Finanzierung des Osram-Deals auf der Kippe

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Die ams AG will die Osram-Übernahme teilweise durch eine Kapitalerhöhung finanzieren. Nach massiven Kursverlusten droht die Neuemission jedoch zu scheitern. (Foto: lovelyday12/AdobeStock)

Das Coronavirus hat an den Börsen weltweit für heftige Turbulenzen gesorgt. Wie Sie sich denken können, hat die hohe Volatilität der Börsenkurse auch heftige Auswirkungen auf die weltweit getätigten M&A (Mergers and Acquisitions – deutsch: Fusionen und Übernahmen).

So berichtete das Handelsblatt heute, dass kapitalkräftige Hedgefonds schon mit den Hufen scharren, denn Übernahmen und Beteiligungen werden bei sinkenden Aktienkursen immer lukrativer. Auf der anderen Seite wird die Finanzierung einer Übernahme durch Neuemissionen immer schwieriger. So hat der österreichische Halbleiterhersteller ams AG momentan arge Probleme, die Übernahme der Osram AG durch die Ausgabe neuer Aktien zu finanzieren.

Rückblick: Übernahme der Osram Licht AG durch ams

Nach einem langen Hin und Her konnte der österreichische Halbleiterhersteller ams AG am 6.12.2019 verkünden, dass es mehr als 55% der Osram-Anteile im Rahmen seines Übernahmeangebots eingesammelt hat. Damit war die von ams selbst festgelegte Annahmeschwelle von 50% überschritten.

Konkret hatte ams den Osram-Aktionären 41 Euro je Aktie geboten. Das Angebot bewertete den Lichtkonzern folglich mit 4,6 Mrd. Euro. Finanzieren wollte ams die Übernahme durch eine von mehreren Großbanken getragene Zwischenfinanzierung. Diese sollte später in Teilen durch Ausgabe neuer ams-Papiere abgelöst werden.

Hauptversammlung genehmigt Kapitalerhöhung

Am 24.01.2020 gab ams bekannt, dass im Rahmen einer außerordentlichen Hauptversammlung die Kapitalerhöhung in Form einer Bezugsrechtsemission in Höhe von bis zu 1.649 Mio. Euro durch eine große Mehrheit der anwesenden Aktionäre genehmigt worden war.

Im Rahmen dieser Bezugsrechtsemission können ams-Aktionäre Bezugsrechte im Verhältnis zu ihrer Beteiligung am Unternehmen erwerben. Aktionäre, die sich gegen eine Teilnahme an der Bezugsrechtsemission entscheiden, haben die Möglichkeit, ihre Bezugsrechte während der Bezugsrechtshandelsperiode zum Marktpreis zu verkaufen.

Handelsperiode zum ungünstigen Zeitpunkt gestartet

Am Montag vergangener Woche kündigte ams an, dass die Bezugsrechte am 16. März herausgegeben werden sollen und danach bis zum Ende der Zeichnungsfrist (30. März) an der Schweizer Börse gehandelt werden können. 4 Bezugsrechte berechtigen dabei zum Kauf von 9 neuen ams-Aktien.

Bei Ankündigung der Bezugsrechtsemmission wurde die ams-Aktie an der Schweizer Börse (SIX) noch mit einem Kurs von gut 25 Schweizer Franken (CHF) gehandelt. Als die Börsenkurse am gestrigen Montag zum wiederholten Male einbrachen, waren die ams-Papiere an der SIX nur noch 9,53 CHF wert.

ams-Aktie sowie -Bezugsrechte stürzen ab

Im heutigen Tagesverlauf fiel der Kurs der ams-Aktie weiter und liegt aktuell unterhalb von 9,20 CHF. Das ist der Preis, für den ams die neuen Aktien verkaufen will. Auch die Bezugsrechte verloren deutlich an Boden. Sie brachen um mehr als drei Viertel ein und werden nur noch mit 1,31 CHF gehandelt.

Finanzierung wackelt

So lange die ams-Papiere weiter unterhalb des Emissionspreises von 9,20 CHF gehandelt werden, fehlt Investoren jeglicher Anreiz, die neuen ams-Aktien zu zeichnen. ams kann also nur darauf hoffen, dass sich die Börsen wieder beruhigen und es in den nächsten Tagen zu Kursgewinnen kommen wird. Nur so können die gewünschten 1,65 Mrd. Euro, die die Kapitalerhöhung zur Finanzierung der Osram-Übernahme einbringen soll, erreicht werden.

Wie es weitergehen kann

Falls die neuen ams-Aktien nicht an den Mann gebracht werden können, müssen die Banken – darunter HSBC und UBS als globale Koordinatoren der Bezugsrechtsemission – die ams-Papiere übernehmen. Es gibt allerdings noch eine Ausstiegsklausel im Emissionsprospekt.

Die Kapitalerhöhung kann ausgesetzt werden, wenn eine Änderung an den Finanzmärkten, ein Unglück oder eine Krise zu einer Änderung der wirtschaftlichen oder politischen Rahmenbedingungen führt. Möglicherweise werden die Banken diese Notbremse ziehen. Dies hätte im Extremfall zur Folge, dass die Osram-Übernahme scheitern könnte.

Den Lesern meines Börsendienstes „Der Übernahme-Gewinner“ habe ich seinerzeit über die Übernahmespekulation rund um Osram berichtet. Leser, die meinen Empfehlungen gefolgt sind, konnten die Osram-Aktien gewinnbringend verkaufen.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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