Fernduell um Kanzlerkandidatur: Söder punktet, Laschet schwächelt

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Armin Laschet macht dieser Tage keine gute Figur, sein Krisenmanagement gerät in die Kritik. Markus Söder genießt und schweigt. (Foto: Jirapong Manustrong / Shutterstock.com)

Die Corona-Krise trägt in der deutschen Politik interessante Blüten. Immer deutlicher hat sich in den vergangenen Wochen das Fernduell um die nächste Kanzlerkandidatur der Unionsparteien abgezeichnet, das sich Armin Laschet und Markus Söder, die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und Bayern, inoffiziell liefern.

Beide versuchen, sich als Krisenmanager zu profilieren. In der allgemeinen öffentlichen Wahrnehmung gelingt dies dem Bayern bislang besser: Markus Söder gilt als entschlossener Macher, der Maßnahmen meist schneller und auch weitreichender veranlasst als seine Kollegen in anderen Bundesländern.

Laschet: Schwarzer Peter an die Forschung?

Laschet hingegen mäandert vor sich hin: Mal prescht er vor, mal streut er Zweifel, mal macht er seine Kabinettsmitglieder für Entscheidungen verantwortlich. Zuletzt diskreditierte er sich in der ARD-Talkshow bei Anne Will, als er sinngemäß den Virologen und beratenden Wissenschaftlern den schwarzen Peter zuschieben wollte.

Durch deren ständig schwankende Einschätzungen werde die Bevölkerung verunsichert und der Politik fehle eine fundierte Entscheidungsbasis, so der Tenor. Damit setzt sich Armin Laschet an die Spitze einer populistischen und nicht ungefährlichen Strömung, die nach mehr Lockerungen ruft und die Warnungen der Wissenschaftler zunehmend weniger ernstnimmt.

NRW-Landesvater müsste Wissenschaft erklären

Die zentrale Aufgabe des Landesvaters des bevölkerungsreichsten Bundeslandes müsste es stattdessen in diesen Tagen sein, auch den nichtakademischen Bürgerinnen und Bürgern ein Grundverständnis über wissenschaftliches Arbeiten zu vermitteln: Dass es nicht nur üblich, sondern auch wünschenswert und ein Nachweis von wissenschaftlicher Qualität ist, Ergebnisse nicht als absolut gegeben darzustellen, sondern sie stets anzuzweifeln, zu überprüfen und – falls eine neue Datenbasis einen anderen Rückschluss als wahrscheinlicher ergibt – gegebenenfalls auch zu korrigieren.

Dies geschieht zurzeit tagtäglich in den virologischen und epidemiologischen Forschungseinrichtungen in ganz Deutschland, das Robert-Koch-Institut wie auch zahlreiche Wissenschaftler melden sich regelmäßig zu Wort und versuchen auf diese Weise, größtmögliche Transparenz zu schaffen.

Dabei geben sie unumwunden zu, dass ihre Erkenntnisse lediglich den tagesaktuellen Wissensstand widerspiegeln und in wenigen Tagen bereits überholt sein können – gerade das zeichnet ihre wissenschaftliche Qualität aus und grenzt sie ab von Populisten, die nur eine Wahrheit als die einzig richtige verkaufen und selbst dann noch auf ihrer Version beharren, wenn die Erkenntnisse ihr längst widersprechen.

Fernduell zwischen Laschet, Söder – und Spahn

Während sich also Laschet dieser Tage nicht eben mit Ruhm bekleckert und sich in den Augen mancher Beobachter schon jetzt für das höchste Regierungsamt disqualifiziert hat, hält Söder zuletzt die Füße still. Insgesamt tritt er souveräner auf als Laschet, scheint eine klare Agenda zu verfolgen und profiliert sich auf diese Weise im Kanzlerkandidatenduell, für das er sich offiziell gar nicht aufgestellt hat.

Die Alternativkandidaten – Friedrich Merz und Norbert Röttgen – spielen unterdessen kaum noch eine Rolle. Es bestätigt sich einmal mehr: Die Krise ist die Stunde der Exekutive. Und neben Laschet läuft sich der Bundesgesundheitsminister warm.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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