Fitbit-Aktie: Turnaround oder Rohrkrepierer?

Google Logo RED_shutterstock_559400386_Denis Linine

Fitbit-Aktie: Turnaround oder Rohrkrepierer? Marktführer für Fitnessarmbänder nach Zahlen auf Tauchstation (Foto: Denis Linine / shutterstock.com)

Liebe Leser,

eines ist klar: Für schwache Nerven dürfte die Aktie des Marktführers für Fitnessarmbänder wohl kaum geeignet sein. Nach dem Sprung aufs Parkett vor drei Jahren explodierte die Aktie regelrecht von 20 auf 51 Dollar innerhalb von nur zwei Monaten – damit war das Start Up auf einen Schlag knapp 11 Milliarden Dollar wert. Doch aufkommende Konkurrenz und schwache Zahlen beendeten den Höhenflug so abrupt wie er gekommen war. Die Aktie rauschte in den Keller und markierte im April dieses Jahres mit unter 5 Dollar ihren vorläufigen Tiefststand.

Im Juni folgte dann eine zwischenzeitliche Trendwende. Die Aktie schoss um 50% in die Höhe nachdem das umstrittene Research-Unternehmen Citron Research mit einer Kaufstudie die Turnaround-Phantasie angefacht hat. Seither konsolidierten die Papiere wieder und pendelten sich bei zwischen 5,5 und 6 Dollar ein.

Fitbit im Portrait

Fitbit ist eine amerikanische Firma, die sogenannte Fitness-Tracker anbietet. Die Firma mit Sitz in San Francisco, Kalifornien, produziert die gleichnamigen elektronischen Geräte, mit denen die Kunden ihre Trainingseinheiten verfolgen und aufzeichnen können. Die einfacheren Modelle sind reine Schrittzähler, teurere Modelle können auch weitere Körperparameter wie die Herzfrequenz oder die Schlafqualität messen.

Die gemessenen Daten können via Mobiltelefon oder Computer ins Internet übertragen werden, um sie auszuwerten. Neben reinen Fitnesstrackern bietet Fitbit auch Smartwatches, kabellose Fitness-Kopfhörer und intelligente Waagen an. Fitbit hat über 25 Millionen aktive Nutzer und weltweit mehr als 76 Millionen Geräte verkauft.

Dem Hype folgt die Ernüchterung

Die Geschäftsentwicklung von Fitbit war zunächst wirklich beeindruckend. Von 2012 bis 2016 explodierten die Umsätze regelrecht von 76 Millionen Dollar auf 2,16 Milliarden Dollar. In 2017 musste allerdings ein Umsatzeinbruch von 25% auf 1,61 Milliarden Dollar verkraftet werden. Zudem verharrt Fitbit seit zwei Jahren in der Verlustzone. Im zurückliegenden Geschäftsjahr fiel ein Verlust von 277 Millionen Dollar und damit deutlich mehr als im Vorjahr an (-103 Millionen Dollar). Das letzte Mal erwirtschaftete das Unternehmen im Jahr 2015 einen Gewinn (176 Millionen Dollar).

Google Logo RED_shutterstock_190643744_lightpoet

App Downloads explodieren - diese Aktien gehören zu den GewinnernDas Geschäft mit App Downloads boomt. Freuen können sich Anleger, die Aktien der führenden Anbieter halten. › mehr lesen

Smartwatch Versa sorgt für Rückenwind

Im gerade abgelaufenen Quartal konnte der US-Konzern aber erstmals seit Langem wieder die Markterwartungen schlagen. Für Rückenwind sorgte dabei vor allem die neue auf den Markt gebrachte Smart Watch Versa. Sie müssen wissen: Im letzten Quartal verkaufte Fitbit mehr als eine Millionen Versa-Geräte. Mittlerweile erzielt das Segment mit den smarten Uhren 55% der Gesamterlöse. Ursprünglich war das Erreichen der 50%-Marke erst für das zweite Halbjahr erwartet worden. Für Fitbit ist das extrem wichtig, um das schwächelnde Geschäft mit Smart Trackern auszugleichen.

Unter dem Strich waren die Zahlen mit einem Quartalsumsatz von 299,3 Millionen Dollar (Schätzungen: 285,4 Millionen Dollar) und einem Verlust von 22 Cent je Aktie (Schätzungen: -24 Cent je Aktie) besser als erwartet.

Im dritten Quartal Rückkehr in die Gewinnzone angepeilt

Für den weiteren Jahresverlauf zeigt sich Fitbit zuversichtlich. Bei einem erwarteten Umsatz zwischen 370 bis 390 Millionen Dollar sollte im dritten Quartal der Sprung in die Gewinnzone wieder möglich sein. Das Quartal beendete der Konzern mit einem Barmittelbestand von rund 580 Millionen Dollar, was fast 47% des gesamten Börsenwerts ausmacht.

Analysten zeigen sich unentschlossen

Während das Unternehmen den Turnaround in Aussicht stellt, zeigen sich die Analysten noch unentschlossen. Während Citron Research sein Kursziel von 15 Dollar mit dem Eintritt in den spannenden Markt für Diabetesmanagement und der Gesundheitsanalyse (Kooperation mit Google) begründet, verweisen andere Research-Häuser eher auf den Margendruck im ehemaligen Kerngeschäft mit Fitnesstrackern. Das durchschnittliche Kursziel aller Analysten liegt mit 6,10 Dollar nur ein paar Prozent über dem aktuellen Kursniveau. Wer von den Experten Recht behält, wird sich spätestens im Jahresverlauf zeigen.

Herzliche Grüße

Ihr Richard Mühlhoff


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Alle_Sujets_Portrait_1-31_WEB_Muehlhoff
Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.