Finanzinvestoren wollen Scout24 zurückhaben

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Die Finanzinvestoren, die sich in den letzten Jahren von ihrer Beteiligung an Scout24 getrennt haben, wollen das Unternehmen nun zurückhaben (Foto: Eisenhans - Adobe.com)

Ist das nicht kurios? Kaum drei Jahre sind vergangen, seit die Finanzinvestoren Hellman & Friedman und Blackstone den führenden deutschen Betreiber von Internetportalen Scout24 an die Börse gebracht haben, und schon wollen die ehemaligen Eigentümer ihre ehemalige Beteiligung zurückerwerben.

Geschäftsmodell im Überblick

Scout24 betreibt digitale Anzeigenplattformen für den Immobilien-, Automobil- und Finanzmarkt. Dabei tritt das Unternehmen unter drei Marken auf. ImmobilienScout24 ist mit 3,6 Mio. Transaktionen das mit Abstand führende Immobilienportal in Deutschland, AutoScout24, ein Anzeigenportal für Gebraucht- und Neuwagen, Motorräder und Nutzfahrzeuge, ist nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, Italien und den Benelux-Ländern tätig und hat nach eigenen Angaben in diesen Ländern die marktführende Position eingenommen.

Und mit der im August übernommenen Online-Plattform FinanceScout24 ist der Scout24-Konzern auch im Finanzbereich aktiv, etwa als Informationsportal für Verbraucherkredite (Finanzcheck.de), als Online-Börse oder als Onlinereisebüro.

Übernahmeangebot von 43,50 Euro je Aktie

Am Montag hat Scout24 in einer Pflichtmitteilung bekannt gegeben, dass die ehemaligen Mehrheitsgesellschafter, die sich Anfang letzten Jahres von ihren restlichen Anteilen getrennt hatten, ein Übernahmeangebot von 43,50 Euro je Aktie erwägen würden.

Anfang 2014 hatten die beiden Finanzinvestoren 70% der Anteile an Scout24 von der Deutschen Telekom übernommen. Im Oktober 2015 erfolgte der Gang an die Börse zu einer Bewertung von rund 3,3 Mrd. Euro. In steigende Kurse hinein reduzierten die Finanzinvestoren, die nach dem IPO zunächst mit zusammen knapp 46% beteiligt blieben, ihre Anteile immer weiter, bis sie schließlich Anfang 2018 unter die für eine Meldepflicht gültige Schwelle von 3% gefallen waren.

Aufschlag zu niedrig

Dem Betreiber von Immobilienscout24 und Autoscout24 ist der Übernahmepreis allerdings zu niedrig. Schließlich liegt der Aufschlag des Übernahmeangebots auf den aktuellen Aktienkurs bei gerade einmal 8%. Dementsprechend hat der Vorstand das Angebot auch prompt als unangemessen zurückgewiesen.

Ob die Finanzinvestoren ihre Offerte nachbessern, ist derzeit ungewiss. Derzeit zumindest sind weder Hellman & Friedman noch Blackstone dazu bereit, wie in einer Meldung der Nachrichtenagentur Bloomberg zu lesen war. Dort stand aber auch, dass eine endgültige Entscheidung noch nicht getroffen wurde.

Stramme Bewertungskennzahlen

So konzentriert sich der Kapitalmarkt wieder auf das, was wirklich zählt: Die Geschäftszahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2018. Deren Veröffentlichung hat Scout24 für den 12. Februar angekündigt. Zuletzt wurde vom Unternehmen ein Umsatzanstieg zwischen 11,5% und 13,5% erwartet. Damit allerdings wird die Scout24-Aktie mit dem 8,5-fachen Umsatz bewertet. Angesichts der überschaubaren Wachstumsperspektiven erscheint dies als eine recht stramme Bewertung. Was die Frage aufwirft: Ist der Anlagenotstand bei den Finanzinvestoren wirklich schon so groß?


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Von: Peter Thilo Hasler. Über den Autor

Peter Thilo Hasler ist seit über 25 Jahren als Finanzanalyst tätig, zunächst für einige große Investmentbanken, seit 2010 in seiner eigenen Research-Firma. Als Analyst berät er namhafte Fondsmanagern und Vermögensverwalter weltweit.