Finanzdienstleister profitieren von Geldflutung

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Die Notenbanken fluten die Märkte weiterhin mit frischem Geld. Finanzdienstleister gehörten zu den größten Profiteuren. (Foto: Victor Carretero Barbero / Shutterstock.com)

Infolge der Corona-Krise fließt so viel Geld wie nie zuvor in die Märkte. Die Notenbanken fluten die Märkte mit frischem Geld. Das Ziel der Maßnahmen ist es eigentlich, eine Kreditklemme bei den vielen kleinen Unternehmen zu verhindern und die Wirtschaft in Gang zu halten. Ein großer Teil des Geldes kommt jedoch nie in der Realwirtschaft an, sondern wird gleich wieder an den Finanzmärkten angelegt.

Dem Vermögensverwalter BlackRock vertrauten die Anleger allein im 2. Quartal 100 Mrd. $ neue Mittel an. Die Hälfte davon entfiel auf die ETF-Tochter iShares. Die Anleger investieren also einfach nur in den breiten Markt, um das Geld überhaupt irgendwo unterzubringen. Damit wächst die Macht von BlackRock, die bereits jetzt bei zahlreichen Unternehmen zum wichtigsten Aktionär aufgestiegen sind. Die Turbulenzen auf den Finanzmärkten führten zu einem Handelsboom.

Die Deutsche Börse freut sich über das gestiegene Handelsvolumen. Aber auch die Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs machen gute Geschäfte. Vor allem das Investmentbanking und der Anleihenhandel haben bei beiden Häusern zu guten Halbjahresergebnissen beigetragen.

Der Wirecard-Skandal beschäftigt die Gerichte

Der wohl größte Finanzskandal der vergangenen Jahre hat seinen Hauptschauplatz in Aschheim bei München am Hauptsitz von Wirecard. Mit einem großangelegten Betrugsnetzwerk hat der Konzern jahrelang Anleger und Geschäftspartner betrogen und sogar die Wirtschaftsprüfer der renommierten Kanzlei Ernst & Young an der Nase herumgeführt. Durch fingierte Umsätze und gefälschte Konten wurde die Geschäftssituation des Unternehmens jahrelang falsch dargestellt.

Erste Berichte über Unregelmäßigkeiten gab es bereits 2019 in der Financial Times. Diesen schenkte jedoch nicht einmal die eigentlich gut informierte Finanzaufsicht BaFin Glauben. Sie zeigte die Journalisten sogar an und erließ ein Leerverkaufsverbot für die Aktien. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestags mit dem Thema beschäftigt. Für geschädigte Anleger bleibt die Möglichkeit zur Klage. Mehrere Kanzleien aus ganz Europa sammeln derzeit Fälle, um Schadenersatzklagen einzureichen.

Ob dabei Entschädigungen für die geprellten Anleger herausspringen, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. In Zukunft werden mein Team und ich Adyen in unsere Beobachtung aufnehmen. Der Zahlungsdienstleister aus den Niederlanden stand zu Unrecht im Schatten des betrügerischen deutschen Konkurrenten.

Kryptowährungen sind das wichtigste Zukunftsthema der Branche

Die Geldflutung der Notenbanken hat neben den Stützungsmaßnahmen für Aktien– und Immobilienmärkte noch einen weiteren Effekt. Immer mehr Anleger misstrauen unserem Geldsystem. Kryptowährungen versprechen einen Ausweg aus der Währungsmanipulation der Notenbanken.

Wie krisensicher diese neuen Währungen wirklich sind, muss sich natürlich erst noch beweisen. Zahlreiche Betrugsfälle sprechen bisher eher gegen die neuen Angebote. Dennoch setzen die großen Spieler der Branche zunehmend auf Kryptowährungen. Morgan Stanley und Goldman Sachs planen bereits jeweils eine eigene Währung. Bei VISA und MasterCard läuft die Integration des Bitcoins und anderer Kryptos in ihre Zahlungssysteme. Erste Kreditkarten auf Basis von Kryptowährungen sind bereits erhältlich.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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