Finanzinvestoren an Generika-Hersteller Acino interessiert

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Der Schweizer Generika-Hersteller Acino hat am späten Dienstagabend eine Übernahme-Absicht von Finanzinvestoren bekannt gegeben. (Foto: William Potter / Shutterstock.com)

Der Schweizer Generika-Hersteller Acino hat am späten Dienstagabend eine Übernahme-Absicht von Finanzinvestoren bekannt gegeben.

Avista Capital Partners und Nordic Capital bieten den Acino-Aktionären 115 Schweizer Franken (CHF) je Aktie. Der Angebotspreis liegt rund 33% über dem Aktienkurs vor Bekanntgabe des Übernahme-Angebots.

Gemessen am 3-Monats-Durchschnittskurs liegt die Prämie sogar bei über 50%. Kurzfristig betrachtet war eine Investition also lohnend. Für Aktionäre die im vergangenen Jahr eingestiegen sind, bleibt jedoch trotz der hohen Prämie unter dem Strich ein Verlust.

Nach Bekanntgabe des Angebots, setzte die Acino-Aktie zu einem Kurssprung an. Aktuell notiert das Papier bei 113,50 CHF – knapp unter dem Angebotspreis. Die geringe Differenz zur Übernahme-Offerte zeigt, dass der Markt einen reibungslosen Deal erwartet.

Insgesamt hat die Übernahme ein Volumen von 389 Mio. CHF.

Frisches Kapital war ausschlaggebend

Avista Capital Partners und Nordic Capital haben sich in den Verhandlungen mit dem Acino-Vorstand dazu bereit erklärt, beträchtliche Summen in das Schweizer Pharma-Unternehmen zu investieren.

Acino-Verwaltungspräsident Luzi A. von Bidder kommentierte das Übernahme-Angebot mit den Worten: „Avista und Nordic verfügen über die finanziellen Mittel, welche die Wachstumsmöglichkeiten der Acino deutlich verbessern.“

Der Vorstand werde genau deswegen den Deal befürworten und den Aktionären ebenfalls dazu raten, das Angebot anzunehmen. Das Übernahme-Angebot greift nur dann, wenn die Beteiligungsgesellschaften zwei Drittel der Acino-Aktien angedient bekommen.

Neuer Eigentümer lässt zunächst alles beim Alten

Avista und Nordic Capital sind in der Branche keine Unbekannten. Mit ihren Investments kaufen sich die beiden Finanzinvestoren regelmäßig in Newcomer-Unternehmen aus der PharmaBranche ein und konnten auch schon diverse Erfolge vorweisen.

Die langjährige Erfahrung und das Geld sind wichtige Parameter, die für den Deal sprechen.

Nach dem Verkauf soll sich zunächst nur in der Chef-Etage etwas ändern. Hakan Björklund, ehemaliger Chef der von den Finanzinvestoren gehaltenen Nycomed, soll neuer Verwaltungspräsident werden.

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Alle 800 Mitarbeiter werden weiterbeschäftigt. Auch die beiden Standorte in der Schweiz und Deutschland sollen weitergeführt werden.

Halbjahresbilanz sorgte für Kurssturz

Acino hatte in den vergangenen Jahren durch Zukäufe für Umsatzwachstum gesorgt. Ende 2011 kauften die Schweizer Teile des Geschäfts der beiden Generika-Hersteller Cephalon und Mepha.

Dadurch konnte Acino in 2012 einen Umsatzanstieg um 91% von 257 Mio. € melden.

Im ersten Halbjahr 2013 konnte Acino zwar den Umsatz und auch die Marge steigern, jedoch deutlich weniger als vom Markt erwartet wurde. Der Umsatz stieg lediglich um 11% auf 143,4 Mio. €.

Ursprünglich wollte Acino im Gesamtjahr einen Umsatz von 300 Mio. € erreichen. Nun wird erwartet, dass es nur noch eine Umsatzsteigerung im einstelligen Prozentbereich geben wird.

Der Markt reagierte enttäuscht und mit der Acino-Aktie ging es bergab. Ohne die Übernahme-Offerte wären Kurse oberhalb von 100 Franken nur schwer vorstellbar. Während der europäische Pharma-Sektor im bisherigen Jahresverlauf um gut 20% stieg, fiel der Kurs von Acino um rund 20%.

Übernahme-Sensor befürwortet Deal

Obwohl die Aktionäre eine Prämie von 33% zum Abschlusskurs vor Angebot-Abgabe bekommen und das Angebot angemessen erscheint, sind nicht alle Analysten mit dem Preis voll zufrieden.

Die Mehrzahl beurteilt das Übernahme-Angebot allerdings als fair und rät den Acino-Aktionären, die Offerte anzunehmen.

Der Übernahme-Sensor hält den Preis ebenfalls für angemessen. Ausschlaggebend ist dabei nicht, dass die Prämie mit gut 50% auf den 3-Monats-Durchschnittskurs üppig ausfällt. Viel wichtiger ist, dass die Finanzinvestoren tiefe Taschen haben.

Die vorherigen Geschäftszahlen haben gezeigt, dass Acion irgendwo ausgebremst wird. Es ist davon auszugehen, dass der Chef Recht hat, wenn er dies mit der knappen Kasse begründet.

Wenn jetzt die erfahrenen Finanzinvestoren das passende Ventil sind, könnte eine profitable Wachstumsbeschleunigung einsetzen. Dies kann jedoch nicht als zu großer Grund gewertet werden, um deutlich höhere Angebote zu verlangen.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.