Finanzinvestor sichert sich in der Krise Hamburger Desinfektionshersteller

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Schwedischer Finanzinvestor EQT gewinnt Bieterwettstreit um Hamburger Desinfektionshersteller: Air Liquide trennt sich von Tochtergesellschaft für 900 Millionen Euro (Foto: Vintage Tone/Shutterstock)

Auch wenn die Corona-Pandemie viele Teile unseres Lebens stilllegt, der Markt für Übernahmen und Fusionen läuft weiter auf Hochtouren. Experten gehen sogar davon aus, dass auf Grund der gesunkenen Bewertungen auch zahlreiche deutsche Firmen ins Visier von ausländischen Firmen oder strategischen Investoren geraten könnten.

Gestern erst wurde ein 900 Millionen Euro schwerer Deal bekanntgegeben. Der Finanzinvestor EQT geht aus dem Wettbieten um das deutsche Chemieunternehmen Schülke als Sieger hervor. Die Übernahme des Herstellers von Desinfektionsmitteln wurde zuletzt durch die fortschreitende Verbreitung des Virus nochmals angefacht.

Schwedischer Finanzinvestor will Hamburger Desinfektionshersteller schlucken

Jetzt ist es amtlich: Der französische Industriegasekonzern Air  Liquide trennt sich von seiner deutschen Tochtergesellschaft Schülke aus Hamburg. Wie der Konzern mitteilte, führt der Konzern momentan exklusive Verhandlungen mit dem Schwedischen Finanzinvestor EQT. Mit einem Kaufpreis von 900 Millionen Euro handelt es sich um den größten M&A-Deal in Deutschland seit Zuspitzung der Krise.

Der Abschluss des Deals scheint nur noch eine Formsache zu sein. Lediglich die Arbeitnehmergremien müssen noch zustimmen. Schülke-Boss Christian Last begrüßt EQT bereits als neuen Partner.

Wer hinter Schülke steckt

Das Objekt der Begierde ist eine absolute Traditionsfirma. Schülke wurde bereits im Jahr 1889 im Hamburg gegründet und beschäftigt mehr als 1.250 Mitarbeiter rund um den Globus. Der bekannte Markenname Sagrotan geht auf die Firma zurück, wurde aber inzwischen verkauft. Schülke entwickelt, produziert und vertreibt Antiseptika, Desinfektionsmittel, medizinische und kosmetische Hautpflegeprodukte. Kerngeschäftsfelder sind Gesundheitsvorsorge, Arbeitshygiene und Körperpflege.

Der Konzern vertreibt seine Produkte in mehr als 100 Ländern und produziert neben Deutschland auch in Frankreich und Brasilien in eigenen Werken. Der Umsatz des Herstellers im Jahr 2019 lag nach eigenen Angaben bei rund 335 Millionen Euro.

Air Liquide treibt Fokussierung weiter voran

Mit dem im Raume stehenden Verkaufspreis von 900 Millionen Euro erzielen die Franzosen nahezu den gewünschten Verkaufserlös. Zuletzt hatte Air Liquide informierten Kreise zu folge einen Preis von 1 Milliarde Euro angepeilt. Mit der Abspaltung setzt der Spezialist für Industriegase seine Fokussierung auf sein Kerngeschäft weiter fort.

Air Liquide ist ein weltweiter Hersteller von Industriegasen und flüssigen Gasen für Anwendungen in der Medizin. Die Gase, wie z.B. Oxygen, Nitrogen, Argon und Hydrogen, werden in der Öl- und Stahlverarbeitung, in der Papier- und Glasherstellung sowie im Gesundheitswesen sowie der Halbleiter- und der Photovoltaikindustrie verwendet. Air Liquide versorgt seine Kunden teilweise mit eigens installierten und gewarteten Pipelines und stellt darüber hinaus Antriebsgase für die Raumfahrt zur Verfügung.

Schülke für Gesamtkonzern vernachlässigbar

Auch wenn das Geschäftsfeld von Schülke vor allem im Moment hochattraktiv erscheint, im Konzernverbund von Air Liquide spielte es nur eine kleine Rolle. Unter dem Strich trugen die Hamburger nur mit rund 1,5% zu den gesamten Konzernerlösen in Höhe von zuletzt 21,92 Milliarden Euro bei.

Der neue Eigentümer EQT verfügt in der Finanzindustrie über einen ausgesprochen guten Ruf. Seit dem letzten Jahr ist die 1994 gegründete Firma selbst an der Börse notiert. In den EQT-Fonds stecken rund 40 Milliarden Euro. Dem Investor gehören Unternehmen mit zusammen 19 Milliarden Euro Umsatz und 110.000 Mitarbeitern. Der deutschsprachige Raum zählt zu den bevorzugten Regionen, in denen EQT nach Firmen sucht. In Deutschland gehört den Schweden unter anderem eine Minderheits-Beteiligung am weltgrößten Prothesen-Hersteller Ottobock sowie die Mehrheit am Linux-Anbieter Suse.

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Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

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