Finger weg von der Deutschen Bank

Letzte Woche habe ich Ihnen geschrieben, dass auch bei den sieben DAX-Dauer-Zahlern nicht mehr alles Gold ist was glänzt.

Und man muss schon ganz genau hinschauen. Dazu gehört leider die Deutsche Bank.

Das größte Geldinstitut Deutschlands schüttet zwar seit über 60 Jahren ununterbrochen Dividenden aus, ist aber beim Dividenden-Zuwachs bei den 7 deutschen Dividenden-Dauerläufern das Schlusslicht.

Für 2015 wurde die Dividende gestrichen. Damit gibt es künftig nur noch 6 Dauerzahler.

Zu viele Rechts-Streitigkeiten

Die vielen Rechts-Streitigkeiten haben der Deutschen Bank die Bilanz verhagelt. Die erste Jahresbilanz vom zukünftigen Vorstandsvorsitzenden Cryan fällt tiefrot aus.

Die Bank erwartet nach vorläufigen Zahlen mit rund 6,7 Mrd. € den größten Jahresverlust ihrer Unternehmens-Geschichte.

Deutschlands größtes Geldhaus stürzt damit noch tiefer ab als befürchtet; Am Markt war mit einem Minus von etwa 5 Mrd. € gerechnet worden.

Für 2014 hatte das Institut noch rund 1,7 Mrd. € Gewinn ausgewiesen – mehr als doppelt so viel wie 1 Jahr zuvor.

Die vorläufigen Zahlen kamen an der Börse schlecht an: Der Kurs der Aktie stürzte ab und verlor zeitweise fast 10%.

Erster Verlust seit Finanzkrise

Der erste Jahresverlust seit der Finanzkrise 2008 sei zwar ernüchternd, räumte Cryan ein.

Es gehe jedoch darum, die Bank einfacher und effizienter zu machen, Risiken zu verringern und Rechts-Streitigkeiten so rasch wie möglich abzuschließen, so der Brite.

Cryan hatte am 1. Juli Anshu Jain als Co-Chef abgelöst und soll nach der Hauptversammlung im Mai die alleinige Führung übernehmen.

Teure Rechts-Streitigkeiten, Abschreibungen und Kosten für Stellen-Streichungen belasten den deutschen Branchen-Primus.

Schon im 3. Quartal hatte die Bank mit einem Rekord-Verlust geschockt – wegen milliardenschwerer Abschreibungen im Investment-Banking und im Privatkunden-Geschäft.

Neuausrichtung und Jobabbau

Jetzt kommt noch eine weitere Milliarde für den geplanten Stellenabbau dazu: Es sollen 9.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, 4.000 davon in Deutschland.

Inklusive der beschlossenen Trennung von der Postbank schrumpft die Belegschaft von zuletzt gut 100.000 Mitarbeitern etwa um 1/4.

Bis Ende 2017 will die Deutsche Bank etwa 200 der 700 eigenen Filialen schließen. Die Kosten für Neuausrichtung und Abfindungen belasten das Ergebnis im 4. Quartal mit rund 800 Mio. € – v. a. im Privatkunden-Geschäft.

Weil die Software veraltet ist, schreibt die Bank in dem Bereich zudem weitere 100 Mio. € ab.

Operativ läuft es auch nicht

Im Investment-Banking machen dem Institut die immer strengeren Kapital-Anforderungen zu schaffen, viele Geschäfte gerade im schwankungsanfälligen Kapitalmarkt-Geschäft lohnen sich nicht mehr.

Im 4. Quartal lief v. a. der Handel mit Wertpapieren nicht rund, so dass die Erträge um 15% auf 6,6 Mrd. € zurückgingen.

Auf die Mitarbeiter kommen schwere Zeiten zu. Nach dem milliardenschweren Rekordverlust 2015 schwört Cryan die Beschäftigten auf harte Arbeit und Belastungen in den kommenden beiden Jahren ein.

Für Dividenden-Anleger ist hier so schnell nichts mehr zu holen. Die Deutsche Bank ist derzeit eine Turnaround-Spekulation.

25. Januar 2016

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt