Finanz-Investor KKR plant GfK-Einstieg: Aktie +30%

Der US-amerikanische Finanz-Investor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) plant den Einstieg bei Deutschlands führendem Meinungsforschungs-Unternehmen GfK.

Gegen Mittag legte der Interessent den Aktionären eine Übernahme-Offerte vor – und die hat es in sich: Mit 43,50 € liegt der Angebots-Preis rund 30% über dem gestrigen Schlusskurs.

Nach einer Handels-Aussetzung eröffnete der Kurs des Anteilsscheins direkt auf Angebots-Höhe und liegt am Nachmittag sogar noch darüber.

Einstieg – nicht Übernahme

Das Angebot ist kein klassisches Übernahme-Angebot um die Mehrheit des Übernahme-Kandidaten zu bekommen.

KKR möchte zwar möglichst viele Anteile erwerben, gibt sich allerdings mit einer Annahmequote von 18,5% zufrieden.

Mehr als 43,5% kann der Bieter auch nicht erhalten. Denn der GfK-Verein – mit 56,5% größter Einzel-Aktionär – wird seine Anteile nicht abgeben. Der Einstieg von KKR wird indes begrüßt.

Der Konzern ließ wissen, dass man sich auf die Unternehmens-Ziele abgestimmt habe und die GfK wieder profitabler zu machen.

Ziel ist eine Kooperation und die Stimmen-Mehrheit von 75%. Diese 3/4-Mehrheit erlaubt ein weitestgehend freies Durchregieren.

Auch ist diese Schwelle für den Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungs-Vertrags wichtig, der im Moment allerdings noch nicht angestrebt wird.

GfK-Investoren brauchten Nerven wie Drahtseile

Für die Aktionäre ist der Einstieg enorm positiv. Wer dem Unternehmen schon länger die Treue hielt, musste diverse Rücksetzer verkraften.

Nach einer Enttäuschung zum Jahresende 2015 folgte im Sommer dieses Jahres der nächste Rückschlag: Umsatz und Profitabilität blieben deutlich unter den Prognosen zurück.

Dabei zeigten die Zahlen keine einmalig negative Überraschung sondern eine negative Entwicklung. Dazu gesellte sich ein Streit im Management über die Unternehmens-Ausrichtung.

Der Aufsichtsrats-Chef verließ daraufhin den Konzern, der Chef kündigte seinen Rückzug für Ende dieses Jahres an.

Krisen-GfK ist klassischer Fall für Finanz-Investoren

Die Situation bei der Gfk war äußerst ungünstig: Geschwächtes Management, katastrophale Zahlen, keine klare Geschäfts-Ausrichtung.

Solche Unternehmen sind klassische Restrukturierungsfälle für Finanz-Investoren.

So dauerte es auch nicht lange, bis der Konzern als Übernahme-Kandidat Schlagzeilen machte. Ausländische Konkurrenten und Finanz-Investoren hätten bei den Meinungsforschern vorgefühlt.

Einen Deal gab es jedoch nicht. Vielmehr verwies die Unternehmensspitze darauf, dass der GfK-Verein nicht so einfach seinen Anteil verkaufen könne – und dies auch nicht tun werde.

Kurzfrist-Investoren mit sattem Gewinn – Langfrist-Investoren erhalten Einsatz zurück

Mit der „Minderheits-Lösung“ KKR ist dann eine gute und für viele gleichzeitig überraschende Lösung gefunden worden.

Die erfahrenen Restrukturierungs-Profis haben das Handwerkszeug, um die GfK wieder zu alten Gewinnspannen zu führen.

Für die Investoren könnte der Einstieg daher gar nicht besser sein: Die Perspektive ist aufgehellt, das Papier notiert gut 70% über dem Krisen-Niveau vom August dieses Jahres.

Wer schon länger investiert ist, hat statt eines hohen Verlustes jetzt dank des Einstiegs wenigstens seinen Einsatz zurück – ein guter Tag für GfK-Aktionäre.

8. Dezember 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

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