Fluggesellschaften: Billigsegment erreicht in Deutschland Rekordniveau

Billigairlines haben in Deutschland weiterhin Hochkonjunktur. Ein Drittel aller Passagiere nutzt bereits die Angebote der Billigflieger, Tendenz weiter steigend. (Foto: Edith Rum / shutterstock.com)

Das Zeitalter der Billigflieger ist längst noch nicht zu Ende. Im Gegenteil.

Nach Auswertung der Flugpläne durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) erreichten die Billigflüge schon zu Beginn des Jahres neue Rekorde.

Das DLR zählte in einer Beispielwoche 4.783 Starts und 518 bediente Strecken, die dem Billigsegment zuzurechnen sind. Gegenüber dem Vorjahr ist das Flugaufkommen damit zweistellig gewachsen. Ein Drittel aller Passagiere nutzt bereits die Angebote der Billigflieger.

Ryanair, easyJet, Vueling und norwegian bieten immer mehr Flüge von Deutschland aus an. Doch den höchsten Marktanteil in Deutschland hat immer noch Germanwings mit 38%, gefolgt von Air Berlin (6207) mit 35%. Mit deutlichem Abstand folgen Ryanair (8%) und easyJet (7%).

Diese Zahlen zeigen aber auch das enorme Wachstumspotenzial, das Ryanair und easyJet in Deutschland noch haben. Ryanair will in den kommenden Jahren die Nummer 2 in Deutschland werden und greift jetzt die deutsche Konkurrenz auf der wichtigen Strecke Köln Berlin an. Mit Kampfpreisen von 9,99 € gehen die Iren auf Kundenfang.

Ryanair und easyJet mit hoch profitablem Geschäftsmodell

Dass man trotz solcher Preise profitabel wachsen kann, beweisen die Zahlen. Ryanair erreichte im abgelaufenen Geschäftsjahr eine unschlagbare Nettorendite von 15,3%. Dank anhaltend niedriger Treibstoffpreise könnte es dieses Jahr sogar noch etwas besser werden. Ähnlich erfolgreich ist easyJet. Die Briten haben erst vor Kurzem ihre Jahresprognose erhöht und dürften auf eine Nettorendite von annähernd 12% kommen.

Für den Erfolg sorgen nicht nur die Sommertouristen, sondern zunehmend auch Geschäftsreisende, die Ryanair und easyJet mit maßgeschneiderten Premiumangeboten überzeugen.

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Für die Preisbrecher eröffnet sich jetzt ein weiteres Betätigungsfeld: Zubringerflüge. Bisher gibt es noch keine Kooperationen zwischen Billigfliegern und traditionellen Fluggesellschaften. Das könnte sich jedoch bald ändern, wenn easyJet und Ryanair die Zubringerflüge für die Langstreckenverbindungen der Konkurrenz übernehmen.

Der Vorteil für den Kunden besteht darin, dass er durch die Übertragung des Zubringerverkehrs von den niedrigen Kosten der Billiganbieter profitiert. Angeblich führt easyJet bereits Gespräche mit großen Fluggesellschaften über eine derartige Zusammenarbeit. Geklärt werden muss vor allem die Frage: Wer übernimmt die Verantwortung für verpasste Anschlussflüge?

Werden die Golf-Airlines subventioniert?

In Europa macht den etablierten Fluggesellschaften der Wettbewerb mit den Billigfliegern schon genug zu schaffen. Aber auch auf der Langstrecke tobt ein harter Preiskampf. Vor allem die Airlines vom Golf machen sich immer breiter.

Die europäischen- und US-Airlines werfen der Konkurrenz aus dem Nahen Osten den Erhalt unerlaubter staatlicher Subventionen vor, die den Wettbewerb verzerren. Sie fordern eine Überprüfung durch die Kartellwächter und wollen erreichen, dass die Gesellschaften vom Golf keine neuen Start- und Landerechte mehr bekommen.

British Airways hat ihre Hausaufgaben gemacht

IAG mit ihren Töchtern British Airways und Iberia hat auf die Herausforderungen frühzeitig reagiert und strahlte zuletzt etwas mehr Zuversicht aus als zu Jahresbeginn. Anders dagegen die Lage bei der Lufthansa.

Die neue Strategie einer Mixtur aus Billig- und Premiumangeboten ist schwer durchschaubar und könnte die Kunden vergraulen. Zudem drücken die vielen Streiks auf die Ergebnisentwicklung. Noch schlechter ist es um Air Berlin bestellt. Die Airline steht quasi am Abgrund.

Von niedrigen Kerosinpreisen profitiert Air Berlin wegen teurer Absicherungsgeschäfte kaum. Die Frage ist: Wann ist die Geduld des Geldgebers Etihad am Ende?


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Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.