Finger weg von Uber und Tesla!

Würden Sie bei Firmen einsteigen, die nur Verluste machen? Gewinn pro Aktie heißt es doch, nicht Verlust pro Aktie. Doch es gibt Ausnahmen: (Foto: Andrei Tudoran / Shutterstock.com)

Sie kennen das: Start-ups werden hochgejubeln, gefeiert, als neues Allheilmittel verkauft und massiv überbewertet. Das gibt es an der Börse massenhaft – aber auch abseits davon.

Heutzutage muss ein Unternehmen nicht profitabel wirtschaften, um Geldgeber zu bekommen, es reicht eine gute Idee oder einfach der „First-Mover“ in einer Nische zu sein.

Das bedeutet nichts anderes als Pionier.

Tesla ist Pionier bei der E-Mobilität

Als Geschäftsidee ist Tesla furchtbar. Die Idee dahinter ist auf jeden Fall sensationell, und inzwischen hat Elon Musk auch bewiesen, dass sie funktioniert.

Doch das Geschäft von Grund auf so hochzuziehen benötigt eine Menge Geld und Finanz-Spritzen.

Wer heute ein Business startet, sollte eigentlich darauf achten, dass er schnellstmöglich ein gewisses Grundrauschen schafft, also regelmäßige Geld-Eingänge über Service-Leistungen und verkaufte Produkte.

Danach kann die Firma wachsen und weitere Zweige aufbauen und erforschen.

Doch Tesla und Elon Musk waren kurz davor die größte Pleite in der Branche hinzulegen.

Stellen Sie sich nur die immensen Kosten vor, die das Unternehmen auf sich nehmen musste; wie viel Geld investiert wurde, bis das 1. Elektro-Auto vom Band lief…!

Ohne gigantische Finanz-Spritzen würde es heute kein Tesla mehr geben.

Und selbst in der aktuellen Phase – wenn das gigantische Werk unter Volllast Autos produziert – ist die Firma immer noch nicht profitabel.

Doch das stört die Anleger nicht; der Aktienkurs von Tesla steht inzwischen bei über 300 US-Dollar.

Vor 5 Jahren waren wir bei 30 US-Dollar – ein schöner Kurs-Anstieg, weil wohl viele an die Idee glauben.

Wer sich ganz langweilig nur die schwarzen Zahlen ansieht, wird enttäuscht denn die gibt es nicht, sie sind knallrot!

Lassen Sie sich nicht davon blenden, dass Tesla im 3. Quartal 2017 einen Umsatz von fast 3 Mrd. US-Dollar gemacht hat! Der Verlust pro Aktie beträgt alleine in dem Quartal 3,70 US-Dollar!

Die Börse reagierte sogar kurz auf das Ergebnis: 4% Verluste gab es nach dem Tag der Veröffentlichung. Doch danach ging es weiter im Takt als wäre nichts gewesen; als wäre die Firma profitabel.

Tesla ist für Anleger durchaus interessant, und ich verstehe auch viele, die gerne Aktien von diesem zukunftsorientierten Unternehmen besitzen.

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Ein Freund von mir schraubt selber in einer offiziellen Tesla-Werkstatt an den Elektro-Autos.

Doch bei aller Begeisterung für alternative Antriebe: Behalten Sie die fundamentalen Zahlen im Hinterkopf! Der Konzern frisst momentan immer noch Unmengen an Geld.

Uber: Noch so ein Hype

Auch eine gewisse Art von alternativem Antrieb: Uber, die Taxi-Konkurrenz lebt auch nur von ihrer Bewertung.

Die Idee wurde in Seattle erfolgreich getestet und breitete sich danach wie ein Lauffeuer aus: privaten Taxifahrer per App bestellen, per App bezahlen, fertig.

Diese Idee ist übrigens 60 Mrd. US-Dollar wert. Hätten Sie das gedacht? – Nein? – Ich auch nicht.

Vor allen Dingen kommen wir jetzt zum eigentlich Haken an der Geschichte:

Wenn Firmen heute ihre aberwitzigen Bewertungen aufrufen, dann basieren diese auf vielen Zahlen. Der Gewinn ist dabei jedoch nicht oder nur selten dabei.

Es geht meist in 1. Linie um die Vision, wie groß das Potential ist, wie stark die Idee gewachsen ist, wie viele Leute die App installiert haben.

Uber hat im vergangenen Quartal einen Verlust von 1,5 Mrd. US-Dollar gemacht, hochgerechnet auf 1 Jahr sind das 6 Mrd. US-Dollar Minus!

Ein Verlust vom 6 Mrd.US-Dollar pro Jahr steht also einer Bewertung von 60 Mrd. US-Dollar entgegen – Faktor 10 und das Vorzeichen vertauscht…

Würde Uber doch nur noch mehr Geld verbrennen, dann wäre die Bewertung vielleicht noch höher…

Die gute Nachricht für Sie: Es gibt keine Uber-Aktien. Vermutlich ist das aber auch nur noch eine Frage der Zeit…

Amazon-Aktien konnten wir ja auch schon kaufen, bevor es Jeff Bezos in die Gewinnzone brachte.

Fazit

Es ist nicht verkehrt bei solchen Trends mitzuspielen – aber dann bitte mit Verstand!

Achten Sie darauf, dass Sie das Geschäftsmodell verstehen, bevor Sie diesem eine Chance geben!

Dann können Sie auch mit etwas Glück selbst Aktien-Gewinne einfahren, wenn das Unternehmen nicht profitabel wirtschaftet.


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Von: Michael Berkholz. Über den Autor

Michael Berkholz entdeckte vor einigen Jahren seine Leidenschaft fürs Trading und gibt sein Wissen heute mit großer Leidenschaft an seine Leser weiter.