Fidessa: Aktivistischer Investor positioniert sich nach Übernahmeangebot

Fidessa-Aktie: Milliardär steigt im Übernahmeprozess ein und sorgt für Kursphantasie. Temenos will mit Megadeal zum weltweit führenden Softwareanbieter in der Finanzindustrie aufsteigen. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Vor wenigen Tagen haben sich die Gerüchte bestätigt. Der Westschweizer Anbieter von Bankensoftware, Temeonos, hat ein milliardenschweres Übernahmeangebot für seinen britischen Rivalen Fidessa auf den Tisch gelegt. Die Reaktion der Anleger spricht eine klare Sprache. Während die Fidessa-Papiere auf Grund der Prämie (37%) in den Höhenflug übergingen, rauschte die Temenos-Aktie in den vergangenen Tagen um 15% in den Keller.

Doch ob der Deal so einfach über die Bühne geht, ist noch lange nicht sicher. Denn gerade hat sich kein geringerer als Paul Singer mit seinem Hedgfonds Elliot bei dem Objekt der Begierde eingekauft. Während sich Singer noch nicht geäußert hat, haben die Anleger ihr Urteil bereits gefällt. Die Fidessa-Aktie kletterte weiter nach oben und notiert mittlerweile mit 37,95 Britischen Pfund über dem Übernahmepreis (35,67 GBP in bar + Dividende von 0,797 GBP).

Der Mann, der Argentinien in die Knie zwang

Jetzt könnte Paul Singer mit seinem Hedgefonds im Übernahmeprozess ein Wörtchen mitreden. Immerhin hat der Milliardär einen Anteil von 4,9% an Fidessa aufgebaut. Aber wer steckt eigentlich hinter Singer? Bei Singer, dessen Spitzname auch der Geier ist, handelt es sich um keinen geringeren als den Hedgefondsmanager, der Argentinien in die Knie zwang. Er war unter den 7% der Investoren, mit denen sich das Land nicht auf eine Umschuldung einigen konnte. Der Oberste Gerichtshof der USA verpflichtete im Streit um diese Schulden Argentinien schließlich zur Zahlung von 1,33 Milliarden Dollar.

Das Vertrauen seiner Anleger erwarb er sich unter anderem durch spektakuläre Geschäfte mit Staatsanleihen von Pleitestaaten, darunter Peru und die Republik Kongo. Er kaufte die Papiere billig auf, verklagte die Länder anschließend zur Zahlung und machte damit solide Gewinne.

Singer grätscht oft bei Übernahmedeals dazwischen

Dabei ist die Entwicklung durchaus beeindruckend. Stellen Sie sich vor: 1977 gründete der Apothekersohn seinen Hedgefonds mit 1,3 Millionen Dollar. Heute verwaltet er über 56 Milliarden Dollar und bringt es auf eine jährliche Rendite von annähernd 15%. Heutzutage macht Singer seine Rendite vor allem mit Aktien.

Ob Actelion, Wella, Kabel Deutschland oder Stada. Der streitlustige Investor hatte bei vielen Deals seine Finger mit drin. Zuletzt drängte er bei dem Chipkonzern NXP Semiconductors auf einen höheren Übernahmepreis – mit Erfolg. Vor wenigen Tagen stockte Qualcomm das Angebot um 10% auf.

Fidessa-Deal würde Temenos in neue Dimension katapultieren

Für den Schweizer Softwarespezialist ist der 1,8 Milliarden Schweizer Franken schwere Deal ein großer Schluck aus der Pulle. Nach Einschätzung von Analysten könnte der Konzern zur Finanzierung den Kapitalmarkt anzapfen und eine 400 bis 450 Millionen Dollar schwere Kapitalerhöhung durchziehen. Sollte die Übernahmen gelingen, würden beide Firmen zusammen auf einen Jahresumsatz von 1,23 Milliarden Dollar kommen.

Fidessa würde immerhin 496 Millionen Dollar dazu beitragen. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) würde bei 398 Millionen Dollar liegen (Temenos: 274 Mio.; Fidessa: 125 Mio.). Damit wäre das Gemeinschaftsunternehmen einer der weltweit führenden Softwarenanbieter für die Finanzindustrie.

Produktpalette ergänzt sich perfekt

Neben Kostensynergien von 60 Millionen Dollar vor Steuern innerhalb der nächsten drei Jahre soll sich die Transaktion bereits ab 2018 auch positiv auf den Gewinn auswirken. Unterdessen dürfte vor allem die deutlich erweiterte Produktpalette und der gegenseitige Kundenzugang für das Management von Interesse sein. Sie müssen wissen: Fidessa ist eine Softwareschmiede mit Fokus auf den Handel von Aktien und Derivaten.

Temenos ist heute auf standardisierte Bankensoftware etwa zur Konto- und Depotverwaltung, Kreditvergabe und Zahlungsabwicklung spezialisiert. Zudem betont die Konzernführung, die gute geographische Ergänzung. Während Fidessa in Nordamerika und Japan stark ist, liegen die Schwerpunkte von Temenos in Europa und dem nahen Osten.

Analysten zeigen sich skeptisch

Die Finanzanalysten sehen den Deal unterdessen deutlich kritischer. Bemängelt wurde, dass Temenos zuletzt noch zu Höchstkursen Aktien zurückgekauft hat und jetzt neue Aktien zur Finanzierung des Deals ausgeben muss. Zugleich könnte der ohnehin schon stolze Übernahmepreis durch den Elliot-Einstieg weiter in die Höhe klettern.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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