Finanzinvestor steigt bei Kabel Deutschland ein

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Neuesten Medienberichten zufolge, könnte es bei der Kabel Deutschland-Übernahme durch den britischen Mobilfunk-Konzern Vodafone Probleme geben. (Foto: Piotr Adamowicz / shutterstock.com)

Neuesten Medienberichten zufolge, könnte es bei der Kabel Deutschland-Übernahme durch den britischen Mobilfunk-Konzern Vodafone Probleme geben.

Der Grund für das Bedenken, dass der Deal reibungslos über die Bühne geht, ist der Kauf weiterer Kabel Deutschland-Anteile durch den Finanzinvestor Paul Singer und seinem Fonds Elliot Asset Management.

Singer hat den Anteil am 23. August auf 5,1% aufgestockt. Die meldepflichtige 3%-Hürde hat der Finanzinvestor bereits am 8. August überschritten. Damit gehört der Investor zu den wichtigsten Kabel Deutschland- Aktionären.

Das lukrative Geschäft mit laufenden Übernahmen

Der Finanzinvestor  ist in der Branche dafür bekannt, sich in laufende Übernahmen einzumischen. Dabei spekuliert Singer auf ein nachgebessertes Angebot oder drängt auf eine zeitnahe Aufstockung.

Beim Notebook-Hersteller Medion, dem Pressen-Hersteller Schuler und beim Kranbauer Demag Cranes hat sich Singer auf die gleiche Weise in den Übernahme-Prozess eingemischt.

Eine ähnliche Strategie verfolgte der Finanzinvestor Carl Icahn beim Dell-Buyout. Wegen der Icahn-Gegenwehr erhöhte Firmengründer Michael Dell das Übernahme-Angebot. Das Deal-Volumen stieg dadurch um satte 350 Mio. US-$.

Auch in meinem Börsendienst „Der Übernahme-Gewinner“ beteilige ich mich mit meinen Lesern an laufenden Übernahmen. Wenn der Preis in der ersten Angebotsrunde – meiner Analyse zufolge – nicht fair ist, steigen wir ein.

Übernahme verläuft langsamer als gedacht

Vodafone bietet für Kabel Deutschland inklusive Schulden knapp 11 Mrd. €. Aktionäre erhalten 87 € je Aktie. Bis zum 11. September haben die Aktionäre noch Zeit, sich für oder gegen die Offerte der Briten zu entscheiden.

Der Telekommunikationsanbieter hat momentan eine Annahme-Quote von weniger als 1%.

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Es ist allerdings üblich, dass sich die Aktionäre erst kurz vor Fristende entscheiden – daher hat die Zahl nur geringe Aussagekraft und ist nicht – wie teilweise unterstellt – schlecht.

Erst am Ende wird es wichtig: Die Übernahme kommt nur dann zustande, wenn Vodafone 75% der Aktien bekommt.

Das Management des deutschen Kabelnetzbetreibers hat seinen Aktionären bereits empfohlen, das Angebot anzunehmen. Bis Ende August waren bereits 4% der Aktien im Besitz des Bieters.

Erreicht Vodafone die 75% und stellen sich die Wettbewerbs-Behörden nicht quer, soll der Deal im ersten Quartal 2014 über die Bühne gehen.

Übernahme-Sensor erwartet reibungslosen Deal

Obwohl Vodafone nach dem Verizon Wireless-Deal viel Geld auf dem Konto hat, werden die Euros nicht leichtfertig „verschleudert“. Die von den Briten gebotenen 87 € je Kabel Deutschland-Aktie sind schon großzügig.

Die Chance auf eine Angebotsauftsockung, wie in einigen Medienberichten unterstellt, ist daher aus Sicht des Übernahme-Sensors nur minimal. Singer hat auch bisher keinen Druck auf Kabel Deutschland aufgebaut und wird voraussichtlich das Angebot annehmen.

Es fehlt aufgrund des guten Preises und trotz der 5% Beteiligung Verhandlungsmasse.Der Finanzinvestor ist bei dem Deal eher sowas wie ein „Arbitrage-Jäger“ (wenn auch nicht komplett risikolos).

Die Aktie notiert nur wenige Cent unter dem Angebotspreis. Wenn sich Singer jedoch über 4 Mio. Aktien sichert, ist auch der kleine Unterschied ziemlich gewinnbringend. Gleichzeitig trägt der Investor nur ein äußerst geringes Investitionsrisiko.

Der Übernahme-Sensor erwartet, dass in der kommenden Woche die notwendige Zustimmung ohne Angebotsaufstockung steht. Weder die aktuell niedrige Annahme-Quote noch der Einstieg des Aktivisten sollte Sie beunruhigen, dass der Deal nicht wie geplant klappt.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.