Finanz-Konzern vor Neuausrichtung

Banken zeigten 2017 eine gute Entwicklung. Doch das lässt sich nicht verallgemeinern. Passen Sie bei der Aktie von Barclays besser auf! (Foto: qvist / Shutterstock.com)

Immer einmal wieder flattern mir Angebote in den Briefkasten, über die ich mich wundere:

beispielsweise über Banken, die kostenlose Kreditkarten mit allerlei zusätzlichen Serviceleistungen und Boni anbieten.

Gerade Banken müssen in Zeiten niedriger Zinsen doch verstärkt mit Gebühren ihr Geld verdienen.

Das sollten Sie über Barclays wissen

Doch die Lock-Angebote in Form von kostenlosen Konten und Kreditkarten funktionieren anscheinend gut. Eine dieser Banken ist Barclays.

Barclays ist ein globaler Finanz-Dienstleister mit den beiden Geschäftsfeldern Global Retail Banking (UK Retail, Europe/Africa, Absa, Barclaycard) sowie Corporate and Investment Banking & Wealth Management (Barclays Capital, Corporate, Wealth).

Die Barclaycard ist im Kreditkarten-Geschäft mit über 22 Mio. Kunden in UK und international eine bedeutende Marke.

Das Unternehmen ist seit 1690 im Bankgeschäft tätig und in über 50 Ländern der Welt aktiv.

Erste Erfolge beim Konzern-Umbau

Nach einem Verlust im Vorjahr konnte Barclays mit einem Gewinnsprung aufwarten. Das bereinigte Vorsteuer-Ergebnis summierte sich 2016 auf 3,2 Mrd. Pfund.

Trotz der Fortschritte wurden die Erwartungen verfehlt.

Der CEO will Barclays auf Großbritannien und die USA fokussieren, die Kosten senken, sich aus Afrika zurückziehen und die Skandale der Vergangenheit hinter sich lassen.

Die Sparte mit den zum Verkauf stehenden Vermögenswerten soll im Juni geschlossen werden – 6 Monate früher als bisher geplant.

In Afrika gibt es eine Einigung, um die dortigen Aktivitäten aufzuspalten. Den höheren Gewinn sowie Erlöse aus Verkäufen von Beteiligungen steckte die Bank in die Rücklagen.

So stieg die Kernkapitalquote, ein Maßstab für die finanzielle Stärke von Banken, deutlich kräftiger als erwartet auf 12,4%.

Der Umbau zeigte erste Erfolge, allerdings könnten Altlasten noch ihre Wirkung zeigen:

So droht in den USA eine Strafe wegen des Verkaufs toxischer Hypotheken-Papiere, die bei vielen Investoren zu hohen Verlusten und insgesamt zur weltweiten Finanzkrise führten.

Anders als etwa die Deutsche Bank haben sich die Briten bislang nicht auf einen Vergleich mit dem US-Justizministerium eingelassen.

Wir bleiben abwartend

Die Zahlen zum 1. Quartal 2017 sind gemischt ausgefallen, der Wertpapier-Handel als ein wesentlicher Erlöstreiber hat enttäuscht.

Barclays ist für 2017 optimistisch, allerdings könnte eine wirtschaftliche Abschwächung im Zuge der BrExit-Verhandlungen die Bank treffen.

Auf Sicht von 6 – 12 Monaten erwarten wir eine unterdurchschnittliche Kurs-Entwicklung.

Die Bank befindet sich in einer Neuausrichtung. Hinzu kommt der BrExit.

Das ist eine schlechte Kombination. Die Dividendenrendite von 1,4% ist darüber hinaus nicht berauschend.

Mein Vorschlag: Nehmen Sie die kostenlose Kreditkarte und lassen Sie die Aktie weg!

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.