Finanzinvestor KKR plant das Delisting von Axel Springer

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Der Finanzinvestor KKR plant das Delisting von Axel Springer. Was auf den Aktionär nun zukommt. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Am vergangenen Freitag hat KKR, eine der größten börsennotierten Beteiligungsgesellschaften der Welt und hierzulande bekannt als Eigentümerin des Marktforschungsunternehmens GfK oder des Medienkonzerns Tele München Gruppe, die Öffentlichkeit darüber informiert, dass die Notierung der seit 1985 am regulierten Markt der Frankfurter Wertpapierbörse notierten Axel Springer-Aktie beendet werden solle.

Übernahmeangebot von 63 Euro

Hierzu hat KKR, das bereits mit 44,9% am Berliner Zeitungsverlag beteiligt ist, den freien Aktionären ein Kaufangebot über 63 Euro je Aktie unterbreitet, denselben Preis, den der Finanzinvestor bereits beim öffentlichen Übernahmeangebot im vergangenen Jahr angeboten hatte. Da KKR bereits zum Zeitpunkt des Einstiegs bei Axel Springer erklärt hat, dass man dem Unternehmen den Rückzug von der Börse vorschlagen werde, kam die Meldung nicht sonderlich überraschend.

Zumal von dem Übernahmeangebot lediglich 3,6% der Aktien betroffen sind. Schließlich sollen die Anteile von Friede Springer, der Witwe des Firmengründers Axel Springer, und ihrem Vertrauten und Vorstandschef Mathias Döpfner, zusammen rund 45,4% der ausstehenden Aktien, und die Aktien der beiden Enkel des Verlagsgründers (rund 6%) nicht angedient werden.

Delisting verfassungsrechtlich geschützt

Im Gegensatz zum Downlisting oder Downgrading, mit dem der in ein Börsensegment mit niedrigeren Anforderungen, etwa vom regulierten Markt in den Freiverkehr, bezeichnet wird, handelt es sich beim Delisting um die dauerhafte Einstellung der Börsennotiz. Dass ein Delisting ohne Beschluss der Hauptversammlung möglich wird, mag den Leser überraschen. Schließlich hat ein Delisting eine Beeinträchtigung der Verkehrsfähigkeit der Aktien zur Folge – und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen entsprechenden Kursverlust.

Vielleicht erinnern Sie sich noch an die über Twitter verbreitete Erklärung von Elon Musk, dem CEO von Tesla, das Unternehmen bei einem Aktienwert von 420 US-Dollar von der Börse zurückziehen zu wollen: „Am considering taking Tesla private at $420. Funding secured.“, so der Tweet im Wortlaut. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die dadurch ausgelöste Kursreaktion war so verheerend, dass die Technologie-Börse Nasdaq den Handel mit Tesla-Aktien kurze Zeit nach dem Tweet aussetzte.

Das war dem Bundesverfassungsgericht im Jahr 2012 jedoch nicht bewusst, als es entschied, ein Delisting durch Vorstandsentscheid zuzulassen. Nach Ansicht der Richter sei die durch die Aktie vermittelte Beteiligung an einer Gesellschaft nur in ihrer Substanz, nicht aber deren Wert, verfassungsrechtlich geschützt. Da ein Rückzug von der Börse die Beteiligung als solche nicht verändert, sei die im Grundgesetz festgelegte Eigentumsgarantie nicht berührt.

Übernahmeangebot annehmen

Vorstandschef Döpfner hatte im Herbst 2019 in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung zur damals noch im Planungszustand befindlichen Kooperation mit KKR gemeint, dass sie eine „neue Ära im Sinne eines Befreiungsschlags“ einleiten würde, in der die „Wachstumsstrategie mit einem Partner umgesetzt werden könne, der nicht an das nächste Quartalsergebnis denkt, sondern heute das unterstützt, auch finanziell, was in fünf Jahren den Wert des Unternehmens maximiert.”

Allerdings entspricht der angebotene Übernahmepreis einer Prämie von fast 40% auf den letzten, vom Übernahmeangebot unbeeinflussten Schlusskurs. Damit liegt die Übernahmeprämie im oberen Mittelfeld bisheriger Übernahmeangebote. Auch wenn der Börsenrückzug außerordentlich bedauerlich ist, schließlich war die Axel Springer-Aktie eine der wenigen Medienadressen auf dem deutschen Kurszettel, die für interessante Perspektiven sorgte: Es nicht anzunehmen bedeutet, nach dem Delisting ein über Jahre hinaus völlig illiquides Wertpapier zu besitzen.

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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.

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