. Länger wird es dauern, bis er seine Glaubwürdigkeit wieder herstellen und seinen Anlegern beweisen kann, dass das Geschäftsmodell von Home24 doch halbwegs planbar ist. Es gibt zweifelsohne leichtere und dankbarere Aufgaben.


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.