Fitbit: Wettbewerbsbehörde schiebt schnellem Deal einen Riegel vor

Google Hauptsitz RED – shutterstock_552493561 achinthamb

Google hechelt Fitbit-Closing weiter hinterher: EU-Wettbewerbskommission melden Bedenken gegen Übernahme des Pioniers für Fitnessarmbänder an. (Foto: achinthamb / Shutterstock.com)

Der Übernahmekrimi des Pioniers für Fitnessarmbänder Fitbit geht in die nächste Runde. Bereits im November letzten Jahres legte der Tech-Gigant Google eine 2,1 Milliarden Dollar schwere Offerte für Fitbit auf den Tisch. Für 7,35 Dollar je Aktie sollte der Hersteller von Fitnesstrackern und Wearables den Besitzer wechseln. Doch der Deal ist noch lange nicht durch.

Derzeit scheinen auch die Anleger ihre Zweifel zu haben, ob die Transaktion wirklich über die Bühne geht. Immerhin könnten die Aufsichtsbehörden die Übernahme noch durchkreuzen. Gerade erst hat die EU-Wettbewerbsbehörde Bedenken wegen der Übernahme angemeldet. Der Kurs der Fitbit-Aktie liegt momentan bei 6,38 Dollar. Damit haben die Papiere im Zuge der jüngsten Meldungen rund 10% an Wert abgegeben und liegen damit deutlich unter dem Niveau des Kaufangebots.

Fitbit im Portrait

Fitbit ist in den Bereichen Gesundheit und Fitness tätig. Dabei vertreibt das Unternehmen in erster Linie Fitness-Armbänder und Smartwatches, die eine Reihe von alltäglichen Aktivitäten der Träger aufzeichnen: Dazu zählen unter anderem die Schrittzahl, zurückgelegte Strecke, Herzfrequenz, aktive Zeit und Schlafstunden. Andere Geräte werden für die Messung von Gewicht, BMI, fettfreier Masse und Körperfettanteil verwendet.

Zudem hat der Konzern gerade ein Beatmungsgerät für Corona-Patienten entwickelt und steht nach eigenen Angaben kurz vor der Zulassung des Geräts durch die Gesundheitsbehörde.

Pionier im Wechselbad der Gefühle

Fitbit erwischte mit seinen Produkten einen richtig guten Start. Immerhin war der Konzern zum Börsengang, entgegen zahlreicher anderer Start-ups, bereits profitabel und hatte über 20 Millionen Fitnesstracker an seinen Kunden verkauft. Zugleich stieg der Konzern in die Herstellung von Herzfrequenzsensoren und Sportuhren ein. Von 2012 bis 2016 explodierten die Umsätze regelrecht von 76 auf 2,16 Milliarden Dollar. Allerdings erreichte Fitbit schon im Jahr 2014 seinen Höhepunkt, was die Gewinne angeht. Damals blieb ein Nettogewinn von 132 Millionen Dollar hängen, was einer Gewinnspanne von 17,68% entspricht. Seither ging es stetig bergab.

Seit 2016 entwickeln sich die Umsätze rückläufig. Im zurückliegenden Geschäftsjahr lag der Umsatz nur noch bei 1,43 Milliarden Dollar. Unter dem Strich steckte Fitbit, wie die Jahre zuvor, tief in der Verlustzone fest (-321 Millionen Dollar). Das lag vor allem an der deutlich schärferen Wettbewerbssituation. Fitbit hat inzwischen viele Rivalen. Neben Apple, Jawbone sind auch Elektronik-Riesen wie Samsung, LG oder Huawei in dem Geschäft aktiv. Zugleich sorgt der chinesische Smartphone-Aufsteiger Xiaomi mit Tiefpreisen für kräftigen Preisdruck.

Umsätze schrumpfen drastisch zusammen

Die schwache Performance setzt sich in diesem Jahr fort: Taumelten die Umsätze im ersten Quartal um 31% auf 188,2 Millionen Dollar in den Keller, folgte im zweiten Quartal ein Rückgang um 16% im Vergleich zum Vorjahresquartal. Insgesamt gingen im letzten Vierteljahr Umsätze in Höhe von 261,3 Millionen Dollar durch die Bücher. Dabei sank die Anzahl der verkauften Geräte um 30% auf 2,5 Millionen. Allerdings erhöhte sich der durchschnittliche Verkaufspreis um 16% auf 100 Dollar. Das lag nicht etwa an neuen Produkten (1 Neuprodukt vs. 4 im Vorjahresquartal), sondern daran, dass der Verkauf über die Fitbit-Homepage um 102% auf 66 Millionen Dollar zugenommen hat.

Unter dem Strich musste Fitbit einen Verlust von 31,5 Millionen Dollar verbuchen. Das war leicht besser als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum (-35,8 Millionen Dollar).

Europäische Kommission hat starke Bedenken

Neben der schwachen operativen Performance kommen nun die Bedenken der Wettbewerbshüter hinzu, die die Übernahme deutlich verzögern könnten. Die Kommission befürchtet, dass die Marktposition von Google auf den Märkten für Online-Werbung weiter gefestigt würde. Die Argumentation: Die riesigen Datenmengen, über die Google bereits verfügt und die es zur Personalisierung der angezeigten Werbeanzeigen nutzen könnte, könnten durch die geplante Übernahme noch weiter wachsen. Deswegen wird nun eine eingehende Untersuchung eingeleitet. Diese könnte dazu führen, dass die geplante Übernahme an Auflagen geknüpft oder sogar untersagt wird.

Für einige Anleger kam die Reaktion der Behörde vielleicht überraschend. Immerhin hatte Google im Vorfeld bereits darauf hingewiesen die Daten nicht werblich zu verwenden. Wie bei allen Produkten wollte Google den Fitbit-Nutzern die Möglichkeit geben, ihre Daten einzusehen, zu verschieben oder zu löschen. Die Wettbewerbshüter haben offenbar ihre Zweifel und halten damit den Übernahmekrimi weiter am Laufen.

Google Hauptsitz RED – shutterstock_552493561 achinthamb

Diesen zwei Tech-Unternehmen spielt die Corona-Pandemie in die KartenDurch die Corona-Pandemie verstärkt sich der Digitalisierungsprozess rasant. Alphabet und Tencent profitieren davon stark. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Tobias Schöneich
Von: Tobias Schöneich. Über den Autor

Tobias Schöneich, Jahrgang 1982, begeistert sich seit der Jahrtausendwende und somit seit den Zeiten des New-Economy Booms für das Thema Börse und alles unmittelbar damit Verbundene.

Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig den kostenlosen E-Mail-Newsletter von Tobias Schöneich. Herausgeber: GeVestor Verlag | VNR Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG. Sie können sich jederzeit wieder abmelden.

Hinweis zum Datenschutz