Flugzeugbau: Externe Faktoren bringen die Branche nicht vom Kurs ab

Neben der Krise in der Ukraine, den Konflikten in Syrien und dem Irak belastet auch der Ebola-Ausbruch in Westafrika den vorgelagerten Rohstoffmarkt.

Für die Flugzeugbranche ist der Ölpreis ein wichtiger Indikator für die zukünftigen Absatzchancen, denn umso höher der Ölpreis notiert, desto mehr zahlen sich Investitionen der Airlines in die teuren Premiumflieger von Boeing und Airbus Group aus.

Allerdings ist der Rohölpreis in den letzten Monaten rapide gesunken. Bei den ganzen Krisenmeldungen erscheint die Entwicklung zunächst paradox.

Für den Ölpreis-Verfall gibt es aber genau 3 Gründe. Die USA hat mit der Eigenproduktion von Öl begonnen. Mit einem chemischen Verfahren werden tiefe Gesteinsschichten durchdrungen und das enthaltene Öl und Erdgas herausgefiltert.

Die Branche boomt und hat mit ihrer Produktion schon fast das Fördervolumen von Saudi-Arabien erreicht. Nach den Erfolgen in den USA plant jetzt auch Kanada in das Fracking-Geschäft einzusteigen. In Europa ist es bislang verboten, da die Folgen für die Umwelt noch nicht hinreichend erforscht wurden.

Der zweite Grund für den derzeit niedrigen Ölpreis ist die verbesserte Lage in Libyen. Die stillgelegten Förderstellen wurden wieder in Betrieb genommen und fluten jetzt den Markt mit zusätzlichem Öl.

Dritter Grund: Die OPEC-Länder konnten sich nicht auf eine mengenmäßige Verknappung des Fördervolumens einigen. Der prognostizierte Auftragseinbruch bei den Flugzeugbauern ist aber ausgeblieben.

Neue Flieger kommen gut an

Trotz des Ölpreisverfalls und der schwachen Entwicklung der Weltkonjunktur feiern Boeing, Airbus und Bombardier außergewöhnlich gute Erfolge. Grund dafür sind die neuen Flugzeugmodelle.

Der Boeing-Vorzeigeflieger Dreamliner liefert nun endlich die gewünschten Wachstumsimpulse. Die Pannenmeldungen sind abgerissen. Die Marktreife ist erreicht, und die Großaufträge lasten sämtliche Produktionsstätten aus. Der Umsatz stieg um 6%. Durch die verbesserte Produktionsweise hat der Gewinn sogar um 23% zugelegt.

Auch bei Airbus lief es wie geschmiert. Der Konzernumbau und die Sparmaßnahmen haben die Profitabilität ordentlich angekurbelt. Das Auftragsbuch ist prall gefüllt. Mit der Serienreife des Langstreckenfliegers A350 macht Airbus dem Branchenprimus Boeing ordentlich Konkurrenz.

Erste Flugzeuge wurden bereits an Qatar Airways ausgeliefert. Weitere Großaufträge winken aus der Türkei und China. Nach etlichen Pannen bei der Produktion und Forschung ist Airbus endlich wieder auf Kurs.

Selbst der größere Flieger A380 soll bald die Gewinnschwelle erreichen. Zuvor sollten die Produktion des Verlustfliegers sogar eingestellt und die getätigten Investitionen abgeschrieben werden.

Bombardier mischt ganz oben mit

Der ehemalige Nischenanbieter Bombardier ist mit seinen neuen CSeries-Flugzeugen in die erste Liga der Flugzeugbauer aufgestiegen. Allein in den ersten 9 Monaten stieg der Umsatz um 10% auf über 14 Mrd $.

Bombardier hat den Vorteil, dass seine Flugzeuge zwar als Kurz- und Mittelstreckenflieger von Airlines eingesetzt werden können, aber gleichzeitig auch für den privaten Gebrauch geeignet sind. Leider überraschte Bombardier die Anleger mit der Nachricht der Aussetzung des Learjet 85-Programms.

Die Aussetzung der Produktion beruht auf der schwachen Nachfrage von Learjet 85-Flugzeugen und folgt auf eine Abwärtskorrektur der Marktprognose von Bombardier für Business-Flugzeuge. Die Gewinnprognose für 2014 wird ebenfalls revidiert.

3. Februar 2015

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und Strategisches Investieren.

Regelmäßig Informationen über Marktanalysen erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Informationen von Volker Gelfarth. Über 344.000 Leser können nicht irren.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt