Finanzsektor: W&W-Gruppe will tschechische Töchter an MONETA-Bank verkaufen

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Die Stuttgarter Wüstenrot & Württembergische-Gruppe will zwei ihrer tschechischen Tochterunternehmen an die in Prag ansässige MONETA Money Bank verkaufen. Da die Verhandlungen um die Übernahmevereinbarung noch nicht gänzlich abgeschlossen sind, haben die Unternehmen ein Stillschweigen zum Verkaufspreis vereinbart. (Foto: Monster Ztudio / shutterstock.com)

Heute möchte ich ihnen über einen anstehenden Übernahmedeal mit deutscher Beteiligung berichten: Die Stuttgarter Wüstenrot & Württembergische-Gruppe (W&W) plant, gleich zwei ihrer tschechischen Tochterunternehmen – die Bausparkasse Wüstenrot stavební sporitelna, a.s. und die Hypothekenbank Wüstenrot hypotecní banka – zu veräußern. Käufer ist die viertgrößte Bank Tschechiens, die MONETA Money Bank (MONETA) aus Prag. Beide Unternehmen bestätigten am vergangenen Freitag in separaten Pressemitteilungen, dass sie sich aktuell über die Details einer Übernahme verhandeln.

Stillschweigen vereinbart

Laut Pressemitteilung der W&W haben beide Parteien Stillschweigen zum Verkaufspreis vereinbart. MONETA teilte jedoch mit, den Kaufpreis und andere Bedingungen der Transaktion nach Unterzeichnung des Kaufvertrags veröffentlichen zu wollen.

Damit Sie den Deal dennoch größenmäßig einstufen können, hier ein paar Zahlen: Die Bilanzsumme der tschechischen Tochterunternehmen der W&W-Gruppe beläuft sich nach IFRS auf knapp 3 Mrd. EUR. Beide Töchter zusammen haben zurzeit etwa 400.000 Kunden und knapp 300 Mitarbeiter im Innen- sowie rund 700 Berater im Außendienst.

Markt begrüßt Transaktion

Die Anleger reagierten auf das Übernahmegeschäft zwar nicht euphorisch, aber wohlwollend positiv: An der Frankfurter Börse stieg der Kurs der W&W-Papiere am heutigen Morgen um +0,20 EUR auf 19,52 EUR, was einen leichten Anstieg um +1% bedeutete.

Der Kurs der MONETA-Bank legte etwas mehr zu: Gegenüber dem freitäglichen Schlusskurs von 2,98 EUR stieg er heute um +0,07 EUR. Unter dem Strich bedeutet dies einen Anstieg von immerhin +2,35%.

MONETA-Bank auf Expansionskurs

Durch die Übernahme der zwei W&W-Institute will MONETA seine Marktposition – insbesondere im Hypothekensektor – weiter ausbauen. Durch die geplante Akquisition wird MONETA sein bisheriges Hypothekenportfolio verdoppeln und die Kundeneinlagen um 53 Mrd. CZK (etwa 2,077 Mrd. EUR) erhöhen.

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„Wir glauben, dass diese Akquisition zu unserer langfristigen Wachstumsstrategie im Privatkundengeschäft passt. Gleichzeitig werden die Akquisitionen kurz- und mittelfristig das Ergebnis und die Dividende je Aktie steigern “, so Tomáš Spurný, CEO und Chairman von MONETA.

Bereits Ende 2018 verkündete MONETA eine vorläufige Vereinbarung über den Kauf der tschechischen Air Bank und Czech and Slovak Home Credit abgeschlossen zu haben. Im Februar 2019 gab MONETA aber bekannt, dass dieser Deal aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über die Bewertung von Air Bank und Home Credit geplatzt ist.

Die beteiligten Unternehmen im Kurzportrait

Die im SDAX gehandelte W&W-Gruppe entstand 1999 aus dem Zusammenschluss der beiden Traditionsunternehmen Wüstenrot und Württembergische. Das Unternehmen ist schwerpunktmäßig in den Geschäftsbereichen Bausparkasse und Versicherung aktiv. Für den börsennotierten Konzern mit Sitz in Stuttgart arbeiten rund 13.000 Menschen im Innen- und Außendienst. Der seit einigen Jahren rückläufige Jahresumsatz belief sich in 2018 auf etwas über 6 Mrd. EUR.

MONETA ist mit über einer Million Kunden die viertgrößte Bank und der fünftgrößte Hypothekenanbieter in der Tschechischen Republik. Bis Ende 2015 war das Finanzinstitut als GE Money Bank ein Tochterunternehmen des General-Electric-Konzerns (GE). Das Unternehmen beschäftigt 3.300 Mitarbeiter, die 2018 etwa 410 Mio. EUR Umsatz erwirtschafteten.

Wie es weitergeht

Aktuell arbeiten die beteiligten Unternehmen noch an der Übernahmevereinbarung, die jedoch noch in diesem Jahr unterschrieben werden soll. Die Transaktion soll dann im kommenden Jahr abgeschlossen werden. MONETA will das Geschäft aus eigenen Mitteln finanzieren.


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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Ein gewiefter Börsen-Profi leitet die Recherche beim "Übernahme-Gewinner". Jens Gravenkötter ist Chefredakteur bei dem erfolgreichen neuen Service.

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