Flatex und Degiro: Europäische Broker schmieden Hochzeitspläne

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Flatex und Degiro: Europäische Broker schmieden Hochzeitspläne. Deal könnte größten europäischen unabhängigen Broker schaffen. Hohe Kostensynergien sollen Rendite hebeln. (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

Der Markt für Online-Brokerage kommt momentan ordentlich in Bewegung. In den USA schluckte im November Charles Schwab für 26 Milliarden den Rivalen TD Ameritrade. Jetzt schwappt mit dem Zusammenschluss des deutschen Online-Brokers Flatex mit dem niederländischen Konkurrenten Degiro die Konsolidierungswelle auch nach Europa über. Sollte der Deal durchgehen, würde der größte bankenunabhängige Broker in Europa entstehen.

Doch kein Verkauf von Flatex

Dabei dürfte die Ankündigung des Deals für viele Marktteilnehmer eher unerwartet gekommen sein. Im Sommer hatte der Frankfurter Broker Flatex noch einen offenen strategischen Prozess gestartet, bei dem auch der Unternehmensverkauf eine Option gewesen ist. Auch wenn offenbar das Interesse von Private Equity-Firmen hoch war, entschied sich Flatex vor gut zwei Monaten selbst als Käufer die Branchenkonsolidierung voranzutreiben.

Wer hinter Flatex steckt

Flatex wurde 1999 von dem Unternehmer und Verleger Bernd Förtsch (“Der Aktionär”) gegründet und 2009 an die Börse gebracht. Die Flatex AG betreibt mit flatex eine der führenden und am schnellsten wachsenden Online-Brokerage-Plattform Europas für den Wertpapierhandel mit mehr als 12 Millionen papierlos ausgeführten Kundentransaktionen pro Jahr.

Die eigenentwickelte Technologie eröffnet den über 250.000 eigenen B2C-Kunden kostengünstige Serviceleistungen. Das selbst entwickelte Kernbankensystem (FTG:CBS) verhilft den zahlreichen B2B-Kunden inklusive staatlicher Infrastruktur ebenso wie etablierten Finanzdienstleistern und disruptiven Geschäftsideen als White-Label-Banking zum schnellen Erfolg.

Flatex ist bislang in Deutschland, Österreich und den Niederlanden tätig. Firmenboss Frank Niehage hatte aber geplant, mit der Marke Flatex außerdem nach Frankreich, Italien, Schweden und Spanien zu expandieren.

Zukauf stärkt Auslandsgeschäft

Mit der Akquisition von Degiro wird Flatex in mehr als 15 europäischen Ländern präsent sein. Dafür will die Firma 250 Millionen Euro auf den Tisch legen. Davon könnte Flatex 190 Millionen Euro in eigenen Aktien bezahlen. Hierfür soll eine Kapitalerhöhung um 7,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 25,33 Euro durchgeführt werden. Der Restbetrag über 60 Millionen Euro soll dann in bar an Degiro fließen.

Hohe Synergien in Aussicht

Neben der Stärkung des europaweiten Geschäfts soll der Zusammenschluss vor allem auch Kosten sparen. Die Kostensynergien beziffert Flatex-Chef Niehage auf 30 Millionen Euro pro Jahr. Mittelfristig peilt er einen Umsatz von 300 Millionen Euro sowie einen Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 150 Millionen Euro an. Zeitgleich soll das Ergebnis je Aktie auf 3 Euro ansteigen.

Produktportfolio ergänzt sich perfekt

Stand heute ist Degiro mit 470. 000 Kunden (Flatex: 306.000 Kunden) und 18,6 Millionen Transaktionen im Jahr (Flatex: 11,5 Millionen) auf den ersten Blick etwas größer. Allerdings erzielte Flatex zuletzt mit einem operativen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 40,3 Millionen Euro deutlich mehr als Degiro (13,7 Millionen Euro). Unter dem Strich blieb beim deutschen Broker mit 19 Millionen Euro Nettogewinn fast doppelt so viel hängen wie bei Degiro (10 Millionen Euro).Dabei operiert Degiro als reiner Discount-Broker auf schmaler Eigenkapitalbasis von 26 Millionen Euro, während die mit Banklizenz operierende Flatex ein Eigenkapital von 186 Millionen Euro aufweist.

Bernd Förtsch weiter mit an Bord

Mit Abschluss der Transaktion werden die Degiro-Gründer 27,7 % an Flatex halten. Gründer und Großaktionär Bernd Förtsch wird von 23,6 % auf 17,1 % verwässert. Die Beteiligungsgesellschaft Heliad kommt dann auf 7 %. Den Abschluss der Transaktion erwarten die Akteure im zweiten Quartal des kommenden Jahres.

Taschenrechner Stift Kurse – shutterstock_84247642 Zadorozhnyi Viktor

Insidertrades der Woche: Was Vorstände und Firmeninsider jetzt kaufenInsidertransaktionen der Woche: Großaktionär kauft bei Fitnessgerätehersteller Peloton Interactive weiter zu. Peloton schraubt Jahresprognose rauf und heizt Kursrally an - Aktie seit dem März-Tief mit mehr als 100% Kursplus. › mehr lesen


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Jens Gravenkötter
Von: Jens Gravenkötter. Über den Autor

Der gewiefte Börsen-Profi Jens Gravenkötter verdankt seinen Erfolg nicht zuletzt seinem Wissen aus seiner Ausbildung zum Bankkaufmann und seinem Studium der Volkswirtschafslehre.