Finanzinvestor lässt „Victoria’s Secret“-Übernahme platzen

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L Brands: Verkauf des Dessous-Labels Victoria's Secret steht auf der Kippe. Finanzinvestor schiebt Corona-Krise vor und will 525 Millionen Dollar schweren Deal abblasen (Foto: everything possible / Shutterstock.com)

Sicher ist, dass nichts sicher ist: Eigentlich schien die Übernahme des kriselnden Dessous-Labels Victoria’s Secret, die im Februar angekündigt wurde, bereits in trockenen Tüchern. Doch nun lässt der Finanzinvestor und potenzielle Käufer Sycamore Partners den Deal Knall auf Fall gegen die Wand fahren.

Das riecht nach Ärger. Während der Käufer seinen Rückzug auf die Corona-Krise schiebt und Klage beim Gericht einreicht, pocht die Victoria’s Secret Muttergesellschaft L Brands auf Einhaltung der Kaufvereinbarung.

Victoria‘ Secret – die Erfolgsgeschichte der Unterwäsche Engel….

Die Modeschauen des Dessous-Labels Victoria’s Secret hatten lange Zeit Kult-Charakter. Seit das Modelabel im Jahr 1995 zum ersten Mal ihre Models leicht bekleidet als Engel über den Laufsteg schickte, hat sich die Marke rasant entwickelt. Tyra Banks, Heidi Klum, Alessandra Ambrosio, Gigi Hadid, sie alle wurden als „Engel“ mit kiloschweren auf den Rücken geschnallten Flügeln berühmt und steigerten den Bekanntheitsgrad der Marke.

In 2007 wurde das Unterwäsche-Unternehmen als erste Marke überhaupt mit einem Stern auf dem berühmten Walk of Ame in Los Angeles verewigt. Aus einem kleinen Ladengeschäft wuchs ein Milliardenimperium mit mehr als 1.200 Geschäften.

……ist längst zu Ende

Doch die beeindruckende Erfolgsgeschichte früherer Jahre hat längst tiefe Risse bekommen. Schon vor den Corona bedingten Ladenschließungen stapelten sich die BHs und Unterhosen in den Läden und groß angelegte Rabattaktionen drückten auf die Margen und das Image. Vor allem der starke Fokus auf den stationären Handel machte dem Modeimperium zu schaffen. Aber auch das gewandelte Frauenbild ist ein Problem für die Firma. Schon lange steht Victoria’s Secret in der Kritik, ein zu extremes Schönheitsideal zu verkörpern.

Deal steht auf der Kippe

Insofern traf es sich gut, dass der Finanzinvestor Sycamore für 525 Millionen Dollar 55% an dem Dessous Label kaufen wollte. Die restlichen 45% sollten beim bisherigen Mutterkonzern L Brands bleiben.

Grundsätzlich positiv: Sycamore ist bekannt für seine Spezialisierung auf Konsuminvestitionen, könnte also versuchen, mit seiner Kompetenz der Marke wieder Leben einzuhauchen. Laut Forbes besitzt Sycamore bereits eine große und diversifizierte Reihe von Einzelhändlern, die von Kaufhäusern über Fachgeschäfte bis hin zu Großhandelsmarken reichen. Im Fall von Victoria’s Secret müsste die Schließung von Geschäften mit schlechter Performance mit Investitionen in die Produktentwicklung in Einklang gebracht werden. Der Verlust von Kunden aus der Schließung von Filialen muss durch die Gewinnung von Kunden in operativen Filialen ersetzt werden.

Aktienkurs von L Brands auf Talfahrt

Das nachlassende Geschäft machte sich bereits seit geraumer Zeit auch im Aktienkurs der Muttergesellschaft L Brands bemerkbar. Seit 2016 sackte der Kurs von 100 auf zuletzt 10 Dollar in den Keller. Als Sycamore seinen geplanten Rückzug bekanntgab, sackte die Aktie sogar um 25% auf zeitweilig unter 9 Dollar in den Keller und wurde sogar kurzfristig vom Handel ausgesetzt.

Victoria’s Secret steht weiterhin für einen Großteil der gesamten Konzernerlöse und hat daher eine enorme Bedeutung auf die Geschäftsentwicklung. Es dürfte also spannend bleiben. Sicher dürfte indes sein, dass sich der Streit der beiden noch eine ganze Weile hinziehen wird.


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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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