Fiserv und First Data: Zahlungsabwickler fädeln größten Fintech-Deal aller Zeiten ein

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Klein schluckt groß: Fiserve peilt mit Milliardenofferte größten Fintech-Deal aller Zeiten an. Konsolidierungswelle bei Zahlungsabwicklern setzt sich ungebremst fort. (Foto: phongphan / Shutterstock.com)

Auch in der Finanzbranche geht es momentan heiß her. Zahlreiche Fintech-Unternehmen stellen die Welt der traditionellen Finanzkonzerne auf den Kopf. Neue Technologien sorgen für komplett neue Geschäftsmodelle und die Wettbewerbslandschaft wandelt sich massiv. Das dürfte auch die Aktionäre des deutschen Zahlungsverkehrsabwicklers Wirecard interessieren. Denn ein Milliarden-Deal in den USA dürfte dem DAX-Konzern zukünftig das Leben ungemütlich machen.

Gerade hat nämlich der US-Zahlungsabwickler Fiserv eine milliardenschwere Übernahmeofferte für seinen großen Rivalen First Data auf den Tisch gelegt. Damit verbünden sich die beiden Konzerne im Wettbewerb gegen Rivalen wie Worldpay, Wirecard und neue Herausforderer wie Adyen und Square.

Zwei Kontrahenten machen gemeinsame Sache

Der Deal hat es, nicht zuletzt auf Grund seiner Größe, durchaus in sich. In einer rein aktienbasierten Transaktion bietet Fiserv den First Data-Aktionären 22,74 Dollar je Aktie plus 0,303 Fiserv-Papiere je Anteilsschein. Das entspricht einem Unternehmenswert von 22 Milliarden Dollar und liegt rund 30% über dem Schlusskurs vor Bekanntgabe der Meldung. Zugleich übernimmt Fiserv 17 Milliarden Dollar an Nettoschulden. Damit ist der Deal die größte Transaktion im Fintech-Bereich aller Zeiten.

Nach dem Closing werden die Aktionäre von Fiserv 57,5% und First Data die restlichen 42,5% an der Gesellschaft halten.

Wer hinter First Data steckt

First Data Corporation ist ein US-amerikanisches Unternehmen mit Firmensitz in Sandy Springs (Georgia). Der Konzern ist ein Anbieter von E-Commerce-Lösungen für den Zahlungsverkehr und hat einen breiten Kundenstamm. Insgesamt nutzen mehr als 4.000 Finanzinstitute in mehr als 100 Ländern die First Data-Technologie zur Zahlungsabwicklung. Das jährliche Transaktionsvolumen lag zuletzt bei 2,4 Billionen Dollar.

In anderen Worten: Im zurückliegenden Geschäftsjahr gingen bei First Data Umsätze in Höhe von 12,05 Milliarden Dollar durch die Bücher. Unter dem Strich blieb ein Jahresgewinn von 1,46 Milliarden Dollar hängen, was einer Gewinnspanne von 12,16% entspricht.

Höhere Wertschöpfungstiefe im Visier

Die Transaktion ist Teil der Strategie von Fiserv, ein weltweit führender Anbieter in der Zahlungs- und Finanztechnologiebranche zu werden. Gemeinsam werden die beiden Unternehmen ihre Dienstleistungs- und Produktpalette deutlich erweitern.

Beispielsweise wird First Data die Funktionen zur Registrierung von digitalen Händlerkonten zusammenführen, die in die digitalen Bankenlösungen von Fiserv integriert werden können, die Tausende von Finanzinstituten bedienen. Beide Firmen teilten auch mit, dass sie in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen Dollar in neue Technologien in Bereichen wie Händlerlösungen, digitale Dienstleistungen, Risikomanagement und Zahlungen investieren werden.

Es geht aber nicht nur darum, Produkte zu entwickeln, die besser im Wettbewerb mit dem Rest des Finanzdienstleistungssektors bestehen. Es sollen auch massiv Kosten eingespart werden. Fiserv und First Data sagen, dass sie 900 Millionen Dollar an laufenden Kosteneinsparungen und 500 Millionen Dollar oder mehr an Umsatzsynergien erwarten.

Fiserv – deutlich kleiner, aber wesentlich profitabler

Der Bieter Fiserv ist zwar auch ein Spezialist für Zahlungsabwicklung, mit einem Jahresumsatz von zuletzt 5,69 Milliarden Dollar aber nur halb so groß wie First Data. Ein Blick in die Gewinn- und Verlustrechnung zeigt Ihnen aber, dass Fiserv deutlich profitabler ist. Im letzten Jahr erzielte der Technologiekonzern eine Gewinnspanne von 21,88% und erreichte damit das höchste Niveau der letzten 15 Jahre.

KKR unterstützt die Transaktion

Unterdessen gab die US-Beteiligungsgesellschaft KKR bekannt, dass sie den Deal befürwortet. Sie müssen wissen: KKR kontrolliert aktuell knapp 40% der Stimmrechte von First Data und hatte die Firma 2007 vor Ausbruch der Finanzkrise von der Börse genommen und 2015 wieder an die Börse gebracht.  Auch nach der Transaktion wäre der Finanzkonzern noch mit 16% an der fusionierten Gesellschaft beteiligt.

Die Anleger dürfte es schon mal freuen. Wer im Dezembertief bei First Data einstieg, kann sich nach dem jüngsten Kurssprung  bereits über einen Kurszuwachs von beinahe 50% freuen.

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Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.