Finanzinvestor Apollo übernimmt US-Versicherer Aspen: Angebot enttäuscht

Aspen-Investoren erhalten einen deutlich unter Branchenschnitt liegenden Übernahme-Preis - die Anleger waren jedoch gewarnt. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

In der Versicherungsbranche geht der Trend zu Private Equity-getriebenen Deals weiter. Heute Morgen teilte Finanzinvestor Apollo mit, dass er mit der Aspen Insurance Holding einen einvernehmlichen Deal im Volumen von 2,6 Mrd. Dollar ausgehandelt hat.

Apollo schnappt sich nicht Aspen, weil der Versicherer eine spannende Investitionsstory ist oder weil große Synergien möglich sind. Im Gegenteil: Die Geschäfte laufen schleppend und gemessen am verwalteten Vermögen machen die Aspen-Gelder nicht einmal 5% des von Apollo gemanagten Geldes aus.

Dennoch geht es im Kern um den Zugang zu Aspens Investitionen. Finanzinvestoren schauen sich an, wie die Gelder angelegt sind und versuchen über Portfolio-Optimierungen und bessere Neu-Anlagen die Rentabilität zu steigern.

Übernahme-Offerte deutlich unter Branchenschnitt…

Für Aspen ist die Übernahme offiziell der richtige Schritt, um das Unternehmen mit Hilfe von Apollo auf das nächste Level zu hieven. Den Aktionären wird empfohlen, die Übernahme-Offerte anzunehmen.

Diese dürften aber über den Kaufpreis wenig erfreut sein. Denn Apollo zahlt gerade einmal den 1,1fachen Buchwert für die Versicherung – bei vergleichbaren Deals wurde zuletzt das 1,5fache gezahlt.

…und fast 20% unter Endurance-Offerte aus 2014

Die Enttäuschung über den unterdurchschnittlichen Kaufpreis dürfte bei Langfrist-Investoren noch größer sein. Im Januar 2014 trat Branchenrivale Endurance an Aspen heran. In der Tasche ein erstes Verhandlungsangebot in Höhe von 3,2 Mrd. Dollar.

Doch Aspen weigerte sich, Übernahme-Verhandlungen zu führen. Man habe das Angebot nach gründlicher Überprüfung als zu niedrig erachtet, hieß es damals. Zu dem Zeitpunkt liefen die Geschäfte auch besser – Aspen erzielte in dem Jahr einen Gewinn von 355 Mio. Dollar – doch das sollte auch die Gewinnspitze sein.

In den Folgejahren bröckelten die Gewinne und im Vorjahr stand unter dem Strich ein Verlust. Dem Management kann nur bedingt die Schuld gegeben werden, da eine Serie von Naturkatastrophen die Ergebnisse belastete.

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Dennoch: Der jetzige Kaufpreis liegt fast 20% unter der damaligen Erst-Offerte und nach Verhandlungen hätte der Preis vermutlich noch höher gelegen. Endurance sagte damals, dass durch die Ablehnung den Aktionären die Chance auf ein attraktives Angebot genommen wird. Jetzt zeigt sich, dass der Interessent Recht behalten sollte.

Aktienkurs zeigte frühzeitig tiefen Übernahme-Preis an

Apollo bietet den Aspen-Aktionären 42,75 Dollar je Aktie. Gegenüber dem Kurs vor Aufkommen von Übernahme-Spekulationen Anfang März beträgt die Prämie 12%. Dass der Bieter nicht tiefer in die Tasche greifen musste, lag am mangelnden Interesse.

Nachdem sich Blackstone und andere Finanzinvestoren im Zuge des Verkaufsprozesses gegen eine Angebotsabgabe entschieden, hatte Apollo freie Hand.

Dementsprechend reagierte während des Verkaufsprozesses auch die Aktie: Wechselte das Papier in Erwartung eines „normalen“ Preises von 50 Dollar + X im April noch zu 47 Dollar den Besitzer, wurden in der Vorwoche gerade einmal 37 Dollar bezahlt.

Bei lauwarmen Übernahme-Interesse vorher aussteigen

Die Aspen-Übernahme zeigt Ihnen: Nicht jede Übernahme-Spekulation ist eine Investition bis zuletzt wert. Tauchen glaubhafte Gerüchte auf, dass das Übernahme-Interesse gering ist, kann es sinnvoll sein, vorher auszusteigen.

Bei der Aspen-Übernahme kamen erste Berichte über lauwarmes Übernahme-Interesse bereits im April zu Kursen oberhalb von 43 Dollar. Im Juni hieß es, dass Blackstone kein Interesse hat, kurze Zeit später folgte Argo.

In den genannten Fällen hätten Sie zwar über die Börse das bekommen, was die Aktie auch heute kostet – hätten dafür aber nicht mehr das Risiko getragen, dass es am Ende keinen Deal gibt und die Aktie abtaucht.

Investiert bleiben können Sie dagegen, wenn das Interesse groß bleibt. Wenn in der finalen Runde mehrere Bieter-Namen fallen, dann ist ein Verkaufspreis deutlich unter Branchenschnitt unwahrscheinlich.


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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.