Fitbit: Google will Fitness-Firma für zwei Milliarden Dollar schlucken

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Fitbit: Alphabet-Tochter Google legt Milliardenofferte für Fitness-Firma auf den Tisch. Einstieg in den Markt für Smartwatches als Kampfansage an Apple (Foto: jane0606 / Shutterstock.com)

Vor knapp zwei Monaten habe ich Ihnen an gleicher Stelle bereits über Fitbit, den Pionier der Fitnessarmbänder, berichtet. Damals stand der Kurs bei 3,47 Dollar und die Aktie notierte rund 90% unter ihrem Allzeithoch. Die Anleger hatten ihren Daumen bereits gesenkt und die Aktie auf Grund zunehmenden Wettbewerbs und Preisdrucks auf das Abstellgleis gestellt. Keiner traute sich mehr an das Papier heran.

Wer allerdings Mut bewies und sich gegen die Masse stellte, wurde jetzt belohnt. Am Freitag flatterte dem Technologiekonzern eine Übernahmeofferte des Internet-Giganten Google ins Haus, die zumindest den jüngst eingestiegenen Anlegern einen satten Profit eingespielt hat.

Fitbit im Portrait

Fitbit ist in den Bereichen Gesundheit und Fitness tätig. Dabei vertreibt das Unternehmen in erster Linie Fitness-Armbänder, die eine Reihe von alltäglichen Aktivitäten der Träger aufzeichnen: Dazu zählen unter anderem die Schrittzahl, zurückgelegte Strecke, Herzfrequenz, aktive Zeit und Schlafstunden. Andere Geräte werden für die Messung von Gewicht, BMI, fettfreier Masse und Körperfettanteil verwendet. Außerdem bietet das Unternehmen eine umfangreiche Menge an Zubehör wie Ladekabel, Schlafmanschetten oder Gürteltaschen. Zu den Produktreihen gehören Fitbit Surge, Fitbit Charge HR, Fitbit Charge, Fitbit Flex, Fitbit Zip und Fitbit One sowie Aria Wi-Fi Smart Scale.

Hoch gelobt und tief gefallen

Fitbit erwischte mit seinen Produkten einen richtig guten Start. Immerhin war der Konzern zum Börsengang, entgegen zahlreicher anderer Start-ups, bereits profitabel und hatte über 20 Millionen Fitnesstracker an seinen Kunden verkauft. Zugleich stieg der Konzern in die Herstellung von Herzfrequenzsensoren und Sportuhren ein. Von 2012 bis 2016 explodierten die Umsätze regelrecht von 76 auf 2,16 Milliarden Dollar. Allerdings erreichte Fitbit schon im Jahr 2014 seinen Höhepunkt, was die Gewinne angeht. Damals blieb ein Nettogewinn von 132 Millionen Dollar hängen, was einer Gewinnspanne von 17,68% entspricht. Seither ging es allerdings bergab.

Seit 2016 entwickeln sich die Umsätze rückläufig. Im zurückliegenden Geschäftsjahr lag der Umsatz bei 1,51 Milliarden Dollar. Unter dem Strich steckte Fitbit aber, wie die beiden Jahre zuvor, tief in der Verlustzone fest (-186 Millionen Dollar in 2018). Das liegt vor allem an der deutlich schärferen Wettbewerbssituation. Fitbit hat inzwischen viele Rivalen. Neben Apple, Jawbone sind auch Elektronik-Riesen wie Samsung, LG oder Huawei in dem Geschäft aktiv. Zugleich sorgt der chinesische Smartphone-Aufsteiger Xiaomi mit Tiefpreisen für kräftigen Preisdruck.

Auf der Suche nach kontinuierlichen Einnahmen

Doch das Fitbit-Management reagierte entschieden auf das neue Wettbewerbsumfeld und versuchte sich strategisch neu zu positionieren. Im Herbst startet Fitbit unter dem Namen Premium einen Dienst, der tiefere Einblicke in die mit den Geräten gespeicherten Daten ermöglicht. Hier wird es sogar Berichte geben, die Gesundheitsdaten so aggregieren, dass sie für Ärzte verwendet werden können. Fitness-Freunde finden in Fitbit Premium zudem Trainingspläne und eine Community Gleichgesinnter.

Der Dienst wird vorerst nur in englischer Sprache verfügbar sein und steht zum Start im September in 17 Ländern, darunter Deutschland, zur Verfügung. In den USA soll der Dienst rund 10 Dollar im Monat oder rund 80 Dollar im Jahr kosten. Preise für Deutschland stehen bislang nicht fest. Die Stoßrichtung dahinter ist klar: Fitbit will seine Einnahmebasis verbreitern und mit monatlichen Erlösen die Abhängigkeit vom Produktverkauf verringern.

Die Nachrichtenlage besserte sich zuletzt: Einem Großauftrag durch das Singapore Health Promotion Board folgte eine Partnerschaft mit Bristol-Myers-Squibb-Pfizer. Das Ziel: Fitbit will in Zukunft seine Tracker mit EKG-Funktion ausstatten und damit der Apple-Watch Konkurrenz machen.

Google bietet 7,35 Dollar je Aktie

Das dürfte auch dem Internetriesen Google gefallen, der schon lange ein eigene „Wearables“ auf den Markt bringen will. Vor allem die 28 Millionen Nutzer und immensen Datenmengen, die Fitbit inzwischen gesammelt hat, dürften es dem Konzern angetan haben. Jetzt wird der Fitnessband-Pionier Fitbit ein Teil von Google. Der Internet-Riese zahlt 7,35 Dollar pro Aktie in bar und Fitbit wird damit insgesamt mit 2,1 Milliarden Dollar bewertet.

Das Angebot entspricht einem Aufschlag von knapp 20% auf den Kurs vom Vortag, liegt aber mehr als 100% über dem Niveau, auf dem die Aktie noch Anfang September notierte. Allerdings muss auch die Wettbewerbsbehörde noch ihren Segen geben. Sollte der Deal platzen, muss Google eine Vertragsstrafe von 250 Millionen Dollar an Fitbit zahlen.

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Rene König
Von: Rene König. Über den Autor

Chefanalyst Rene König ist Experte für Aktien. Sein Fokus liegt auf der Analyse wegweisender Robotik-Unternehmen, die sich durch stabile Geschäftsmodelle und planbare Rendite auszeichnen.

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