Finger weg von der VW-Aktie

Trotz des massiven Kursrutschs ist die VW-Aktie nur scheinbar ein Schnäppchen. Angesichts der enormen Unsicherheit ist das Risiko hoch. (Foto: Cineberg / Shutterstock.com)

Der Abgas-Skandal um VW bleibt weiter das Thema schlechthin am deutschen Aktienmarkt. Von einigen Lesern erreichte mich zuletzt die Frage, ob sich nach dem Kurssturz der Einstieg lohnt. Ich möchte Ihnen heute erläutern, warum ich von der VW-Aktie lieber die Finger lasse.

Fundamentale Kennzahlen haben kaum Aussagekraft

Auf den ersten Blick scheint die Aktie des Wolfsburger Autokonzerns tatsächlich ein Schnäppchen zu sein. Aktuell billigt die Börse dem Unternehmen nur noch einen Marktwert von knapp 48 Mrd. Euro zu. Dies sind gerade einmal 24% des Umsatzes von gut 202 Mrd. Euro, den VW im vergangenen Jahr generierte.

Oder nehmen Sie das Kurs/Gewinn-Verhältnis (KGV). Auf Basis des in 2014 erzielten Gewinns beträgt dies nach dem Einbruch nur noch 4,3. Doch 2014 ist nun einmal Geschichte. Wie es mit Umsatz und Gewinn weitergeht, steht in den Sternen.

Finanzielle Schäden sind nicht abzusehen

Was auf VW an Belastungen zukommt, ist derzeit noch nicht abzusehen. Allein durch die US-Justiz droht dem Konzern eine Strafzahlung von bis zu 18 Mrd. Dollar. Den Wolfsburgern dürfte eine regelrechte Klagewelle ins Haus stehen. Die US-Bank JP Morgan schätzt die finanziellen Belastungen für VW auf bis zu 40 Mrd. Euro.

Damit könnte der VW-Skandal eine ähnliche Dimension erreichen wie der Untergang der Bohrinsel Deepwater Horizon. Der Betreiber BP hat die Rückstellungen für Folgeschäden erst kürzlich auf 53,8 Mrd. Dollar erhöht. Für die anstehenden juristischen Auseinandersetzungen hat VW mit Kirkland & Ellis nun die gleiche US-Kanzlei engagiert wie der britische Ölkonzern.

Existenz von VW ist nicht bedroht

Für die kommenden Belastungen hat das Unternehmen zunächst 6,5 Mrd. Euro zurückgestellt, die den Gewinn in diesem Jahr unmittelbar drücken. Auch wenn damit nur ein kleiner Teil der anstehenden Kosten gedeckt ist, dürfte die Existenz von VW durch die Affäre nicht gefährdet sein.

Ende 2014 verfügte VW über eine Nettoliquidität von rund 16 Mrd. Euro. Der operative Cashflow im vergangenen Jahr belief sich auf rund 11 Mrd. Euro. Daher gehe ich fest davon aus, dass der Konzern diese tiefe Krise überstehen wird.

VW-Absatz wird leiden

Dennoch wird der Skandal weitreichende Folgen haben, die derzeit kaum absehbar sind. Unmittelbar wirkt sich der Verkaufsstopp von VW-Dieselfahrzeugen in den USA aus.

Im August verkaufte VW auf dem US-Markt rund 32.000 Autos. Davon waren rund 20% Diesel-Fahrzeuge. Dieser Anteil fällt ab sofort weg. Aber auch die Verkäufe von benzingetriebenen Autos dürften unter der Affäre leiden.

Auch in Europa wird der Diesel-Absatz unter Druck geraten. Und hier sind Diesel-Autos besonders beliebt. In Deutschland sind nahezu die Hälfte aller neu zugelassenen Autos Diesel. In Südeuropa liegt der Anteil sogar zwischen 64 und 71%. In China hingegen spielen Diesel-Antriebe nur eine geringe Rolle.

Weitere Kursabschläge drohen

Auch der Imageschaden für VW ist enorm. Das starke Wachstum der vergangenen Jahre wird durch den Skandal erst einmal ein jähes Ende finden. Wie stark die Umsätze leiden werden, ist derzeit nicht abzusehen.

Die Unsicherheit ist jedenfalls gewaltig. Und ich gehe davon aus, dass in den nächsten Wochen und Monate noch einige negative Nachrichten folgen werden, die den Aktienkurs weiter belasten.

vw

Von diesen ganzen Unwägbarkeiten abgesehen, ist die Aktie für mich als Trendfolger ohnehin tabu. Die Aktie hat bereits im Sommer einen Abwärtstrend ausgebildet.

Auch wenn der Titel nach dem Absturz mehr als 60% unter seinem Allzeithoch notiert, bleibt die Gefahr weiterer Einbußen akut. Anleger, die einigermaßen ruhig schlafen wollen, sollten der VW-Aktie besser fernbleiben.


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Von: Michael Kelnberger. Über den Autor

Chefanalyst Michael Kelnberger ist der Experte für Aktien. Er setzt auf nachweislich erfolgreiche Anlage-Strategien: Die Trend-Strategie im Dienst Volltreffer Aktien und die mechanische Handlungsstrategie im Ranglisten Investor. So erzielt er für seine Leser beider Dienste stets überdurchschnittliche Renditen. Profitieren auch Sie von seinem Know-How.

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