Finanzinvestoren übernehmen Stromerzeuger Calpine; Dynegy der Nächste?

Gestern haben wir Ihnen von der möglichen Übernahme des texanischen Stromnetz-Betreibers Oncor durch Elliott Management oder Warren Buffetts Beteiligungs-Gesellschaft Berkshire Hathaway (Energy) berichtet.

Heute bleiben wir thematisch im Energie-Sektor und regional im US-Bundesstaat Texas.

Denn unter der Führung des Finanz-Investors Energy Capital Partners soll der texanische Stromerzeuger Calpine übernommen werden.

US-Energie-Branche leidet unter Preis-Erosion

Durch die US-Energie-Branche rollt eine Übernahme-Welle.

Da nicht viele der übernommenen Unternehmen börsennotiert sind, läuft die Branchen-Konsolidierung relativ ruhig ab, doch es gibt auch die großen Deals.

Der gestern vorgestellte Übernahme-Plan für Oncor hat ein Volumen von über 18 Mrd. Dollar und der heute angekündigte Deal ist mit einem Volumen von 17 Mrd. Dollar nur etwas kleiner.

Die beiden Übernahmen haben noch weitere Gemeinsamkeiten:

Beide Übernahme-Kandidaten schleppen einen riesigen Schuldenberg vor sich her; bei Calpine sind es etwa 11,4 Mrd. Dollar, bei Oncor immerhin gute 9 Mrd.

Subventionierter Atomstrom, regenerative Energien und der in den Keller gerauschte Gas-Preis sorgen seit 2013 für eine Erosion der Preise.

Daher ächzen auch viele andere Energie-Erzeuger wie Calpine unter einer hohen Schuldenlast und geringer Profitabilität.

Hochverschuldete angeschlagene Firmen sind ideale Ziele für Finanz-Investoren.

In diesem Fall steht mit Energy Capital einer der bekanntesten Finanz-Investoren der Energie-Branche auf der Käuferseite.

Übernahme-Spekulanten mit bis zu 50% Gewinn

Energy Capital bietet den Calpine-Aktionären 15,25 Dollar je Aktie.

Der Aufschlag auf den Börsenkurs vom Vortag liegt zwar bei „nur“ 15%, doch wurde ein Deal bereits erwartet, nachdem Calpine im Juli Gerüchte über einen Verkaufs-Prozess bestätigte.

Vor Aufkommen der Übernahme-Spekulationen lag der Kurs sogar nur bei etwa 10 Dollar.

Wer da den Mut aufbrachte, auf einen hochverschuldeten angeschlagenen Stromerzeuger zu setzen, wird mit rund 50% Gewinn entlohnt.

Unter Umständen wird das Plus sogar noch größer, denn das Übernahme-Angebot wurde mit der sogenannten Go-Shop-Klausel versehen.

Diese erlaubt es Calpine, gegen eine Strafzahlung von 142 Mio. Dollar 45 Tage lang aktiv nach einem besseren Übernahme-Angebot Ausschau zu halten.

Der Markt ist sich jedoch nicht sicher, ob das gelingt. Im frühen US-Handel notiert die Calpine-Aktie 3% unter dem Energy Capital-Angebot.

Dynegy mit großen Chancen – aber auch mit großen Risiken

Nach der Übernahme von Calpine fragen sich die Branchen-Beobachter, wer als nächstes vom Kurszettel verschwindet.

Lang ist die Liste nicht mehr, da Übernahmen durch Finanz-Investoren und Deals innerhalb der Branche die Anzahl der börsennotierten Akteure auf weniger als 1/2 Dutzend verkleinert haben.

Besonders große Chancen auf einen Übernahme-Gewinn werden bei Dynegy gesehen.

Parallel zu den Gerüchten um Calpine hieß es, dass Dynegy den Schulterschluss mit Branchen-Kollege Vistra suchen könnte.

Die Aktie zog daraufhin bereits stark an, würde im Falle eines Deals aber noch deutlich höher notieren.

Wer auf dem jetzigen Kursniveau eine Positionierung wagen möchte, sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass…

  • …Dynegy hoch verschuldet ist,
  • …in den vergangenen 4 Quartalen Verluste schrieb
  • …und die Erwartungen der Analysten in diesen 4 Quartalen immer verpasste.

Kommt es nicht zu einer Übernahme, könnte die Enttäuschung darüber dem Aktienkurs stark zusetzen.

18. August 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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