Finanz-Investoren umgarnen Staples – Chance für Privat-Anleger?

Staples sieht aus wie eine schöne 20%-Chance, doch ohne Deal stehen Aktionäre mit leeren Händen da. Hier gilt also: Finger weg! (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Hohe Übernahme-Aktivität, brodelnde Gerüchte:

Die gute Wirtschaftslage und der Niedrigzins sorgen für exzellente Bedingungen am Markt für Übernahmen und Fusionen.

Obwohl die Preise weiter hochlaufen, bleibt die Schlagzahl hoch. Das bietet dann auch Privat-Anlegern attraktive Chancen auf eine hohe Prämie.

Übernahme-Spekulationen zu finden ist nicht schwierig. Das Problem: Nicht jede Übernahme-Story besitzt ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.

Risiko auch bei Übernahme-Chancen im Blick behalten

In den USA sorgen derzeit verschiedene Übernahme-Spekulationen für Aufsehen. Unter 2 namhaften Internet-Musik-Anbietern könnte es einen Deal geben.

Die Preisvorstellungen liegen noch auseinander, doch wenn sich die beiden Parteien einigen, dann wird der Kurs unmittelbar zulegen.

Eine noch höhere Gewinnchance wartet auf besonders Mutige im Energie-Sektor.

Übernahme-Gerüchte umkreisen 2 Kandidaten, deren Aktien Analysten zufolge im Falle eines Deals  sogar 60% in die Höhe schießen könnten.

Und dann sind da noch die Übernahme-Gerüchte um Staples, die Ihnen auch schnell zu mehr Geld verhelfen könnten.

Das Problem: Alle Übernahme-Kandidaten haben nicht nur die Chance auf einen Gewinn – sie tragen auch ein nicht unerhebliches Risiko, wenn es keinen Deal geben sollte.

Staples-Aktie im Rückblick: Wenigstens das Minus wurde aufgeholt

Wenn Sie den Übernahme-Sensor häufiger lesen, dann ist Ihnen der Name Staples vermutlich geläufig.

Ich hatte Sie bereits vor etwa 1 Jahr vor einer zeitnahen Investition in die Aktie des Unternehmens gewarnt.

Damals stand Staples vor den Trümmern der gescheiterten Übernahme des Konkurrenten Office Depot.

Die US-Wettbewerbs-Behörden befürchteten eine zu große Marktmacht der beiden Schreibwarenl-Ladenketten und untersagte den Deal.

Daraufhin kollabierten die Aktienkurse der beiden Firmen und die reduzierten Preise wirkten wie günstige Einstiegs-Chancen.

Wer investierte, musste allerdings zusehen, wie es weiter bergab ging mit der Aktie.

Erst später im Jahr setzte eine Erholung ein. Die Staples-Aktie liegt auch per heute mit 2% im Plus, doch ist die Bilanz mit Blick auf die Marktentwicklung mager.

Und Sie sollten im Hinterkopf behalten, dass die Übernahme-Spekulationen die Aktie stützen.

Finanz-Investoren könnten 20% Aufschlag auf den Aktienkurs zahlen

Anfang April machten Gerüchte die Runde, dass Staples einen Unternehmens-Verkauf prüft und mit Finanz-Investoren in Verhandlungen steht.

Ende vergangener Woche berichtete der Nachrichten- und Finanzdaten-Anbieter Bloomberg, dass der Finanz-Investor Cerberus aus dem Bieterrennen ausgestiegen ist.

Der Grund: Sein Angebot wurde als zu niedrig zurückgewiesen. Es heißt, dass das Angebot sei oberhalb des aktuellen Börsenwerts gewesen.

Noch im Rennen sei der Finanz-Investor Sycamore Partners.

Ein Übernahme-Preis könnte in der Region 7 Mrd. Dollar liegen – aktuell wird Staples mit 5,8 Mrd. Dollar bewertet.

Zum kolportierten Übernahme-Preis klafft also noch eine Lücke von 20%.

Ohne Deal ist die Gewinn-Aussicht schlecht

Während Bloomberg mit seinen Informationen bei Übernahme-Gerüchten sehr oft richtig liegt, bleibt einzuschränken, dass auch bei voller Wahrheit des Gerüchts die Verhandlungen noch platzen könnten.

Dann stellt sich die Frage, was man als Investor in der Hand hält – und das sieht nicht gut aus:

Staples hat seit 10 Jahren in den Filialen mit rückläufigen Umsätzen zu tun. Die Marktperspektiven im E-Commerce sind düster.

Staples befindet sich in einer teuren Umstrukturierung und wird weitere Filialen schließen müssen. Die Umsatz-Erwartungen wurden im 1. Quartal verfehlt.

Im 2. Quartal liegt die Gewinn-Prognose des Unternehmens zwischen 0,10 und 0,13 Dollar je Aktie.

Analysten erwarten im Schnitt die obere Grenze, sodass da durchaus die nächste Enttäuschung bevorstehen könnte.

Hinzu kommt natürlich die Enttäuschung derer, die nur aufgrund der Übernahme-Chance eingestiegen sind und dann wieder aussteigen werden.

Wir sind daher auch 1 Jahr nach dem geplatzten Deal mit Office Depot der Ansicht, dass die Staples-Übernahme-Chance liegen gelassen werden sollte.

Am US-Markt gibt es deutlich attraktivere Übernahme-Kandidaten, die ihr Geld wert sind, auch wenn es wider Erwarten nicht zu einem Deal kommt.

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Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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