Fluggesellschaften: Eine Branche mit Turbulenzen

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Dank zahlreicher Billigflieger am Markt haben sich die Ticketpreise für Verbraucher günstig, den Fluggesellschaften dagegen brechen die Gewinne weg. (Foto: IlkerErgun / Shutterstock.com)

Die Zahlen der Fluggesellschaften zum vergangenen Jahr haben zum Großteil eines gemeinsam: Während der Umsatz stieg, brachen die Gewinne ein.

Das lag vor allem an den gestiegenen Öl- und damit Kerosinpreisen. In Europa kommt der hohe Wettbewerbsdruck dazu. Obwohl die Lufthansa bereits im Oktober verkündet hat, dass die Erhöhung der Treibstoffpreise zumindest teilweise an die Passagiere weitergegeben wird, sind die Ticketpreise bei beinahe allen europäischen Anbietern zurückgegangen. Die Fluglinien sind schlicht nicht in der Lage, Ticketpreise nachhaltig zu erhöhen. Der Wettbewerbsdruck ist zu groß.

Große Nachfrage trifft auf noch größeres Angebot

Die Flugbranche zählt zu einer der Wettbewerbs intensivsten Branchen der Welt. Und dass trotz jährlich steigender Kundenbasis. Mit mehr als 200.000 gestarteten Flügen an nur einem einzigen Tag wurde 2018 ein neuer Rekord aufgestellt. Über 19.000 Flugzeuge waren gleichzeitig in der Luft. Während 2018 knapp über 4 Mrd. Menschen ins Flugzeug stiegen, rechnen Experten mit einer Verdoppelung dieser Zahl innerhalb der nächsten 20 Jahre.

Doch die steigende Nachfrage trifft auf ein riesiges Angebot. Discounter wie easyJet und Ryanair zwingen einer ganzen Branche ihre Billigtickets auf. Als Folge ging der durchschnittliche Flugticketpreis im vergangenen Jahr je nach Expertenschätzung um 6 bis 8% zurück. Dank der regen Nachfrage stiegen zwar dennoch die Umsätze, der Gewinn blieb jedoch auf der Strecke.

Die Spreu trennt sich vom Weizen

In einem angespannten Marktumfeld trennt sich die Spreu vom Weizen. Innerhalb der vergangenen 12 Monate mussten mehr als 10 Airlines Konkurs anmelden. Darunter Belgiens VLM Airlines, Dänemarks Primera Air, Zyperns Cobalt Air und die Schweizer Sky Works.

Größere Airlines wie Wow und Flybe suchen verzweifelt nach Käufern, und Norwegian startet eine neue Finanzierungsrunde, um die Pleite abzuwenden. Beim Großteil der strauchelnden Airlines handelt es sich um Billigflieger. Sogar der Branchenprimus Ryanair musste herbe Rückschläge verkraften. Die Margen der Discounter sind zu dünn, um hohe Ausschläge in der Kostenstruktur verkraften zu können.

Ruhige Nächte dank Hedging

Mittels des sogenannten Hedging können sich Fluganbieter vor schwer vorhersehbaren Preisschwankungen am Rohstoffmarkt schützen. Instrumente zur Absicherung der zukünftigen Preise gibt es zahlreiche. Doch um die richtigen Instrumente, zur richtigen Zeit, in der richtigen Anzahl zu verwenden, sind tiefe Brancheneinblicke und Know-how gefragt. Stark steigende Rohstoffkosten zeigen klar, was gute von hervorragenden Unternehmen unterscheidet. Während die Treibstoffkosten von Alaska Air Group um mehr als 30% in die Höhe gingen, musste Southwest Airlines nur 10% mehr aufwenden.

Mein Favorit: Southwest Airlines

Southwest Airlines bleibt mein Branchenfavorit. Southwest Airlines legte trotz herausfordernder Marktbedingungen eine Punktlandung hin. Die Umsatz- und Profitabilitätszahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr haben unsere Erwartungen erfüllt. Der Cashflow hob sogar noch stärker ab, als erwartet. Bereinigt um einmalige Steuereffekte im Zuge der US-Steuerreform ging der Gewinn lediglich um 3,1% zurück.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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