Finger weg von dieser Krankenhaus-Aktie

Wir alle müssen einmal ins Krankenhaus. Um so beruhigender ist ein solcher Aufenthalt, wenn das Krankenhaus auch einen guten Ruf hat. Wenn sich Investoren mit Krankenhäusern beschäftigen, geht es nicht um die Erfahrung des Chefarztes oder um innovative Behandlungsmethoden.

Unterm Strich zählt allein die Rentabilität. Ein bekannter deutscher Krankenhausbetreiber hat damit seit einiger Zeit Probleme: Die 1973 gegründete Rhön-Klinikum AG gehört zu den größten privaten Krankenhausbetreibern in Deutschland.

Zum Konzern gehören 10 Klinken mit rund 5.300 Betten an 5 Standorten in 4 Bundesländern. Hinzu kommen 15 medizinische Versorgungszentren. Doch für Aktionäre war der Anteilsschein von Rhön-Klinikum bislang eher eine bittere Pille. Wir erklären, wieso.

Neuordnung beeinflusst Zahlen

Wegen des Verkaufs des Großteils seiner Kliniken an Fresenius hat Rhön in den ersten 9 Monaten rund 1 Mrd € weniger umgesetzt. Gleichzeitig hat der Verkaufserlös den Gewinn um mehr als 1,1 Mrd € nach oben getrieben.

Die strukturelle Neuordnung des Konzerns wird die Ergebnisentwicklung noch bis Ende des Jahres spürbar beeinflussen. Aufgrund dieser Sondersituation hat das Management von einer Jahresprognose abgesehen.

Für 2015 haben die Verantwortlichen aber einen Umsatz von 1,06 bis 1,12 Mrd € sowie ein operatives Ergebnis vor Abschreibungen von 145 bis 155 Mio € in Aussicht gestellt.

Schrumpfkur birgt Risiken

Daraus errechnet sich ein Nettogewinn von 70 bis 80 Mio €. Zudem hat der Konzern durchblicken lassen, dass er seine Akquisitionsstrategie fortsetzen wird. Rhön ist aber nur noch an Krankenhäusern interessiert, an denen Spitzenmedizin und universitäre Forschung betrieben werden.

Einen Teil des Erlöses für die verkauften Kliniken hat Rhön seinen Aktionären in Form von Aktienrückkäufen zurückgegeben. Geplant war der Rückkauf von bis zu 65,8 Mio Aktien zum Preis von 25,18 € pro Aktie mit anschließender Kapitalherabsetzung. Diese Maßnahme soll die deutlich kleinere Struktur des Konzerns reflektieren.

Die Angebotsperiode endete am 14. November. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden dem Konzern 64,75 Mio Aktien angeboten. Die bisherigen Großaktionäre haben offensichtlich ihre Anteile an Rhön verkauft. Spekulationen über einen Übernahmeversuch sind damit erst einmal passé. Dafür spricht auch, dass es keine Mitteilungen über das Überschreiten meldepflichtiger Grenzen gibt.

Die Schrumpfkur könnte für Rhön-Klinikum den Verlust von Größenvorteilen bedeuten. Auch ist ein Abstieg aus dem MDAX nicht unwahrscheinlich. Für Anleger gibt daher keinen Grund, in die Aktie zu investieren. Die magere Dividendenrendite von 1,1% kann kein Argument sein.

14. Januar 2015

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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

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