Finanzinvestor KKR will bei Axel Springer einsteigen

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KKR steigt bei Springer ein. Der Angebotspreis ist fair - für Privatanleger gibt es nichts mehr zu holen. (Foto: 360b / shutterstock.com)

Die Gerüchteküche brodelte schon eine ganze Weile und in der vergangenen Woche wurde es dann auch offiziell: Der New Yorker Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts & Co. (KKR) will große Anteile des Berliner Medienkonzern Axel Springer SE übernehmen.

KKR bietet den Minderheitsaktionären der Axel Springer SE je Aktie 63 Euro in bar. Damit können Aktionäre eine satte Übernahmeprämie von knapp 40 % auf den unbeeinflussten Aktienkurs vom 29. Mai 2019 einstreichen.

Springer-Aktien machen doppelten Kurssprung

Nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots stieg der Kurs der im MDAX notierten Springer-Aktien zweistellig an. Bereits nach der offiziellen Bestätigung der Übernahmegespräche am 30. Mai waren die Springer-Aktien um +22% hochgeschnellt.

Aktuell kostet die Aktie 62,05 Euro, notieren also nicht einmal 1 Euro unter der Offerte. Dies zeigt Ihnen, dass der Markt mit einem Erfolg des Angebots rechnet. Mit Blick auf die Angebotshöhe und der Mindestannahmequote von 20% ist auch der Übernahme-Sensor davon überzeugt, dass die Übernahme gelingt.

Finanzielle und strategische Partnerschaft

Der Springer-Verlag mit seinen seit längerem schwächelnden Flaggschiffen Bild und Welt will sich stärker auf digitale Angebote konzentrieren und somit zu einem weltweit führenden Anbieter von digitalem Journalismus werden. Da kommt das Angebot des US-Großinvestors gerade recht.

Aber KKR ist mehr als ein reiner Finanzinvestor: Das New Yorker Unternehmen verfügt über erhebliche Expertise in den Bereichen Digital und Medien sowie eine beeindruckende Bilanz an erfolgreichen Investitionen in Deutschland. So war KKR vor einigen Jahren an ProsiebenSat1 beteiligt und hat 2009 zusammen mit Bertelsmann den Musikrechtevermarkter BMG als Joint Venture gegründet.

Großaktionäre begrüßen die Übernahmen

Die Witwe des Verlagsgründers, Friede Springer, begrüßt das Interesse von KKR: „Unsere journalistischen Prinzipien und unsere Unternehmenskultur bleiben die Grundlage, auf die wir bauen und in die wir vertrauen. KKR wäre ein guter Partner, der dies genauso sieht und mit dem Axel Springer die nächsten bedeutenden Schritte vollziehen könnte.“

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Auch der Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, Mathias Döpfner, äußert sich positiv: „Der Vorstand begrüßt eine mögliche Partnerschaft mit KKR, da sie für das Unternehmen eine hervorragende strategische Perspektive eröffnet. KKR ist ein langfristig orientierter Partner, der unser Engagement für unabhängigen Journalismus und unsere Unternehmensbestimmung, zu freien Entscheidungen beizutragen, respektiert und mitträgt.“

Beteiligung zwischen 20 bis maximal 55% wird erwartet

Im Übernahmeangebot wurde eine Mindestannahmequote von 20 % vereinbart. Gleichzeitig haben Friede Springer und Vorstandsvorsitzender Döpfner, die zusammen 45,4% der Springer-Anteile halten, mit dem Investor vereinbart, ihre Beteiligungen an der Axel Springer SE zu behalten.

Ob die Springer-Enkel, die zusammen einen Anteil von knapp zehn Prozent besitzen, das Übernahmeangebot annehmen werden, ist noch ungewiss. KKR wird daher maximal 55% der Axel-Springer-Aktien erwerben können. Und auch für den Fall, dass die Springer-Enkel verkaufen und KKR so zum Mehrheitsaktionär machen, hat sich Friede Springer ein Veto-Recht einräumen lassen.

Zug für Privatinvestoren abgefahren

Zwar sind die mittelfristigen Perspektiven für den Springer-Verlag durch den Einstieg von KKR besser geworden, doch ist es fraglich, ob es auf vom aktuellen Kursniveau noch eine attraktive Gewinnchance für Privatanleger gibt.

Denn parallel mit der Übernahmevereinbarung musste Springer eine Gewinnwarnung aussprechen. Besonders wenn das kursstützende Übernahme-Angebot ausgelaufen ist, könnte die Aktie stärker unter Druck geraten. Nicht selten dauert es länger als geplant, bis eine Strategie Früchte trägt und sich das im Aktienkurs widerspiegelt.

KKR ist zwar einschlägiger Profi, doch es ist gut möglich, dass Aktionäre, die das Angebot nicht annehmen, zunächst einen Verlust hinnehmen müssen und dann viel Geduld aufbringen müssen, bis die Investition in die Gewinnzone läuft.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.