Flugzeugbau: Probleme bei Boeing sorgen bei Airbus für neue Aufträge

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Sicherheitsprobleme beim einstigen Verkaufsschlager 737 MAX sorgen bei den Airlines für einen Vertrauensverlust gegenüber Boeing. (Foto: vaalaa / Shutterstock.com)

Die jüngsten Unfallzahlen zeigen ein klares Bild.

Wie auch in den vergangenen Jahrzehnten, nehmen Flugzeuge den 1. Platz der sichersten Verkehrsmittel ein. Während auf eine Milliarde zurückgelegte Kilometer 276 Autofahrer verunglücken, liegt diese Zahl bei Flugzeugen mit 0,3 bei einem Bruchteil. Zum Vergleich: Schienenverkehrsmittel nehmen mit 2,7 verunglückten Personen pro eine Milliarde Reisekilometer den 2. Platz ein. Damit ist Fliegen neunmal sicherer als Zugfahren und 920 Mal sicherer als Autofahren.

Geringe Wahrscheinlichkeit mit großem Risiko

Die Wahrscheinlichkeit von Flugzeugabstürzen ist verschwindend gering. Doch wenn einmal etwas passiert, hat das meist dramatische Folgen, wie der Defekt der neuen 737 MAX aus dem Hause Boeing unlängst zeigte. Die Auftragszahlen deuteten darauf hin, dass die 737 MAX der Verkaufsschlager schlechthin werden sollte. Doch nachdem bei zwei Unfällen innerhalb von einem halben Jahr 346 Menschen ums Leben gekommen sind, verhängte die amerikanische Flugbehörde ein weltweites Startverbot, das nach wie vor andauert.

Boeing erleidet Vertrauensverlust

Hauptgrund für die Unfallursache war laut Behörden ein Fehler im MCAS-System (Maneuvering Characteristics Augmentation System). Ende Mai wurden dann alle 737 MAX Maschinen mit einem Softwareupdate ausgestattet. Doch die fatalen Unfälle rückten den amerikanischen Flugkonzern ins Rampenlicht der Flugbehörden, und so wurden gleich drei weitere Sicherheitsmängel aufgedeckt.

Das Vertrauen ist spürbar angeschlagen, und die Folgen zeichnen sich ab. Auf der diesjährigen SIAE, einer der wichtigsten Flugfahrtmessen des Jahres, gelang es Boeing zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte nicht, am ersten Tag auch nur einen Vertrag an Land zu ziehen. Und das, nachdem American Airlines kurz zuvor bekannt gab, 50 Maschinen des europäischen Konkurrenten Airbus zu ordern.

Das Duell der Giganten geht in die nächste Runde

Das Image von Boeing ist angeschlagen. Nicht nur American Airlines setzt seit der Unfallserie von Boeing auf den europäischen Mitbewerber. Die Airlines Garuda, Lion Air, Kenya Airways und Vietjet fordern Schadensersatzzahlungen von Boeing und erwägen, offene 737-MAX-Bestellungen zu streichen. Airbus ist klarer Profiteur dieser unglücklichen Entwicklung.

Während die Europäer auf der SIAE mit 363 neuen Flugzeugorders einen Erfolg verzeichnen konnten, schnitt Boeing mit 272 Jets deutlich schlechter ab. Noch dazu stammen 200 der 272 Jets von der britischen International Airlines Group. Vergleicht man die Zahlen auf Kundenbasis, führt Airbus mit 26 zu 10 vor Boeing. Zusätzlich wird Boeing von dem laufenden Handelsstreit belastet. Asien ist mit einem Umsatzanteil von 25% mittlerweile der zweitgrößte Markt.

Eine Branche mit Turbulenzen

Neben den hausgemachten Problemen kämpfen die Flugzeugbauer aber auch mit einer allgemein eintrübenden Marktlage. Denn steigende Kerosinpreise und ein tobender Wettbewerb sorgen für ein regelrechtes Aussterben von Fluglinien. Innerhalb der vergangenen 18 Monate mussten mehr als 13 Airlines Konkurs anmelden. Darunter Belgiens VLM Airlines, Dänemarks Primera Air, Zyperns Cobalt Air und die Schweizer Sky Works. Beim Großteil der strauchelnden Airlines handelt es sich um Billigflieger.

Sogar der Branchenprimus Ryanair musste herbe Rückschläge verkraften. Die Margen der Diskonter sind zu dünn, um hohe Ausschläge in der Kostenstruktur verkraften zu können. Das bekommen auch die Flugzeugbauer zu spüren, die insgesamt mit rückläufigen Auftragseingängen zu kämpfen haben.

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Volker Gelfarth
Von: Volker Gelfarth. Über den Autor

Der Diplom-Ingenieur lernte die Schwächen und Stärken eines Unternehmens selbst als Manager kennen, bevor er sich voll und ganz der Value-Analyse widmete. Er ist Chefredakteur für die Dienste Aktien-Analyse, Gelfarths Dividenden-Letter, Gelfarths Premium-Depot und High Performance Depot.

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