Finanzkrise Großbritannien – Wie sieht die Zukunft aus?

Finanzkrise: Großbritannien ist das neueste Opfer der globalen Krise. Erfahren Sie mehr von unserem Experten Günter Hannich. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Die Angst geht um in Europa. Erst Griechenland. Dann Portugal und Spanien.

Doch die Liste ist bin dieser Woche um einen neuen Namen erweitert worden: Nun hat die Finanzkrise auch Großbritannien im Griff.

Finanzkrise Großbritannien konkret:

Ganz aktuell haben die Zahlen zu den Steuereinnahmen für Januar Anlass zur Besorgnis gegeben. So gab es einen Rückgang von 7,7 Prozent und das in einem Monat, in dem sonst die Steuereinnahmen besonders kräftig sprudeln. Deutlich kräftiger fiel der Rückgang mit knapp 20 Prozent sogar noch bei der Einkommenssteuer aus.

Prominente Volkswirte warnen nun davor, dass Großbritannien das gleiche Schicksal erleiden könnte wie Griechenland. Im Klartext heißt das für die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft: das sinkende Investorenvertrauen führt zu Risikoaufschlägen am Anleihenmarkt.

Somit wird die Refinanzierung der ohnehin schon hohen Schulden immer schwieriger. In den vergangenen Wochen drehte sich die Diskussion hauptsächlich um die Probleme in Griechenland. Und die Zahlen aus Athen sind auch wirklich erschreckend.

So erwartet die griechische Regierung für dieses Jahr ein Haushaltsminus im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt von knapp 10 Prozent. In Deutschland stehen wir da mit einem Vergleichswert von 5,4 Prozent noch gut da.

Doch beim Vereinigten Königreich ist die Lage noch deutlich dramatischer als in Griechenland: Hier liegt das Haushaltsdefizit bei 13,3 Prozent. Die Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hat eine Studie zur Entwicklung der Haushaltslage der großen Industriestaaten bis 2020 erstellt.

Das erschreckende Ergebnis: Wenn in Großbritannien nicht massiv gespart wird, kann das Land in zehn Jahren ein Schuldenstand von rund 200 Prozent des BIP erreichen. Noch schlimmer stellt sich die Lage nur in Japan da, wo laut BIZ eine Verschuldung von bis zu 300 Prozent möglich ist.

Während Griechenland schon jetzt unter den notwendigen Sparmaßnahmen stöhnt, sieht es für Großbritannien schon schlechter aus. So hat der Internationale Währungsfonds (IWF) errechnet, dass Großbritannien in den nächsten Jahren Sparmaßnahem mit einem Gesamtvolumen von 13 Prozent des BIP starten muss. In Griechenland sind es nur 9 Prozent.

Staatsschulden verdoppelt

Die Finanzkrise hat die Staatsschulden nach oben schnellen lassen: Während beispielsweise in Italien die Verschuldung infolge der Krise um rund 20 Prozent stieg, hat sie sich in Großbritannien nahezu verdoppelt.

Wie bereits Griechenland, so könnten Großbritannien deshalb in den nächsten Monaten steigende Zinsen drohen. Einzig und allein eine wirkungsvolle Mischung aus mehr Wachstum für die Wirtschaft und weniger Schulden durch den Staat kann Griechenland und Großbritannien aus der Schuldenfalle befreien.

Andernfalls könnten sich die Schlagzeilen der letzten Wochen in einigen Monaten mit einem anderen Akteur wiederholen. Durch niedrigere Staatsschulden ergeben sich für Anleger neue Chance: Durch abgebaute Schulden können die Zentralbanken weiterhin ihre bisherige Geldpolitik beibehalten und auf Expansion setzen.

Großbritannien ächzt jetzt schon. Das Land hat Staatsschulden von 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes. In 4 Jahren werden es 100 sein – 40 Prozentpunkte mehr als unter Volkswirten und als in den Regeln der EU akzeptiert.

Zudem steigt die Arbeitslosigkeit immer schneller, lässt die Immobilienblase langsam Luft ab, blasen sich gleichzeitig die Banken immer weiter auf. Kurz: das Land steckt in einer massiven Krise.

Inflation steigt überraschend schnell

Jetzt kommt ein weiteres Problem hinzu: die Inflation ist da. Nur in kleinen Ziffern, aber immerhin. Hatten die Behörden für das 4. Quartal bereits 1,9 Prozent erwartet, sind es 2,9 Prozent geworden.

Und: Im Januar steigt der Wert weiter, denn der Staat hat die Mehrwertsteuer angehoben. Rückkaufprogramm bei Anlehen läuft. Vorsicht vor Großbritannien. Mit wenigen Worten umschreiben wir hier das neue Drama, das sich auf der Insel für Investoren abspielt.

Nicht nur Zins-Anleger, auch Aktionäre sowie Devisenhändler sehen sich einer neuen Gefahr gegenüber. Vorsicht auch, wenn Sie britische Aktien oder insbesondere Immobilien besitzen. Eine neue Zins-Gefahr rollt auf die Märkte zu. Großbritannien schockt Anleger. Das Programm steht.

75 Milliarden Pfund im Markt

Die Gefahr geht von 75 Milliarden Pfund aus, die Großbritannien nunmehr in die Märkte pumpt. Konkret kauft die dortige Notenbank Unternehmensanleihen sowie Staatsanleihen auf.

75 Milliarden Pfund sind erheblich. 2009 und 2010 bereits hatte Großbritannien ähnliche Programme aufgelegt. 200 Milliarden Pfund waren es damals, die eine einstürzende Wirtschaft noch stützen sollten. Ob dies künftig gelingen wird, bezweifeln wir stark.

Denn: der Weg der „quantitativen Lockerung“ wird in den kommenden Jahren die Inflation anheizen. Großbritannien hat die ersten Geldspritzen noch nicht verkraftet.

Inflation: mehr als 4%

Jetzt schon steht die Inflationsrate in Großbritannien bei einem Wert von mehr als 4%. Zum Vergleich: die Eurozone strebt eine Inflationsrate in Höhe von etwa 2% an. Alles Andere toleriert die EZB (Europäische Zentralbank) laut eigenen Aussagen nicht – wenngleich wir an dieser Vorgabe zweifeln.

Die Zentralbank Englands – „Bank of England“ – hingegen achtet zur Zeit auf die „Wachstumsrisiken“, bedingt auch durch die schwächere Konjunktur. Achtung: die Inflationsgefahren ignoriert sie damit sogar öffentlich. Dies hat Konsequenzen für Investoren, die mit Großbritannien zu tun haben.

Denn: eine schwächere Währung wird für Exportfirmen gut sein, für Unternehmen mit Importschwerpunkt jedoch teuer. Wer Immobilien in Großbritannien besitzt, kann sich zunächst über tendenziell steigende Preise freuen.

Dauerhaft aber bilden sich Blasen, die wiederum Verluste erzeugen können – wenn die Kaufkraft plötzlich zusammenbricht. Achtung: Großbritannien ist damit Vorreiter einer ungesunden politischen Entwicklung:

  • Die neue Geldspritze in Form von Anleihe-Milliarden wird das britische Pfund schwächen.
  • Die Zinsen bleiben künstlich niedrig.
  • Dies wird sich auf die „Konkurrenzzinsen“ in Europa auswirken.
  • Die EZB muss sich am Währungswettbewerb orientieren und wird den Zins gleichfalls künstlich durch Anleihenkäufe niedrig halten. Die Programme laufen bereits.

Fazit: Achtung und Vorsicht. Die Anleihenkäufe in Großbritannien und die Zinspolitik sind mittel- und langfristig eine Gefahr. Anleger müssen sowohl bei Immobilien als auch britischen Aktien aufpassen.

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Günter Hannich. Über den Autor

Günter Hannich, Bestseller-Autor und gefragter Experte auf dem Gebiet Kapitalschutz, unter anderem bei n-tv. Er steht mit dem „Crash Investor“ ab sofort zur Verfügung, um sein persönliches Wissen zu teilen. Für Ihre ­Sicherheit.

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