Ford-Aktie: Aktie schaltet nach gesenkter Prognose in den Rückwärtsgang

Ford-Aktie: Autobauer nach schwachen Zahlen im Rückwärtsgang. Prognose runter, Investitionen rauf. Hedgefondmanager lassen Finger von der Aktie

Das Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den traditionellen Autobauern und dem aufstrebenden Tesla-Konzern geht in die nächste Runde. Nach dem jüngsten Kursrutsch hat die Ford-Aktie ihre Pole-Position wieder abgegeben. Mit knapp 56 Milliarden Dollar bringt es der Elektroautopionier Tesla auf einen gut 9 Milliarden Dollar höheren Börsenwert als der 1903 gegründete Traditionskonzern.

Auslöser für den jüngsten Schwächeanfall waren schwache Geschäftsergebnisse und ein trüber Ausblick für das laufende Geschäftsjahr. Die Anleger reagierten verschreckt und schickten die Ford-Papiere auf Tauchstation. Nach einem kräftigen Tagesverlust von 7% liegt die Aktie auf Sicht der vergangenen 12 Monate sogar leicht im Minus. Für Sie zum Vergleich: Der S&P 500 Index eilte im gleichen Zeitraum von einem Rekordhoch zum nächsten und erfreute seine Investoren mit einem Wertzuwachs von über 23%.

Letztes Geschäftsjahr unter Erwartungen

Mit seinen vorgelegten vorläufigen Geschäftszahlen konnte der US-Autobauer nicht überzeugen. Im vergangenen Jahr erzielte Ford einen bereinigten Gewinn von 1,78 Dollar je Aktie. Die Analysten hatten im Vorfeld mit 1,84 Dollar je Anteilsschein gerechnet. Vor allem die gesunkene Profitabilität schmeckte den Anlegern nicht. Statt wie in den vergangenen Jahren durchschnittlich 6% operativer Gewinnmarge erreichte Ford nur 5%. Damit liegt das interne Ziel von 8% aktuell in weiter Ferne.

Management warnt vor rückläufigen Gewinnen

Zugleich stimmte der Traditionskonzern seine Anleger auf ein durchwachsenes Jahr ein. Dabei kommt der Gegenwind gleich von mehreren Seiten. Zum einen bremsen Ford höhere Materialkosten aus, zum anderen dürften ungünstigere Wechselkurse das Ergebnis unter Druck setzen. Entsprechend geht die Konzernführung davon aus, dass der Gewinn je Anteilsschein auf 1,45 bis 1,70 Dollar sinken wird.

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Neue Modellpolitik soll Dauerkrise beenden

Unterdessen sucht der US-Autobauer Ford radikale Wege aus der Krise. Vor allem eine komplett neue Modellpolitik soll der Rendite-Schwäche ein Ende setzen. Was bedeutet das konkret? Offenbar will Ford-Chef James Farley hart durchgreifen und scheut auch nicht davor zurück, wirkliche Klassiker aus dem Programm zu nehmen. Künftig soll der Fokus auf einer deutlichen kleineren Modellpalette mit zugleich teureren und lukrativeren Modellen liegen. Damit würde sich der Konzern weg von seinem Image als Massenanbieter bewegen.

Massive Investitionen in Elektrofahrzeuge geplant

Zugleich plant Ford eine kräftige Investitionsoffensive. Insgesamt sollen 11 Milliarden Dollar in die Entwicklung von Elektroautos fließen. Sie müssen wissen: Der Traditionsbauer hinkt im Zukunftsmarkt für die Stromer deutlich hinterher. Lediglich der Ford Focus ist in den USA und Europa bislang als Elektrovariante erwerbbar. Fords Milliarden-Initiative ist in erster Linie der Versuch des neuen Firmenchefs Hackett, den Rückstand aufzuholen.

Hedgefonds bislang nicht aktiv

Ein Blick auf die Aktionärsstruktur zeigt Ihnen, dass sich bislang auch die namhaften Hedgefonds nicht bei Ford engagieren. Zum Vergleich: Bei Fiat Chrysler tummeln mit Mohnish Pabrai, Bill Nygren, Joel Greenblatt oder auch George Soros zahlreiche Spitzeninvestoren. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei dem Traditionskonzern General Motors (u.a. Warren Buffett, David Einhorn, Jim Simons).

Auch die Analysten zeigen sich noch zurückhaltend und wollen offenbar erst sehen, dass der US-Autobauer auch liefert. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit 12,92 Dollar nur wenige Prozent über dem aktuellen Kursniveau.


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Von: Richard Mühlhoff. Über den Autor

Richard Mühlhoff analysiert die realen Anlageentscheidungen der weltbesten Investoren, wie etwa Warren Buffett oder David Tepper. Die kollektive Intelligenz dieser ausgemachten Top-Investoren ist das Erfolgsgeheimnis des Börsendiensts „Investment-Elite“.