Fiat Chrysler und Renault: Grenzüberschreitender Mega-Deal überraschend geplatzt

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Renault-Aktie: Megafusion überraschend geplatzt. Französische Politiker funken bei grenzüberschreitendem Deal dazwischen und lassen Anleger verzweifeln. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Die Meldung kam wie ein Paukenschlag. Der Autobauer Fiat Chrysler zieht vollkommen überraschend sein Fusionsangebot für Renault zurück. In einer Stellungnahme am Donnerstag machte der italienisch-amerikanische Automobilkonzern die fehlenden politischen Voraussetzungen in Frankreich für das Platzen der Megafusion verantwortlich. Während die Aktie von Fiat Chrysler auf die Meldung hin minimal im Plus notierte, schmissen die Renault-Anleger enttäuscht das Handtuch. Um satte 7% rauschte der Aktienkurs des französischen Konzerns in den Keller.

Fusion hätte Karten auf Automobilmarkt neu gemischt

Dabei hätte es die angepeilte Fusion durchaus in sich gehabt. Immerhin wäre das Gemeinschaftsunternehmen zum drittgrößten Automobilkonzern und damit zu einem ernsthaften Verfolger von Volkswagen und Toyota aufgestiegen. Zugleich hätte die Fusion ein Markenportfolio geschaffen, das eine vollständige Marktabdeckung in allen Schlüsselsegmenten von Luxus-/Premium-Marken bietet.

Neben den Marken Fiat, Renault, Jeep und Dodge RAM hätten auch Maserati und Alfa Romeo, die starken Wachstumsmarken Dacia und Lada sowie Nutzfahrzeuge zum Angebot des neuen Konzerns gehören. Die Kompetenz der FCA im Bereich des autonomen Fahrens wird durch die jahrzehntelange Erfahrung der Renault-Gruppe in der Elektroauto-Technologie ergänzt.

Synergien ade

Darüber hinaus sollte der Zusammenschluss signifikante Kosteneinsparungen möglich machen. Unter dem Strich bezifferten Experten die Synergieeffekte auf beeindruckende 5 Milliarden Dollar. Diese Einsparungen hätten sich vor allem aus der Konvergenz der Plattformen, der Konsolidierung der Investitionen in Antriebsstrang und Elektrifizierung sowie den Größenvorteilen ergeben. Zu den Einsparungen hätten auch Reduktionen der Fahrzeugplattformen (etwa 20 %) und der Motorenfamilien (30 %) beigetragen. Trotz dieser massiven Einsparungen hätte es laut FCA-Papier zu keinen Werksschließungen kommen sollen.

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Französische Regierung funkt dazwischen

Doch die Rechnung hatte Fiat Chrysler offenbar ohne den Wirt gemacht. Denn der französische Staat ist mit 15% der größte Einzelaktionär bei Renault und hat das Management massiv beeinflusst. Frankreichs Finanz- und Wirtschaftsminister Bruno Le Maire hat mit seinen Konditionen an die beiden Autohersteller, vor allem an Fiat-Chrysler, klargemacht, wer künftig im neuen Konzern den Ton angeben sollte.

Neben Arbeitsplatzgarantien und einem Platz im Verwaltungsrat wollte die französische Regierung auch bei der Ernennung der Top-Manager ein Wörtchen mitreden.

Keiner will die Schuld tragen

Unterdessen schiebt der französische Minister Bruno Le Maire die Schuld auf den Renault-Partner Nissan, der nicht genug Unterstützung für den Zusammenschluss gezeigt hat. Zu Ihrer Information: Mit Nissan und Mitsubishi ist der französische Hersteller seit Langem in einer Allianz verbunden. Gemeinsam verkauften sie 2018 10,76 Millionen Fahrzeuge. Mit Fiat Chrysler wären die Hersteller auf mehr als 15 Millionen verkaufte Fahrzeuge pro Jahr gekommen – und hätten damit Volkswagen (10,83 Millionen) überholt.

Zudem wollte die französische Regierung mehr Zeit für eine Evaluierung des Deals rausschlagen. Dieser Schuss ging offenbar gehörig nach hinten los. Ob die Tür für eine Verhandlung nach dem schnellen Rückzug von FCA nochmals aufgehen, darf im Moment stark bezweifelt werden.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.